Fair-Streit-Training der Bachschule in Neunkirchen

Streitkultur :  „Ich will mit dir streiten, aber fair soll es sein“

An der Neunkircher Bachschule wurde gezeigt, wie fairer Streit funktioniert. Denn Auseinandersetzungen können friedlich ablaufen.

Ich will mit dir streiten! – Aber fair. Im „Fair-Streit-Training“ der Neunkircher Bachschule ging es um das Erlernen von Grundregeln des fairen Streitens mit dem Ziel, Konflikte ohne Gewalt zu lösen – zur Stärkung des demokratischen Miteinanders. So eine Mitteilung des Landkreises Neunkirchen.

 Es gibt bestimmt Menschen, die sehr sanft streiten können, die immer sachlich bleiben und ohne direkte Kritik ihren Standpunkt vertreten. Die dann auch noch – wie in vielen Streitratgebern empfohlen –  Ich-Botschaften senden können à la „Ich ärgere mich darüber, dass ich jetzt keinen Parkplatz habe“. Aber kaum ein Erwachsener schafft das in echten Konfliktsituationen, und auf dem Schulhof können die Emotionen schon mal überkochen und die Ich-Botschaft lautet dann: „Ich hau dir in die Fresse!“

Deeskalierend wirkt in solchen Situationen die grundlegende Bereitschaft, sich bei Meinungsverschiedenheiten gegenseitig zuzuhören, nicht zu beleidigen oder zu drohen, sich in die Augen zu schauen und sich gegebenenfalls zu entschuldigen beziehungsweise zu verzeihen. Das Muster einer respektvollen Auseinandersetzung kann erlernt werden. Dafür trainierte Angelika Beyer, die das „Fair-Streit-Training“ seit Jahren mit unterschiedlichen Gruppen durchführt und auch Workshops für Familien anbietet, mit der Klasse 3a der Bachschule in Neunkirchen, wie man seinem Ärger Luft machen kann, ohne jemandem weh zu tun. Initiiert wurde das Projekt vom Förderverein der Schule, denn streiten sei wichtig und nichts, was unbedingt vermieden werden muss! Das Antrainieren einer fairen Streitkultur beinhaltet ebenso, seine persönlichen Grenzen auszuloten und auch zu zeigen sowie die des Gegenübers zu respektieren. Dazu gehört, laut „Stopp“ zu rufen, den Arm abwehrend auszustrecken und ebenso ein „Stopp“ des Kontrahenten zu akzeptieren.

An einer Schule mit über 40 Nationalitäten sind dies wesentliche Basiselemente zur kulturübergreifenden fairen Konfliktlösung. Grundlage des Projektes, das im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie“ des Landkreises Neunkirchen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde, war ein einfacher Streitvertrag, unter dessen Einhalten sogar mit Schaumstoffknüppeln – fair – gekämpft werden durfte.

Alle Schülerinnen und Schüler der Bachschule erhielten zum Abschluss eine Urkunde, die ihnen bescheinigt, dass sie erfolgreich an diesem Workshop teilgenommen haben und sie können auf der Basis „Wir kommen miteinander klar, gemeinsam finden wir Lösungen“ künftige Konfliktsituationen fair regeln.

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