Bestattungskultur im Wandel : Neunkirchen denkt seine Friedhöfe neu

An Allerheiligen besuchen traditionell viele Menschen die Gräber ihrer Verstorbenen. Doch die Bestattungskultur ist im Wandel.

In der Kreisstadt Neunkirchen mit ihren acht Friedhöfen denkt man über eine größere Bandbreite an Bestattungsformen nach. „Friedhöfe mit nur wenigen Bestattungsarten und allzu strengen Friedhofssatzungen, die die Wünsche nach Vielfalt und Individualität verwehren, werden von den Bürgern oft als unattraktiv empfunden“, heißt es auf SZ-Anfrage von der Stadtpressestelle.

Wir wollten wissen, wie die Stadt die Zukunft ihrer Friedhöfe plant. Überall in der Republik ist die Bestattungskultur im Wandel. Es gibt Schätzungen, wonach die Hälfte der Friedhofsflächen in Deutschland für Bestattungen nicht mehr genutzt werden. Diese Zahlen veröffentlichte jüngst der Verein Aeternitas unter dem Titel „Deutschlands Friedhöfe müssen schrumpfen“. Leerstand kommt die Kommunen teuer. Gefragt ist pflegeleicht und kostengünstig, sind individualisierte Bestattungen mit einer Vielfalt der Grabarten, ist ein gestalterisch attraktives Umfeld.

Für die Landeshauptstadt Saarbrücken haben Recherchen der SZ ergeben: Auf Saarbrücker Friedhöfen waren 2018 bereits drei von vier Beerdigungen Urnenbeisetzungen. Die Zahl der Menschen, die ihre letzte Ruhe in einem Sarg finden, sinkt. Ein gutes Viertel der Friedhofsfläche wird nicht mehr genutzt. Da weniger Belegungsfläche benötigt wird, sieht der Friedhofsentwicklungsplan die Bündelung der Grabfelder vor. Und das Herausnehmen nicht mehr belegter Fläche aus der Nutzung, so dass eine weitere intensive Pflege entfällt. Zudem wird über neue Grab-Arten nachgedacht, um die Anlagen dank günstiger Bestattungsmöglichkeiten erhalten zu können.

Zurück nach Neunkirchen. Auch hier ist die Zahl der Urnenbeisetzungen in den vergangenen Jahren gestiegen, die der Erdbestattungen gefallen. 2018 lautete das Verhältnis 395 zu 196 (67 Prozent zu 33 Prozent). Derzeit sei noch kein signifikanter Flächenüberhang festzustellen: „Die Stadt Neunkirchen belegt zurzeit alle Friedhöfe das zweite Mal. Dadurch haben sich wenige Freiflächen ergeben, da durch die langfristige Planung eine Erweiterung der Friedhöfe ausgeschlossen worden ist.“ Die wenigen vorhandenen Freiflächen würden höchstens viermal im Jahr gemäht, damit die Kosten unter Kontrolle stünden. Auf dem Friedhof in Wellesweiler werde eine „Insektenwiese“ angelegt, die nur einmal im Jahr abgemäht werde.

Die Stadt Neunkirchen hat acht Friedhöfe mit zirka 45 Hektar Fläche (Zentralfriedhof, Frankenfeld, Wellesweiler, Kohlhof, Ludwigsthal, Wiebelskirchen, Hangard, Münchwies). Dort befinden sich rund 18 000 Grabstellen und zudem 983 Kriegsgräber.

Zurzeit sind Wiesengräber als Erd- und auch als Urnenbestattung in Form von Einzel- und Familiengräber im Angebot. „Es wird überlegt, ob die Stadt die sogenannten Baumgräber einführt, da die Nachfrage nach dieser Bestattungsart ansteigt“, heißt es von der Stadtpressestelle weiter. „In Zukunft kann man eventuell auch gärtnerbetreute Bestattungsarten oder Themen- und Memoriamgärten einführen.“ Bei der zukünftigen Entwicklung der Friedhöfe komme es aber auch darauf an, ob das Bestattungsgesetz alternative Bestattungsformen zulasse. So könnten dann beispielsweise „Aschestreuwiesen“ oder „muslimische Tuchbestattungen“ eingeführt werden.

„Es fällt auf, dass die Leerflächen immer größer werden“, sagte Ralf Michal vom Bundesverband Deutscher Bestatter dieser Tage in einem Gespräch mit Spiegel online. „Der Gräberkult, wie man ihn von früher kennt, ist überholt, und die Kommunen haben es verschlafen, vernünftige, zeitgemäße Bestattungsformen zu schaffen.“ Zeit auch für Neunkirchen, seine Friedhöfe neu zu denken.

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