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Engagiert über die Sprachhürden

 Hans Klaus Sperber in der Runde „seiner“ Eritreer. Das unbürokratische Erlernen der deutschen Sprache soll zur Integration beitragen. Foto: Thomas Seeber
Hans Klaus Sperber in der Runde „seiner“ Eritreer. Das unbürokratische Erlernen der deutschen Sprache soll zur Integration beitragen. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Neunkirchen. Ohne Sprachbeherrschung sieht's schlecht aus mit der Integration. Also hat sich Hans Klaus Sperber hier ein Tätigkeitsfeld gesucht. Er vermittelt Flüchtlingen aus Eritrea nicht nur die deutsche Sparache, sondern hat auch eigens ein Wörterbuch dazu geschrieben. Was im Neunkircher Rathaus sehr begrüßt wird. Janek Böffel

"Die Sprache ist entscheidend." Es ist eine Binsenweisheit erfolgreicher Integration. Wer sich irgendwo integrieren möchte, der muss die Sprache sprechen können. Je schneller, desto besser. Doch das Leben eines Flüchtlings in Deutschland ist immer auch eine Frage des Status‘. Nur wer offiziell seinen Status als anerkannter Flüchtling hat, der kann auch einen Sprachkurs besuchen. Das kann dauern. Und selbst dann ist noch nicht sicher, dass gerade ein Platz frei ist. "Aber das ist doch Zeitverschwendung, dass die Menschen darauf warten müssen", sagt Hans Klaus Sperber. Deshalb gibt er einen Sprachkurs für eine Gruppe Eritreer bei der Caritas in Neunkirchen .

Sperber ist einer, der Energie für mehrere Arbeitsleben hat. "Ich habe auch schon bis 67 gearbeitet. Die Leute haben mich immer gefragt, warum ich mir das antue. Aber ich kann doch nicht einfach so dasitzen." Doch mit 67 war dann endgültig Schluss für den Oberstudienrat am Berufsbildungszentrum in Saarbrücken. "Also habe ich mir etwas anderes gesucht." Sperber muss schmunzeln. "Ich kann einfach nicht anders." Zuerst half er als Lesepate für Menschen mit Behinderung. "Aber das hat mich nicht ausgefüllt." Als er vom Problem mit den Sprachkursen für Flüchtlinge ohne anerkannten Status erfuhr, hatte er seine Aufgabe gefunden. Seitdem gibt er Unterricht. "Das macht mir Spaß."

Doch bei seiner Arbeit fehlte etwas. Es gab kein Wörterbuch mit den nötigsten Grundbegriffen in Deutsch, Englisch und Tigrigna, der Amtssprache Eritreas. Zumindest keines, das auf wenigen Seiten das Nötigste vermittelt. Doch Hans Klaus Sperber wäre nicht Hans Klaus Sperber, wenn er nicht auch dafür eine Lösung gefunden hätte. Er schrieb einfach selbst ein Buch. "Einführung in die Deutsche Sprache für Eritreer - Wörter, Redewendungen und Sprachführer für das alltägliche Leben."

Doch es sollte mehr sein als einfach nur ein Wörterbuch. Es soll auch ein Leitfaden für die wichtigsten Lebenssituationen sein. Vom Fragen nach dem Weg auf der Straße über alltägliche Einkäufe im Supermarkt bis zum Arztbesuch. Alles zusammengefasst auf 47 Seiten - immer wieder aufgelockert mit erklärenden Bildern. "Es geht nicht nur darum zu wissen, was die wichtigsten Begriffe sind, sondern auch, wie man sich verhält", erklärt Sperber. Sperber hat das Buch zusammengestellt und mit drei seiner Schüler, vor allem mit der Hilfe von Fishale Tesfagiorgis, in Tigrigna übersetzt.

Und es scheint, als habe Sperber mit dem Buch tatsächlich eine Lücke gefüllt. "Wir waren sofort begeistert von der Idee, aber auch überrascht, dass es so etwas bisher noch nicht gibt", sagt der Beigeordnete Sören Meng. Deshalb will die Stadt Neunkirchen das Projekt unterstützen und zumindest die Druckkosten übernehmen. {Zcaron}eljko Cudina, der Integrationsbeauftragte der Stadt, sieht in Sperbers Leitfaden einen wichtigen ersten Schritt: "Die Sprache ist ganz entscheidend. Man darf auch nicht vergessen, dass es im Saarland keinen vereidigten Dolmetscher gibt. Wir müssen immer einen aus Frankfurt kommen lassen. Es gibt also enormen Bedarf. Und mit diesem Buch haben wir ein Alleinstellungsmerkmal als Stadt."

Deshalb soll auch beim Innenministerium geprüft werden, ob das Buch landesweit eingeführt werden kann. "Die Bereitstellung von Wohnraum funktioniert zwar immer besser, aber die Kommunen brauchen auch Unterstützung bei der Betreuung", sagt Meng.

Zuerst wird nun eine Tastatur in Tigrigna angeschafft, um das Buch noch professioneller zu machen. Tesfagiorgis hat schon angekündigt, sich darum zu kümmern. Und vielleicht wird er dann die Übersetzungsarbeit auch ganz offiziell als Praktikant der Stadt Neunkirchen machen, wie Cudina ihm angeboten hat.