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Gemeinschaft könnte so einfach sein

Gemeinschaft könnte so einfach sein

Die Wander-Ausstellung „Weltreligionen - Weltfrieden - Weltethos“ wirbt für eine weltweite Verständigung auf kulturübergreifende, ethische Werte in allen Lebensbereichen. An der Gemeinschaftsschule Neunkirchen Stadtmitte laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren für die Eröffnung am 26. Januar.

. Das Zusammenleben der Menschen könnte so einfach sein, wenn sich alle an die Goldene Regel halten würden: "Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst." Melissa Yetim und Mara Beyer, Neuntklässlerinnen an der Gemeinschaftsschule Stadtmitte, wollen diese Regel nicht nur selbst in ihrem Alltag umsetzen, sondern dafür auch kräftig die Werbetrommel rühren. Gelegenheit dazu gibt es für sie und ihre Mitschüler bei der Eröffnung der Ausstellung "Weltreligionen - Weltfrieden - Weltethos", die vom 26. Januar bis 5. Februar an der Schule in der Lutherstraße Station machen wird.

Nach Neunkirchen und damit erstmals an eine saarländische Schule gebracht hat diese Ausstellung Handan Gündem, die seit 15 Jahren an der Lutherschule Mathe und Chemie unterrichtet und seit August freie Mitarbeiterin der Stiftung Weltethos ist. Die Idee eines "Weltethos" geht zurück auf Professor Hans Küng , der 1995 in Tübingen die Stiftung Weltethos gründete für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung. Gündem, die 1991 aus der Türkei nach Deutschland kam und vor 15 Jahren eine der ersten Lehrerinnen mit Migrationshintergrund in Deutschland wurde, sieht in der Ausstellung eine große Chance für die Neunkircher Schule. 25 verschiedene Kulturen beziehungsweise Nationalitäten werden hier unter einem Dach unterrichtet. Dass diese eine große Herausforderung ist, weiß auch Schulleiterin Monika Jung-Ries. Sie unterstützt das Vorbereitungsteam unter Leitung von Handan Gündem, bei dem Schüler, Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung, Lehrerkollegen und Eltern mitarbeiten. "Die Ausstellung möchte die Schüler einladen, die faszinierende Welt der Religionen besser kennenzlernen", erklärt Gündem im SZ-Gespräch. Sie zeige, dass die Weltreligionen trotz ihrer Verschiedenheit gemeinsame Werte und ethische Maßstäbe teile. Im Ethikunterricht bereitet die zertifizierte interkulturelle Trainerin die Schüler bereits auf die Inhalte der Ausstellung vor. So war etwa die Religion Sikhismus Thema, ihr gehören zwei Schüler aus der Klasse an. Jason erklärte seinen Mitschülern, warum er einen Turban trägt und konnte einige Missverständnisse und Vorurteile in der offenen Diskussion ausräumen, bei der auch der Satz fiel: "Egal, ob jemand einen Turban oder ein Kopftuch trägt. Hauptsache, er oder sie ist ein netter Mensch." Auch Themen wie "Verantwortung für das Glück des Partners" werden bereits im Vorfeld der Ausstellung diskutiert. Dass die künftige Ehefrau arbeitet und der Mann im Haushalt hilft - bei vielen Eltern beileibe keine Selbstverständlichkeit - fanden die Jungs durchaus gut.

Melissa und Mara freuen sich schon auf die Ausstellung, deren Eröffnung sie moderieren werden. Walter Lange von der Stiftung Weltethos wird am Vortag für das Lehrerkollegium und die Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung eine Fortbildung anbieten und das umfangreiche Begleitmaterial erläutern. Interessierte Kleingruppen etwa von anderen Schulen haben die Möglichkeit, die Ausstellung nach Voranmeldung zu besuchen.

Die gewonnenen Kenntnisse und Fähigkeiten der Schüler sollen nach der Ausstellung weiter gefördert werden. Deshalb soll anschließend ein für alle verbindliches Schulethos formuliert werden. "Religion ist wertvoll, kann aber auch missbraucht werden", zitiert Handan Gündem Professor Hans Küng . "Deshalb brauchen wir nicht nur an den Schulen religions- und kulturübergreifende Werte."

weltethos.org