Einwohnerstatistik Stadt Neunkirchen

Migranten-Mix im Wandel : So verändert sich das Gesicht der Stadt

Die Einwohnerstatistik für Neunkirchen zeigt auch: Die Nationalitäten verschieben sich. Türken jetzt hinter Syrern, Bulgaren und Rumänen.

In den letzten Jahren ist die Gesamtbevölkerung der Stadt Neunkirchen stetig gewachsen. Seit April 2018 schrumpft sie wieder. „Zwar stieg die Zahl der Bewohner mit ausländischer Staatsangehörigkeit weiter an, jedoch konnte diese Zunahme den Verlust durch Sterbeüberschuss und Abwanderung bei der deutschen Bevölkerung nicht mehr ausgleichen“, erklärt die Stadtpressestelle auf Anfrage unserer Zeitung.  Wir wollten wissen: Welche Faktoren beeinflussen die Einwohner-Entwicklung? Wie streut die Nationalitäten-Vielfalt? Was fordert die Stadt heraus?

In absoluten Zahlen: Am 31. Dezember 2018 waren 47 873 Einwohner mit Haupt- oder alleiniger Wohnung in Neunkirchen registriert. Ausländeranteil 17,28 Prozent. Ein Verlust im Vorjahresverlauf von 300. Die Stadtverwaltung rechnet bis 2030 (unabhängig von Sondereffekten wie Flüchtlingswellen) mit einem durchschnittlichen jährlichen Einwohnerverlust von 350. So erwartet die Stadtverwaltung 2030 eine Einwohnerzahl von zirka 43 700 Menschen, eine Prognose der Bertelsmann-Stiftung geht gar von 41 300 Einwohnern aus. In den ersten Wochen diesen Jahres hat die Stadt weiter Einwohner verloren, zählt jetzt 47 832 (Stichtag 10. Februar 2019). Ausländeranteil 17,36 Prozent. Das ist etwa doppelt so hoch wie 2008 (8,59 Prozent).

Aktuell sind neben der deutschen noch 112 weitere Staatsangehörigkeiten im Stadtgebiet vertreten. Die größte Gruppe bilden wie schon immer Italiener. Türken fallen auf den fünften Platz zurück, vor zehn Jahren standen sie noch auf Rang zwei. Den besetzen jetzt Syrer vor Bulgaren und Rumänen. Ende 2018 hatte jeder dritte Neunkircher einen Migrationshintergrund  – 8273 hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit, 4694 hatten neben der deutschen mindestens eine weitere Staatsangehörigkeit und 3111 sind eingebürgert.

Die Nationalitäten-Vielfalt hat sich also verschoben. Zum einen als Folge wirtschaftlicher Freizügigkeit. Am 1. Januar 2014 wurde die Arbeitnehmerfreizügigkeit auf Frauen und Männer aus Bulgarien und Rumänien und am 1. Juli 2015 auf Menschen aus Kroatien ausgeweitet. Seit 2014 ist ein starker Zuzug aus Bulgarien und Rumänien festzustellen, berichtet die Stadt weiter. Am 31. Dezember 2013 waren in Neunkirchen 466 bulgarische und rumänische Staatsangehörige gemeldet, am 31. Dezember 2018 waren es 1916. Auch die Flüchtlingswelle zeigt Wirkung. Syrische Bürgerkriegsflüchtlinge wurden ab 2015 in großer Zahl aufgenommen. Am 31. Dezember 2014 wohnten in Neunkirchen 113 Personen syrischer Nationalität, bis zum 31. Dezember 2015 stieg ihre Zahl auf 541 und am 31. Dezember 2018 waren 1543 syrische Staatsangehörige in Neunkirchen gemeldet.

Diese Entwicklungen stellt die Gesellschaft vor Herausforderungen: Integration in den Arbeitsmarkt und das Bildungssystem, soziale Integration von Neuzuwanderern. Das gilt auch für die Stadt Neunkirchen, „ist heute doch die Gestaltung eines verträglichen, ja gedeihlichen Zusammenlebens der deutschstämmigen und ‚alteingesessenen’ Gastarbeiter-Gesellschaft mit der großen Zahl an Zuwanderern aus anderen Kulturkreisen zu bewerkstelligen.“

Grundsätzlich weist die Stadt auf Bemühungen von Rat und Verwaltung hin, „bestmögliche Bedingungen für eine Verlangsamung der Abwanderung sowie den Zuzug junger Menschen und Familien zu schaffen“. Stadtzentrum und Ortskerne in den übrigen Stadtteilen attraktiver machen, Angebot der vorschulischen und schulischen Bildung verbessern, Wohngebiete erschließen sowie Arbeitsplätze schaffen.

Es brauche das „Engagement der privaten Immobilienbesitzer“, mahnt die Stadt an, um den Investitionsstau von Jahrzehnten zu beseitigen und durch eine deutliche Verbesserung der Gebäude- und Wohnungssubstanz entscheidend zu einem besseren „Social-Mix“, einer insbesondere im Stadtzentrum gesünderen Gesellschaftsstruktur beizutragen: „Gerade auch die geringen Wohnstandards und damit niedrigen Mieten führen zu einer Konzentration der Sozialschwachen, der aus wirtschaftlichen Gründen aus Südosteuropa Zugezogenen sowie der ebenfalls bedürftigen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien in der Innenstadt von Neunkirchen.“

Am höchsten ist der Anteil an Migranten (ausländische Staatsangehörigkeit, Doppelstaatler) in der Innenstadt von Neunkirchen  mit 37 Prozent, gefolgt von Wellesweiler (28) und Wiebelskirchen (20). Am geringsten ist der Anteil in Münchwies (7).

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