Experimente mit Karton und Farbe

Vor zwei Jahren hat ein Brand viele Werke von Horst Kraemer vernichtet. Doch der Künstler fing wieder an, und zeigt nun in seiner Ausstellung beim Künstlerkreis neue Bilder, zum Teil in einer speziellen Ritztechnik.

Das Großformat mit der hellen, fließenden Struktur auf dunklem Grund ist eines der Werke, auf die Horst Kraemer besonders stolz ist. Deshalb steht es im Schaufenster. Und deshalb steht Kraemer bei der Vernissage seiner Ausstellung "Strukturelle Vielfalt" am Donnerstagabend draußen vor der Galerie des Künstlerkreises und erklärt das Bild der SZ. "Ich habe Acryl- auf Ölfarbe aufgebracht. Durch den Abstoßeffekt entstehen diese Verläufe." Mit dem Pinsel habe er sie leicht gesteuert. Das Ergebnis hat in der Tat etwas für sich, weckt Assoziationen an etwa einen Planeten vom Weltall aus betrachtet, an das Weltall selbst oder an eine zerklüftete Landschaft. Mit letzterem ist man gar nicht mal weit weg von den Gedanken des Künstlers. "Ich lasse mich viel von Karten - Landkarten oder auch Stadtplänen - inspirieren."

Die Struktur ist es, die Kraemer beschäftigt, dafür ist der gebürtige Neunkircher, Mitglied im Neunkircher Künstlerkreis, in der Szene bekannt. Seit 2001 ist er übrigens künstlerisch tätig, 2013 hatte er seine erste Einzelausstellung beim Künstlerkreis.

Die meisten Bilder der Ausstellung sind jedoch in seiner selbst entwickelten Kartontechnik gearbeitet. Dabei schneidet er Linien in drei Millimeter dicken Karton. "Einfach so, wie andere Leute sie zeichnen", erklärt er. Dann behandelt er das Material mit Tusche, die einzieht und es aufweicht, sodass sich einzelne Teile herauskratzen lassen. Quasi dreidimensional wird die Struktur dann sogar. Dabei tritt die Farbigkeit mal stark hinter die Ritzungen zurück, mal ist sie so präsent und leuchtend, dass die Struktur gerade durch die Farbwechsel sichtbar wird. "Früher habe ich das nur mit kleineren Kartons gemacht, mittlerweile kriege ich es auch mit großen hin." Annelie Scherschel-Freudenberger, Vorsitzende des Künstlerkreises, wies in ihrer Laudatio auf eine weitere Entwicklung hin: "Gegenüber früheren Arbeiten, die einer regelmäßigen Struktur folgten, fängt Krämer nun an, die Liniennetze freier, ohne innere Ordnung zu setzen."

Bei einer Skulptur, die in den hinteren Räumlichkeiten der Galerie zu sehen ist, handelt es sich um ein sehr unfreiwilliges Werk aus Kraemers Atelier: Das Feuer hat sie geschaffen, als es 2014 bei der Familie brannte. Das gesamte Atelier, einschließlich Werkzeugen, Materialien, Farben und Werken - bis auf wenige, die für eine Ausstellung verpackt im Flur lagen - sind verbrannt. Und einen Stapel Zeichnungen und Radierungen hat das Feuer zu der "Skulptur" verschmort. Doch Kraemer hat neu angefangen und in kurzer Zeit eine erstaunliche "Strukturelle Vielfalt" erarbeitet.

Mit Horst Kraemer startet der Künstlerkreis übrigens in die neue Ausstellungssaison. Zu sehen ist "Strukturelle Vielfalt" bis Sonntag, 15. Mai.