Gas-Vergiftung: Sechs Verletzte

Es ist farb- und geruchlos. Kohlenmonoxid kann nur mit Messgeräten geortet werden. Wer es einatmet, kann tödliche Vergiftungen davontragen. In Wiebelskirchen gab es am Donnerstag sechs Verletzte.

Eine Mutter und ihr Sohn sowie vier Helfer des Rettungsdienstes sind verletzt, so lautet die traurige Bilanz eines Kohlenmonoxid-Unfalls in der Wiebelskircher Römerstraße am Donnerstagabend. Der brisante Gasalarm begann als ganz normaler Einsatz für den Rettungsdienst. Eine Chronologie: Eine ältere Frau klagt über Unwohlsein, der Sohn der 78-Jährigen alarmiert den Rettungsdienst. Ein Rettungswagen und ein Notarztfahrzeug machen sich auf den Weg. Während der Untersuchung der Seniorin fällt ein merkwürdiger Geruch in der Wohnung auf. Vermutet wird ein Gasaustritt. Es folgt die Alarmierung der Feuerwehr. Der Löschbezirk Wiebelskirchen rückt an. Einsatzleiter der Feuerwehr ist an diesem Abend der langjährige und sehr erfahrene Feuerwehrmann Hans-Joachim Honecker. Bei der Erkundung des betroffenen Hauses in der Römerstraße fällt auch ihm der unangenehme Geruch auf. Dieser unterscheidet sich aber stark vom Gestank nach faulen Eiern, den Erdgas ausströmt und erinnert mehr an die Verbrennung von Koks. Daher schließt Honecker darauf, dass hochgiftiges und für den Menschen tödliches Kohlenmonoxid ausströmen muss und lässt das ganze Haus umgehend räumen. Aus dem Löschbezirk Wustweiler der Illinger Feuerwehr rückt ein spezielles Messfahrzeug aus, um den Verdacht von Honecker zu bestätigen. Ein Messtrupp stellt in der Wohnung eine Konzentration von Kohlenmonoxid fest, welche die Grenzwerte um das 15fache überschreitet. Der Rettungsdienst setzt die Behandlung von Mutter und Sohn unterdessen in zwei Rettungswagen fort, anschließend werden beide in Krankenhäuser in der Nähe eingeliefert, um weiter medizinisch versorgt zu werden. Zusammen mit einem Schornsteinfegermeister kann die Feuerwehr als Quelle für den Kohlenmonoxidaustritt einen Defekt an der Koksheizung ausmachen. Die Heizung wird zur Sicherheit abgeschaltet, die Feuerwehr bringt den brennenden Koks ins Freie und lässt ihn dort ablöschen. Abschließend wird das Haus belüftet.

Nach dem Einsatz mussten sich auch die beiden Besatzungsmitglieder des zuerst eingetroffenen Rettungswagens sowie der Notarzt und sein Fahrer in medizinische Behandlung begeben. Zwei von ihnen kamen später sogar in eine Fachklinik nach Wiesbaden zur weiteren Behandlung. Auch bei ihnen besteht der Verdacht auf eine gefährliche Kohlenstoffmonoxidvergiftung .

Bei Kohlenstoffmonoxid , abgekürzt mit CO, handelt es sich um ein für den Menschen extrem gefährliches Gas, welches im schlimmsten Fall den Tod zur Folge haben kann. "Mit keinem Sinn kann der Mensch Kohlenstoffmonoxid entdecken. Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos", erklärt Neunkirchens Feuerwehrsprecher Christopher Benkert.
CO ist tödlich

Bei längerem Aufenthalt in Luft, die reich an Kohlenstoffmonoxid ist, drohen dem Menschen schwere gesundheitliche Schäden bis hin zum Tod. "Wenn man CO einatmet, bindet es sich um ein Vielfaches stärker an die roten Blutkörperchen als es der vom Körper benötigte Sauerstoff tut und löst sich auch nicht mehr von diesen ab", weiß Benkert zu berichten. Das hat zur Folge, dass bei längerem Einatmen des Gases immer mehr Blutkörperchen blockiert werden und der Sauerstofftransport im Körper nach und nach zum Erliegen kommt. Ohne Sauerstoff zeige der Körper dann schnell gefährliche Mangelerscheinungen die zu einer Art Müdigkeit, dann zur Bewusstlosigkeit und in letzter Konsequenz zum Tod führen. Besonders tückisch sei, dass das Atmen CO-haltiger Luft nicht schwerer falle als bei normaler Luft.

Behandelt werden kann eine Kohlenstoffmonoxidvergiftung durch die Beatmung des Vergifteten mit reinem Sauerstoff . Noch besser löst sich das CO von den Blutkörperchen bei der Versorgung mit Sauerstoff unter Druck, so wie es in einer Druckkammer möglich ist.
Gute Verbrennung wichtig

"Bei CO handelt es sich um eine chemische Verbindung die bei einer unvollständigen Verbrennung entsteht", so Feuerwehrsprecher Benkert. Das Gas entsteht in geringen Konzentrationen bei so gut wie jeder Verbrennung. Prädestiniert für das Entstehen von Kohlenstoffmonoxid sind Gasheizungen und -thermen, Pellet-, Holz- sowie Koksöfen. Bei Defekten an diesen Geräten oder falscher Handhabung können unter Umständen größere und für den Menschen gefährliche Konzentrationen an Kohlenstoffmonoxid entstehen.
Nur Messgeräte helfen

Der schleichenden Gefahr durch das Kohlenstoffmonoxid kann der Mensch nur mit Messgeräten auf die Schliche kommen. Bei der Feuerwehr, aber auch im Rettungsdienst, werden spezielle CO-Messgeräte vorgehalten, um die Gefahr durch das Gas möglichst schnell im Einsatzfall erkennen zu können. Auch für Privathaushalte gibt es spezielle Gas- und CO-Warngeräte, die einem Rauchmelder ähneln und fest in der Wohnung angebracht werden. Erreicht die CO-Konzentration einen vordefinierten Schwellenwert, lösen diese Melder mit einem lauten Warnton aus und fordern zum umgehenden Verlassen der Wohnung auf.