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Einstiegshilfe in eine völlig neue Kita-Welt

Einstiegshilfe in eine völlig neue Kita-Welt

Für Migranten ist es wichtig, zu wissen, mit welchem Konzept ihre Kinder in Kindergarten und Krippe betreut werden. Um dies nicht an der Sprache scheitern zu lassen, setzt die Stadt Neunkirchen für ihre Kitas ein neues, aber nahe liegendes Konzept um: Zweisprachige Erzieherinnen werden gezielt eingesetzt.

Ein junges Ehepaar aus, sagen wir mal Polen, ist kurzfristig nach Deutschland übergesiedelt und lässt sich in Neunkirchen nieder. Die Kenntnisse der deutschen Sprache sind noch rudimentär, aber das Kind soll schnellstmöglich eine Kindertagesstätte besuchen. Solchen Eltern den Regel-ablauf in der Kita, die pädagogischen Grundlagen der Einrichtung und das von den Eltern erwartete Verhalten zu vermitteln, scheitert meist an den sprachlichen Möglichkeiten auf beiden Seiten.

Eingewanderte Eltern oder auch Alleinerziehende stehen bei ihrer Ankunft oft vor einer für sie völlig neuen Lebenswelt. Diese Integrationshürde will ein neuartiges Konzept von Michael Becker beiseite räumen. Warum nicht den Sprachschatz unseres Kita-Personals heben?, dachte sich der pädagogische Leiter der städtischen Kitas. Unter den mehr als 200 Mitarbeiterinnen der städtischen Kindergärten und Krippen fand er 15 Frauen, die komplett zwei- oder mehrsprachig sind. Fast alle haben selbst einen Migrationshintergrund. Sie bilden nun seit kurzem einen städtischen "Pool" und können innerhalb der 14 Kitas, deren Träger die Stadt ist, "ausgeliehen" werden.

Das heißt, in einem Fall wie dem eingangs beschriebenen, fordert die betroffene Kita für kurze Zeit eine polnischsprachige Mitarbeiterin an. Und stellt eventuell im Austausch eine Vertretung für die "Stamm-Kita" der zweisprachigen Erzieherin. Der große Vorteil: Die Kita-Mitarbeiterin ist in diesem Fall keine reine Dolmetscherin, sondern hat den nötigen Hintergrund, um neu angekommenen Eltern fachgerecht die nötigen Informationen sowie der Kita-Leitung die entsprechende Rückkopplung zu vermitteln. "Dass sich Migranten schnell in Neunkirchen zurechtfinden, ist ein Bestandteil unserer Willkommenskultur", betont der Beigeordnete Sören Meng.

"Die Motivation bei den Pool-Beteiligten ist groß", schildert Becker. "Wir können mit ihnen die meisten der gebräuchlichen Sprachen abdecken." Bei exotischeren Dialekten - im Bereich der Neunkircher Kitas schwingen nach Beckers Schätzungen immerhin etwa 40 Sprachen mit - bleiben zwangsläufig Lücken.

Unter der eingängigen Bezeichnung "Mufabe" hat Michael Beckers Projekt Eingang in den Verwaltungsjargon gefunden - eine Abkürzung für das Amtsdeutsch-Ungetüm "Muttersprachliche fachliche Beratung von Eltern und Mitarbeiterinnen in Kindertagesstätten und Regelbetreuungseinrichtungen der Stadt Neunkirchen ". "Ein zusätzlicher, wichtiger Baustein im sozialen Netzwerk unserer Stadt", unterstreicht Oberbürgermeister Jürgen Fried . Angedockt ist naturgemäß der städtische Integrationsbeauftragte {Zcaron}eljko Cudina, positive Resonanz kommt vom "Netzwerk Integration" des Landkreises Neunkirchen . "Dass Letztere eingebunden sind, ist wichtig, weil sich die sprachliche Hilfe der Erzieherinnen auf den Kitabereich beschränken muss. Wenn eingewanderte Eltern mit Fragen kommen, die darüber hinaus gehen, müssen wir den Weg nach außen legen", sagt Becker.