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Arthouse
Expressive Kunst begeistert im ehemaligen Gotteshaus

Hausherr Jürgen Trösch und vier weitere Künstler stellen in der ehemaligen Kirche aus.
Hausherr Jürgen Trösch und vier weitere Künstler stellen in der ehemaligen Kirche aus. FOTO: Anja Kernig
Neunkirchen. In der einzigartigen Atmosphäre des Neunkircher Arthouses präsentieren Jürgen Trösch und vier weitere Künstler ihre Arbeiten mit der Ausstellung „Farben-Form“. Von Anja Kernig

Ein Mops mit Silberblick. Eine Eieruhr, durch die eine Küstenlandschaft rinnt. Farbkompositionen, organisch pulsierend bis erstarrt – und dazwischen Skulpturen mit klar definierten Formen und glatten metallischen Oberflächen. Die Vielseitigkeit und Anzahl der Objekte verleiht dieser zweiten großen Ausstellung im Arthouse fast den Charakter eines Kunst-Kaufhauses – im besten Sinne. Allein diese Größe und Weite der Galerie, die immer noch Kirche genug ist, um Andacht aufkommen zu lassen, dürfte in der Region einmalig sein.



Was Oberbürgermeister Jürgen Fried zu schätzen weiß. In seinem Grußwort erinnerte der Schirmherr daran, dass Jürgen Trösch die Herz-Jesu-Kirche „vor einem ungewissen Schicksal gerettet“ habe. Als Neunkircher sei Fried „sehr, sehr glücklich darüber“. Möglicherweise teilen noch andere dieses Gefühl. Zur Vernissage pilgerten trotzdem vor allem Kunstsinnige von außerhalb. Was schade sei, bedauerte Fried, der unter anderem die treue Klientel der städtischen Galerie vermisste und die Anwesenden eindrücklich bat: „Unterstützen sie Herrn Trösch.“

Zu dessen neuesten Werken gehören die tanzenden Paare aus Cortenstahl und Edelstahl: „Sie winden sich formschön im Raum empor“, ausgestaltet „im Wechsel von Höhen und Tiefen, in konkaven und konvexen Raumkurven“, erklärte Brigitte Quack in ihrer Laudatio. Damit leiten die Skulpturen über zu den mehr „informellen Leinwandarbeiten, die als Raumzeichnungen zu sehen sind“: In schneller Maltechnik hat Trösch sie „mit Rakel und Pinsel aus der eigenen Körperbewegung heraus gestaltet“. Ähnlich flott entstehen die Tier-Gemälde von Tina Paulus. In leuchtenden Öl- und Acryl-Farben – dominiert von konträren Rot-Grüntönen – porträtiert die diplomierte Designerin aus Saarbrücken-Bübingen ihre gefiederten und vierbeinigen Modelle. Mit Ehemann Norbert, einem Tierarzt, zimmerte sie die Rahmen selbst, bespannte sie mit Leinwand und grundierte sie mittels Knochenleim. „Darauf treten uns die Tiere bewusst überzeichnet entgegen“, um Wesentliches und letztlich das Wesenhafte selbst zu betonen, so Quack.

Nicht minder expressiv wirken die bewegten Bildwelten von Marion Reinking auf den Betrachter. Seit knapp zehn Jahren widmet sich die Zweibrückerin der experimentellen, abstrakten Malerei. „Sie liebt es, ihre Bilder im Materialmix mit Sand, Zeitung, Pappe und Netzstrukturen auf ihrer Leinwand entstehen zu lassen.“ Manchmal reichen ihr die Finger als Malwerkzeug, um Werke voller Farbgewalt zu gestalten. Abstrakt und experimentell arbeitet auch Werner Gräßer, ebenfalls aus Zweibrücken. „Soften, leuchtenden, vielfach transparenten Farben treten in seinen Acrylbildern kompaktere, härtere Farben gegenüber.“ Oft wirkt tiefes Schwarz mit, etwa „als Grund für seismografisch anmutende Linienformationen“. Überhaupt geht Gräßer „sehr experimentierfreudig ans Werk“, in dem er neben Pappe und andere Materialien auch Collagen mit Schrift und Zahlen integriert.

Und dann wären da noch „die wunderbaren Meeresbilder“ von Bianca Blum: „Wolkenformationen, die den Wind fast fühlen lassen. Die Flügelschläge der Möwen und die Gischt am Bug – fotorealistisch, detailgenau und doch stimmungsvoll geladen, eine einzige malerische Hymne an die Schönheit der Welt, die es zu schützen gilt.“ Die in Losheim wohnende Künstlerin versteht ihr Handwerk, hat es regelrecht perfektioniert. Ihre großformatigen Öl-Gemälde sind „sehr aufwändig, so dass es nicht wundert, dass sie an manchen Bildern monatelang, bisweilen gar bis zu einem Jahr“ arbeitete. Noch eindrücklicher sind ihre Tierdarstellungen. Fast meint man, das Fell zu fühlen, etwa bei „Wolf und Fuchs“. Wie die Laudatorin anmerkte, wurzeln Bilder wie diese in Bianca Blums „Liebe zu den Tieren, die sie auch als Mitglied in verschiedenen Tierschutzverbänden aktiv lebt.“



Geöffnet ist die Ausstellung von Dienstag bis Freitag in der Zeit von 16 bis 19 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. (0171) 4 70 04 60.