Feuerwehr in Neunkirchen durch Wohnhausbrand unter hoher Belastung

Feuerdrama in Neunkirchen : Vermisste (33) ist erstes Brandopfer

Nach dem Feuer in einem Neunkircher Wohnhaus steht fest: Die Frau der vermissten Familie ist tot. Die Suche nach Mann und Kind geht weiter. Für die Feuerwehr ist der Einsatz auch psychisch sehr belastend.

Das Ergebnis der Obduktion bringt traurige Gewissheit: Die nach dem verheerenden Brand in einem mehrgeschossigen Wohnhaus in der Wellesweilerstraße in Neunkirchen geborgene Leiche ist die vermisste 33-jährige Frau. Die Polizei hatte nach dem Feuer von Sonntagmorgen erklärt, eine dreiköpfige Familie sei unter der Adresse gemeldet. Von ihr fehlte jede Spur, während die Feuerwehr die anderen Hausbewohner teils über die Drehleitern der Wehren gerettet hatte. Die Suche nach dem Mann (50) und dem Kind (4) geht weiter. Die Befürchtung, in dem Haus auf zwei weitere Leichen und somit alle Familienangehörigen zu stoßen, ist damit erdrückend groß. Eine Sprecherin des Landespolizeipräsidiums erklärte zum Obduktionsergebnis, die Frau sei an einer Rauchgasvergiftung gestorben.

Am Tag zwei nach dem Brand in der Neunkircher Wellesweilerstraße arbeitet ein Abbruch-Unternehmen mit schwerem Gerät in der weiter gesperrten Straße. Das Dach ist teilweise abgetragen. So konnten die Rettungskräfte mit einer Hebebühne über das Geschoss fahren und die bereits am Sonntagnachmittag durch ein Fenster gesichtete Leiche bergen. Die Arbeiten gingen auch am Dienstag nur langsam vonstatten an dem einsturzgefährdeten Gebäude. Eine Gefahr, dass auch die rechts und links angebauten Häuser unsicher geworden seien, sah Feuerwehrchef Enderlein allerdings nicht. Das werde aber überwacht. Die rund 25 Menschen, die in den benachbarten Wohnungen leben, sind an anderen Orten in der Stadt untergebracht.

Ein Wohnhaus ist völlig zerstört. Die Ruine muss nach dem Brand Stück für Stück abgerissen werden. Die Bedingungen sind für die Rettungskräfte an der Unglücksstelle in der Neunkircher Innenstadt hart. Das berichtet Feuerwehrsprecher Christopher Benkert. Seit Sonntagfrüh sind seine Kollegen vor Ort, nachdem sie um 5 Uhr wegen des verheerenden Wohnhausbrandes in der Wellesweilerstraße alarmiert worden sind. 13 Menschen wurden gerettet.

„Ein 48-Stunden-Einsatz verlangt viel ab“, sagt der 30-Jährige am Dienstag. Denn noch immer sind bis zu 25 seiner Kollegen vor Ort. In der Nacht mussten sie erneut ran, zündelten wiederum Flammen in dem zerstörten Haus. Dabei sind die Feuerwehrleute und andere Helfer immer in Gefahr: Das, was von dem mehrstöckigen Haus übrig blieb, ist einsturzgefährdet.

In der Nacht auf Dienstag barg die Feuerwehr die Leiche einer Frau im Dachgeschoss. Zuvor war die Aktion am Montagnachmittag abgebrochen worden. Benkert: „Es war einfach zu gefährlich.“ Die Flammen hatten sich vom Keller aus über das hölzerne Treppenhaus in Windeseile vorgearbeitet und das Dachgeschoss erreicht, wo die jetzt Vermissten lebten. „Bis in die Nacht waren wir im Einsatz, um die Leiche zu bergen“, schildert der Feuerwehrsprecher. Normalerweise ist dies die Aufgabe der Polizei. Aber in besonderen Situationen, wie in diesem Fall nur schwer zugänglichen Trümmern, bietet die Wehr Amtshilfe. An Seilen gesichert, stiegen die Freiwilligen über das verkohlte Dachgebälk ein. Was diese Hilfe aber nicht nehmen kann: den psychischen Druck. Benkert: „Seelisch ist das für die Feuerwehr extrem belastend.“ Einen toten Menschen zu bergen, gehe an die Substanz. „Dafür haben wir jetzt zwei langgediente, erfahrene Kameraden eingesetzt, die sich dafür freiwillig gemeldet hatten.“ Zusätzlich bedrückend: Würden sie bei der Bergung auch auf die sterblichen Überreste der beiden Familienangehörigen stoßen, von denen bislang jede Spur fehlt? Womöglich unter herabgestürzten Teilen des Wohnhauses begraben? Das war zwar nicht der Fall. Aber die Last, die auf den Helfern liegt, sei enorm. Dafür stehe psychologische Hilfe bereit. „Am Abend sind noch Notfallseelsorger angefordert worden. Jeder soll die Möglichkeit haben, mit ihnen über das Erlebte zu sprechen“, sagt Benkert. Und der Einsatz ist noch nicht vorbei. „Das ist eine Ausnahmesituation. Für alle.“

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