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Fuchsseuche greift um sichFür die Fuchsräude besteht keine amtliche MeldepflichtSZ-Leser entdecken Füchse auch in den Orten

Fuchsseuche greift um sichFür die Fuchsräude besteht keine amtliche MeldepflichtSZ-Leser entdecken Füchse auch in den Orten

St. Wendel/Stennweiler. Alles andere als niedlich sollten es jene erachten, denen sich ein Fuchs ungewöhnlich zutraulich nähert. Und wenn er auch noch so abgemagert und zerzaust daherschlurft - Mitleid ja, indes in gehörigem Abstand. Denn das Tier könnte von einer Krankheit befallen sein, die durchaus auch Menschen befällt. Denn deren Name Fuchsräude ist irreführend, belässt es eben nicht nur bei Füchsen.In den vergangenen Wochen werden insbesondere Jäger im St. Wendeler Land häufiger auf solche Fälle aufmerksam, dass erkrankte Füchse an Wohnhäusern vorbeikommen oder im Wald verenden. "Wir haben schon mehrere tote Tiere im Wald gefunden", die an Räude zugrundegangen seien, berichtet Günter Rodenbüsch, Jagdpächter im Gebiet Oberes Bliestal. Unter anderem im Ostertal und in Gronig seien Bürger fündig geworden.

St. Wendel/Stennweiler. Alles andere als niedlich sollten es jene erachten, denen sich ein Fuchs ungewöhnlich zutraulich nähert. Und wenn er auch noch so abgemagert und zerzaust daherschlurft - Mitleid ja, indes in gehörigem Abstand. Denn das Tier könnte von einer Krankheit befallen sein, die durchaus auch Menschen befällt. Denn deren Name Fuchsräude ist irreführend, belässt es eben nicht nur bei Füchsen.In den vergangenen Wochen werden insbesondere Jäger im St. Wendeler Land häufiger auf solche Fälle aufmerksam, dass erkrankte Füchse an Wohnhäusern vorbeikommen oder im Wald verenden. "Wir haben schon mehrere tote Tiere im Wald gefunden", die an Räude zugrundegangen seien, berichtet Günter Rodenbüsch, Jagdpächter im Gebiet Oberes Bliestal. Unter anderem im Ostertal und in Gronig seien Bürger fündig geworden.

Auffällig: ausgemergelte Körper, sprußiges Fell, kahle Stellen mit verkrusteter Haut. Auslöser laut dem 73-Jährigen: Milben, die sich in der Haut festsetzen.

Die betroffenen Füchse scheuerten sich wegen des daraus resultierenden Juckreizes wund. "Und dadurch ergeben sich weitere Infektionen, die das Tier zusätzlich leiden lassen". Der Jäger: "Wildtieren droht durch die Räude unweigerlich der Tod."

Doch es treffe zudem Haustiere wie Hunde beispielsweise. "Es reicht schon, wenn sie an einem Fuchsbau schnuppern, wo ein befallenes Tier lebt." Dann sei das Risiko groß, dass Milben auch auf den Hund übergehen. Und nicht nur auf ihn: Herrchen und Frauchen seien für die gefährlichen Plagegeister ebenso ein willkommener Wirt. Deren Haut reagiere ähnlich. "Beim Menschen sagte man früher Krätze."

Aus dem Landkreis Neunkirchen, aus Stennweiler, habe Rodenbüsch folgende Nachricht in diesem Zusammenhang erreicht: "Dort hat die Räude ein Pferd befallen. Am Bein war es erkrankt." Doch Panik möchte der Fachmann nicht verbreiten: Bei Haustieren und bei Menschen sei die Krankheit mit Medikamenten indes sehr gut zu behandeln.

Doch woher kommt diese Epidemie? Nach Rodenbüschs Angaben breitete sie sich von der Schweiz über Baden-Württemberg zu uns aus. "In der Schweiz wissen sich die Menschen gar nicht mehr zu helfen", beschreibt er.

Gibt es keine Möglichkeit, gegen die grassierende Seuche zu impfen? "Köder mit einem Impfstoff auszulegen, wäre zu teuer, anders als bei Tollwut", sagt der Jäger. Darum versuchten er und seine Kollegen, die kranken Tiere zu erlegen. Das sei zurzeit die einzige Chance, der Sache Herr zu werden.Saarbrücken. Ob es sich nun um eine flächendeckende Epidemie der Fuchsräude in der Region oder sogar darüber hinaus im gesamten Saarland handelt, können Experten des Landesamts für Verbraucherschutz (LAV) allerdings nicht sagen. Sabine Schorr, Pressesprecherin des zuständigen Umweltministeriums in Saarbrücken, begründet: "Es handelt sich dabei nicht um keine anzeigepflichtige Seuche." Da es keine entsprechende Vorschrift gebe, existiere keine Statistik darüber. Was jedoch auffalle: "In jüngster Vergangenheit gab es Meldungen aus der Bevölkerung darüber." Einige verendete Tiere seien darauf auch tierärztlich untersucht worden.

Das Ergebnis: Bei neun Füchsen wurde der Befund Räude bestätigt. Die verendeten Tiere stammten aus dem Zeitraum 7. Mai bis 16. Dezember, saarlandweit. Schorr: "Wir haben auch keinen Vergleich zu den Vorjahren, weil wir dies nicht statistisch auswerten." Sprich: Wissenschaftliche Belege sind Mangelware. hgn

St. Wendel/Bosen. Auch SZ-Lesern sind möglicherweise an der Räude erkrankte Tiere in der Region aufgefallen. So berichtet Henriette Merker über den Internetdienst Facebook von einem Tier, das seine Scheu vor Menschen offensichtlich verlor: "In Bosen am Dorfplatz sitzt ein Fuchs, den ganzen Vormittag schon." Und Sebastian Alt meldet aus St. Wendel: "Wollt' nur Bescheid sagen, dass in der Danziger Straße wohl auch ein par ausgemergelte Füchse unterwegs sind." Davon habe ihm eine Bekannte berichtet. hgn

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saarbrueckerzeitung.wnd

"Wildtieren droht durch die Räude unweigerlich der Tod."

Jagdpächter Günter Rodenbüsch

Stichwort

Fuchsräude: Sie wird durch Milben ausgelöst. Diese setzen sich in den oberen Hautschichten des befallenen Tieres oder Menschen fest und ernähren sich dort unter anderem von Zellflüssigkeit. Die Weibchen legen Eier in der Haut des Wirtes ab. Von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit kann es zwei Monate dauern, sagt Jagdpächter Günter Rodenbüsch.

Befallene Tiere sind am Fellausfall und an wunden, verkrusteten Hautpartien zu erkennen. Sie magern zudem erheblich ab und verlieren ihre Scheu vor Menschen.

Unterschied zur Tollwut: Laien erkennen betroffene Tiere an wunden Köpfen und Schaum vorm Mund. hgn