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Frauenhaus Neunkirchen in Corona-Zeiten

Die Bilanz kann trügen : Frauenhaus voll – Corona lässt Anfragen nicht steigen

Hier gibt es in Neunkirchen bei häuslicher Gewalt Hilfe. Rund um die Uhr erreichbar.

(cle) Die einschränkenden Maßnahmen ins Alltagsleben unserer Gesellschaft im Kampf gegen das Corona-Virus ließen auch einen Anstieg häuslicher Gewalt erwarten. Das scheint sich bislang nicht zu bestätigen. Das bedeutet aber nicht, dass die Prognosen falsch waren, wie Mascha Nunold von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte. Die Awo ist Trägerin der insgesamt drei Frauenhäuser im Saarland – darunter das Frauenhaus in Neunkirchen. „Wir verzeichnen keine gestiegenen Aufnahmeanfragen und haben Zimmer frei“, sagt Nunold. Eine Überlastung der Frauenhäuser war zu Beginn der Krise eine der am häufigsten gehörten Befürchtungen. Nun sei laut Nunold das Gegenteil eingetreten. Die Anfragen seien im Vergleich zum „normalen Arbeitsalltag“ zurückgegangen. Diese Bilanz könne jedoch trügen. „Die Präsenz des Mannes daheim oder die Angst vor einer Ansteckung im Frauenhaus – wegen des Zusammenlebens mit anderen Frauen und Kindern – können hier eine Rolle spielen“, sagt Nunold: „Das Ausmaß der häuslichen Gewalt wird eventuell erst nach dem Ende der Corona-Krise sichtbar.“

Diese Einschätzung teilt auch Tatjana Schommer, Leiterin des Frauenhauses Neunkirchen: „Aber alle Häuser sind gut darauf vorbereitet.“ Die Entwicklung bisher landesweit, so Schommer, bestätige sich auch in Neunkirchen: „Wir haben keine vermehrten Anfragen.“ Voll belegt sei das Haus, aber das sei wie immer.

Zwölf Belegplätze für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder stehen im Neunkircher Haus zur Verfügung. Zum Team gehören zwei Sozialarbeiterinnen (inklusive Leitung), eine Erzieherin, zwei Mitarbeiterinnen für Ruf- und Spätdienst. Das Haus ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar.