Eisenbahn-Nostalgie in Neunkirchen

Eisenbahn-Nostalgie in Neunkirchen

Neunkirchen. Reger Zugverkehr herrschte am Samstagmittag am Neunkircher Bahnhof. Doch zwischen den bekannten roten Zügen der Deutschen Bahn schob sich plötzlich etwas über die Schienen, das schon von weitem auffallend anders aussah: Weiße Dampfwolken ausstoßend, rollte die sperrige, pechschwarze Lok 5519 im Bahnhof ein

Neunkirchen. Reger Zugverkehr herrschte am Samstagmittag am Neunkircher Bahnhof. Doch zwischen den bekannten roten Zügen der Deutschen Bahn schob sich plötzlich etwas über die Schienen, das schon von weitem auffallend anders aussah: Weiße Dampfwolken ausstoßend, rollte die sperrige, pechschwarze Lok 5519 im Bahnhof ein. Angehängt waren ihr Waggons der luxemburgischen Staatsbahn CFL, denn von dort war die alte Dame mit ihrem eigenen Personal des Vereins "5519 association" über fast vier Stunden angereist. Hergestellt wurde die 23 Meter lange Kriegslok Baureihe 42 im Jahre 1948 in Wien, von der CFL übernommen bereits ein Jahr später.

Ziel der Fahrt am Samstag war eigentlich Saarbrücken. Doch weil die Dampflok regelmäßig Wasser tanken muss und in der Landeshauptstadt dazu keine Möglichkeit besteht, setzte sie einige Fahrgäste dort ab und machte dann einen Abstecher nach Neunkirchen. "Auch auf dieser Tankfahrt nehmen wir Passagiere mit, da die Landschaft entlang der Strecke sehr reizvoll ist", erklärte der Kassenwart des Vereins, Guy Bovang. Lokführer war an diesem Tag Gilbert Bodson, dessen Beimann Serge Lederle und Heizer Alexander Körner. Die insgesamt 64 Fahrgäste nutzten am Neunkircher Bahnhof die Gelegenheit, sich das Innere der stehenden Lok genauer anzusehen und zerstreuten sich dann in der Stadt. Denn bis zur Weiterfahrt würde es zwei Stunden dauern. Einige wären am liebsten gleich wieder eingestiegen, auch Katrin Selza war von der Fahrt begeistert: "Die schneebedeckte Landschaft dazu der Sonnenschein - einfach klasse!" Zudem sei es interessant, welcher Aufwand früher nötig war, um einen Zug in Bewegung zu setzten. Auch Volker Dalheimer interessierte sich für die alte Technik: "Schon das Fahrgefühl ist ein ganz anderes, nicht so steril und uniform. Man spürt die Schienen."

Was bei modernen Zügen dank Elektronik mit einem Knopfdruck erledigt wird, bedeutet bei der Lok 5519 teilweise harte Arbeit. So muss beispielsweise der Heizer die Maschine während der gesamten Fahrt unablässig mit Kohle füttern. Der genaue Verbrauch sei immer von der Strecke abhängig, so Guy Bovang. "Von Luxemburg bis nach Neunkirchen haben wir drei Tonnen Kohle verbraucht, dazu 20 000 Liter Wasser." Beim "Wasserfassen" ließ man die Lok ungestört, der Tankvorgang konnte nicht beobachtet werden.

Bovang erklärte, mit der Unterstützung der Stadtwerke und zur Verfügung gestellten Feuerwehr-Gerätschaften zapfe man einen Hydranten an. Außerdem wurde die Lok gewartet, das heißt Räder, Achsen und Öl wurden überprüft. Dann sammelte man die in Saarbrücken abgesetzten Fahrgäste, die dort zumeist den Christkindlmarkt besucht hatten, wieder ein, bevor es zurück nach Luxemburg ging.

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