Gerd Erdmann aus Neunkirchen ist mit 70 Jahren zum gefragten Model geworden

Kostenpflichtiger Inhalt: Gerd Erdmann aus Neunkirchen : Ein Model im besten Alter

Der Neunkircher Gerd Erdmann ist mit 70 Jahren zum gefragten Model geworden und hat mit Boris Becker gedreht.

Die gute Nachricht vorab: Um Boris Becker müssen wir uns keine Sorgen mehr machen. Finanziell läuft es wieder. Gerade erst hat er eine Stange Geld gewonnen. Beim Pokern. Mit am Tisch, und nun um einige Euro leichter: Gerd Erdmann. Dass der Neunkircher, der mit seinem Café Kanne über Jahrzehnte ein Aushängeschild der hiesigen Gastronomie war, mal mit Becker zocken würde, hätte er selbst niemals für möglich gehalten. „Es ist total verrückt, was gerade passiert“, sagt der 70-Jährige und meint damit seine Karriere als spät berufenes Model. Denn natürlich hat Erdmann nicht wirklich Kohle gegen Boris Becker verloren. Das ist nur die Geschichte eines TV-Werbespots für den Elektronik-Fachmarkt Saturn, in dem Becker gemeinsam mit Erdmann zu sehen ist. Aber wie ist es dazu gekommen?

„Meine Tochter Fiona hat mich gefragt, ob ich nicht mal Fotos von mir bei einer Werbeagentur einreichen wollte. Sie meinte, ich sei ja doch ein spezieller Typ“, sagt Erdmann. Und das ist er zweifelsohne: Lange, graue Haare, moderne schwarze Brille, graue Strickjacke mit gelben Streifen, silbernes Armband – Gerd Erdmann fällt ins Auge. Im positiven Sinne. Und das ist offenbar auch seiner Werbeagentur in Berlin aufgefallen, wo Erdmann als Best-Ager-Model, ein Model in den besten Jahren, gelistet ist. „Die haben mich plötzlich angerufen und gefragt, ob ich in zwei Tagen Zeit hätte, um einen Werbespot in Berlin zu drehen. Da habe ich natürlich zugesagt“, erzählt Erdmann, dessen Tochter als Model und bei Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ Karriere gemacht hat. Also ging es nach Berlin – „gute Airline, Top Hotel, Taxi, wurde alles arrangiert“ –, wo Erdmann in einen Club gebracht wurde. Als dort rund 60 Leute damit beschäftigt waren, alles zu arrangieren, dämmerte es ihm, dass es sich um etwas Größeres handeln musste.

„Und dann saßen wir da am Pokertisch, und plötzlich kam Boris Becker rein. Ein sehr netter Typ. Wir haben ein wenig geplaudert. Irgendwann fing er an zu singen: Schönes Haar ist dir geben, lass es leben...“, erinnert sich Erdmann, der selbst von sich sagt, er hätte nur deshalb so lange Haare, weil er nicht gerne zum Frisör gehe. Jedenfalls ist er mit seinem Pokerface nun täglich in der Flimmerkiste zu sehen und kann sich auch sonst nicht über einen Mangel an Aufträgen beschweren. Ein privater TV-Sender plant eine Doku-Serie mit ihm und seiner Tochter, die mittlerweile in Dubai lebt. Joey Heindle hat ihn fürs Video zu seinem Lied  „Geschichtenerzähler“ engagiert, weitere Werbeagenturen haben ihn in ihre Kartei aufgenommen, sogar aus den USA hat unlängst eine Agentur Interesse bekundet.

„Ich genieße das einfach momentan. Man wird sehen, was sich noch ergibt“, sagt Erdmann, und weiß genau, dass diese späte Model-Karriere keine Selbstverständlichkeit ist. „Bei all dem Glück, das ich gerade habe, bin ich mir bewusst, dass ich eigentlich tot sein könnte“, sagt er und erzählt von seiner Lebertransplantation vor drei Jahren. Nur ein dreiviertel Jahr musste er auf ein Spenderorgan warten. „Das war ein Sechser mit Zusatzzahl. Ich habe bis heute keine Probleme und fühle mich pudelwohl“, betont Erdmann, der seit ein paar Monaten wieder liiert ist.

Dass ihn der ein oder andere wegen seines etwas extrovertierten Erscheinungsbildes für abgehoben hält, das juckt ihn nicht. „Ich bin und bleibe ein Berschmannsbub. Dass es nun Menschen gibt, die meine ,Verrücktheit’ gut finden, macht mich stolz. Aber ich werde deshalb sicher nicht abheben“, sagt Erdmann. Das kauft man ihm auch ab. Und dann erzählt er weiter: Wie er in den 60ern mal 145 Stunden als Discjockey „beim Stobbematz in Göttelborn“ ins Guiness-Buch der Rekorde kommen wollte, dass er  trotz seines Alters für manche Rollen zu jugendlich ist („Vielleicht sollte ich mir noch ein paar Falten operieren lassen“), und und und. Er ist eben ein echter Typ. Aber dass er mal als Model durchstarten würde: „Hätt ich im Läwe net geglaabt.“

Gute Stimmung herrschte beim sechsstündigen Dreh in Berlin. Foto: Marc Prams

Jeden zweiten Donnerstag im Monat lädt Gerd Erdmann zur Jam-Session in sein Lokal Erdmanns in der Willi-Graf-Straße ein. Am Donnerstagabend, 14. November, ist es wieder so weit.

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