Gastronomen wollen an den Bliesterrassen in Neunkirchen ein Café eröffnen

Kostenpflichtiger Inhalt: Bliesterrassen Neunkirchen : Hürdenreicher Weg zum Blies-Café

Die Idee, an den Bliesterrassen ein Café zu eröffnen, wollen zwei Neunkircher gerne umsetzen. Vonseiten der Stadt fühlen sie sich allerdings stark benachteiligt.

Es gibt da diese Idee von einem Café an den Neunkircher Bliesterrassen. Dort gibt es Kuchen, Eis, guten Kaffee – wie man das eben kennt. Dann kann man sich mit Eis und Cappuccino an die Blies setzen, dort verweilen und die Terrassen mit Leben füllen. So stellt sich der Landschaftsarchitekt Luca Kist das vor, und auch der Stadtverwaltung würde das gefallen. Das wurde in der Vergangenheit immer wieder betont. Auch die beiden Neunkircher Hüseyin Cakir und Kamil Tlemsani sind von dieser Idee begeistert und bereit, sie in die Tat umzusetzen.

Also haben sie im Mai die ehemalige Spielhalle im City-Pavillon gemietet und jede Menge Geld in die Hand genommen. „Wir haben eine neue Lüftungsanlage eingebaut, die Küche erneuert, die Elektrizität und die alte Toilette, und eine zweite Toilette eingebaut. Insgesamt haben wir knapp 20 000 Euro investiert“, sagt Cakir. Dass es mit der Eröffnung Schwierigkeiten geben könnte, hatten die beiden 33-jährigen Handwerker, die ihr Geld als Angestellte verdienen, nicht auf dem Schirm. „Wir haben unseren Antrag auf Nutzungsänderung eingereicht und hätten nicht im Traum daran gedacht, dass es Probleme geben könnte. Jeder war froh, dass hier etwas anderes rein soll als eine Spielhalle. Das wurde uns auch vonseiten der Stadt Neunkirchen signalisiert“, fügt Cakir hinzu. Ihre Idee damals: Tagsüber ein Café, ab dem Abend wollten sie in Lounge-Atmosphäre auch Shishas anbieten.

Kann nur schöner werden: Die ehemalige Spielhalle im City-Pavillon ist derzeit keine Zierde für die Neunkircher Innenstadt. Foto: Marc Prams

Dann allerdings sei ihnen von Vertretern der Stadt mündlich geraten worden, ihren Antrag zurückzuziehen. Eine Genehmigung auf Nutzungsänderung würde man ihnen eh nicht erteilen. Dies wird auf Anfrage von der Stadtpressestelle bestätigt. Eine weitere Shisha-Bar sei dort nicht erwünscht gewesen. Es gebe bereits zwei.

Genau genommen sind es drei, wenn man den Gastronomie-Container auf den Bliesterrassen hinzu zählt, denn auch dort werden Shishas angeboten. Vermieter des Containers sei die Stadt nicht, teilt die Pressestelle mit, der Container gehöre der Betreiberin. „Die Stadt hat lediglich der Aufstellung des Containers zugestimmt“, heißt es weiter.

Dass die beiden keine Shishas anbieten sollten, passte Cakir und Tlemsani zwar nicht ins Konzept, aber sie waren bereit, davon abzurücken. „Also haben wir einen neuen Antrag eingereicht, diesmal lediglich mit der Nutzungsänderung in ein Café, also ohne Shishas“, sagt Tlemsani. Was die beiden dann auf die Palme brachte, war eine Aussage der Stadt, die im SZ-Artikel „Wie geht es weiter mit den Bliesterrassen“ (Ausgabe vom 9. November) nachzulesen ist. Darin heißt es, dass der Antrag für ein Shisha-Lokal zurückgezogen wurde, der Stadt aber kein neuer Antrag vorläge. Dies teilte die Stadtpressestelle am 25. Oktober mit. Eine Eingangsbestätigung belegt aber, dass der Antrag am 15. Oktober bei der Stadt angekommen ist. Auf erneute Anfrage heißt nun von der Stadt: „Das Bauamt hatte zu diesem Zeitpunkt keine Kenntnis von einem Antrag auf Nutzungsänderung. Der Antrag für ein Café ging am 15. Oktober bei der UBA (Anm. d. Red.: Unter Bauaufsicht) ein und kommt erst am Schluss des Umlaufes durch mehrere Abteilungen beim Bauamt an, insofern war diese Aussage vonseiten des Bauamtes zu diesem Zeitpunkt korrekt.“ Gefragt war allerdings nicht nach dem Eingang beim Bauamt, sondern nach dem Eingang bei der Stadt Neunkirchen.

Hüseyin Cakir und Kamil Tlemsani jedenfalls sehen sich in ihrem Vorhaben benachteiligt. Denn nun sei ihnen mitgeteilt worden, sie müssten eine behindertengerechte Toilette einbauen. „Wir wissen einfach nicht, wie das weitergeht. Wir möchten nicht immer weiter Geld investieren, und am Ende können wir das Café nicht eröffnen, weil wir keine Genehmigung bekommen“, befürchtet Cakir. Es werde mit zweierlei Maß gemessen. Zumal der Zugang zu ihren Toiletten barrierefrei sei und sich auf der Rückseite des Pavillons eine behindertengerechte Toilette befinde. Und auch wenn beide immer wieder betonen, dass sie der Betreiberin des Gastronomie-Containers keine Steine in den Weg legen möchten, finden sie es doch seltsam, dass die Hürden für den laufenden Betrieb dort anscheinend weitaus niedriger sind.

So stellt sich etwa die Frage, welche sanitären Anlagen die Gäste und das Personal des Containers nutzen. Auf Anfrage teilt die Stadt mit: „Es gibt eine öffentliche Toilette im City-Pavillon. Während der städtischen Veranstaltungen waren die Toiletten geöffnet und in annehmbaren Zustand. Diese Toilette musste in der Vergangenheit allerdings mehrfach kurzzeitig aufgrund von Drogenmissbrauch, Vandalismus und Verschmutzung geschlossen werden. Für den Gastronomiebetrieb sind jedoch baurechtlich keine Toiletten vorgeschrieben.“

Hüseyin Cakir und Kamil Tlemsani wollen an ihrem Vorhaben festhalten und ein Blies-Café eröffnen. Nun hoffen sie auf etwas Entgegenkommen vonseiten der Stadtverwaltung. Und das ist in Sicht. Wie Oberbürgermeister Jörg Aumann gegenüber unserer Zeitung erklärte, sei er gerne bereit, sich mit den beiden an einen Tisch zu setzen. Schließlich sei ein schönes Café im Sinne der Stadt.

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