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Einschränkungen rund um die Geburt in Klinik in Neunkirchen

Hebammen : Zwei Stunden nach der Geburt endet die Besuchszeit für Papas

Auch rund um die Entbindung läuft nichts so ab wie früher. Viele Frauen verkürzen die Klinikzeit.

Für viele ist es das schönste, bewegendste Ereignis ihres Lebens: die Geburt des eigenen Kindes. Unbeschwert erleben können das angehende Eltern derzeit leider nicht. Auch, weil in den Kliniken während der Corona-Krise Besuchsverbote beziehungsweise weitreichende -einschränkungen gelten, wovon auch die Entbindungsstationen nicht ausgenommen sind.

Zwar darf der Vater oder auch eine andere Vertrauensperson während der Geburt im Kreißsaal zugegen sein und diese begleiten. Nach der Entbindung endet die Besuchszeit allerdings spätestens nach zwei Stunden. Mehr Besuchsmöglichkeiten auf der Wöchnerinnen-Station räumt der Gesetzgeber derzeit nicht ein – zum Schutz des Personals wie auch der Patienten und der Besucher, bestätigt die Oberin des Marienhausklinik St. Josef Kohlhof.

„Die meisten Betroffenen haben Verständnis“, berichtet Beate Leonhardt-Kaul. Natürlich, „viele sind traurig“, gerade wenn Geschwisterkindern oder den Großeltern der Zugang verwehrt wird. „Dennoch können sie es verstehen. Sicherheit ist wichtiger.“ Ab und zu kommt es vor, dass jemand darauf beharrt, zu Mutter und Kind vorgelassen zu werden. Da müsse man dann mit etwas mehr Nachdruck auftreten.

Auch in Sachen Geburtsvorbereitung und Nachsorge läuft derzeit einiges anders als sonst – nämlich „alles über Zoom“, eine Online-Videoplattform, so Meike Reinert vom Ottweiler Hebammen-Stützpunkt Babyexpress. Ob Beikost-Beratung oder Rückbildungsgymnastik, angeleitet und informiert wird nur noch virtuell. „Wir haben alle Teilnehmer, die sowieso angemeldet waren, angerufen und ihnen diese Variante angeboten.“ Die Resonanz sei sehr positiv: „Die Eltern sind einfach froh, dass es diese Alternative gibt.“ Letzte Woche sind die Online-Meetings gestartet, „da hat man als Anleiter zehn Paare auf dem Bildschirm“. Die zuständige Kollegin sei begeistert gewesen, die Kommunikation mit den Teilnehmern habe bestens funktioniert.

Belastender erweist sich da schon die Besuchsregelung der Entbindungsstationen. „Das ist derzeit ein Hauptthema“, bestätigt Meike Reinert. Nach der Geburt von Familie und Freunden isoliert zu sein, „macht den Frauen zu schaffen“. Weshalb es nicht wundert, dass viele die Aufenthaltsdauer in der Klinik abkürzen.

„Manche gehen direkt nach der Geburt, andere 24 Stunden später und lassen sich lieber zuhause betreuen.“ Wofür Meike Reinert und ihre sieben Kolleginnen zuständig sind. Allerdings versuche man hier auch, das Ansteckungsrisiko zu minimieren, indem man häufiger telefoniert als dass man vorbeikommt. Generell wird „die Länge der Nachsorge verkürzt“, so es denn machbar ist. Im Schnitt sie man vier bis sechs Wochen in den Haushalt der Wöchnerinnen.

Die Ängste der Mütter bezüglich einer Ansteckung mit Covid 19 seien „überschaubar“. Da ein Großteil aufgrund der Ausgangsbeschränkungen sowieso schon mindestens vier Wochen daheim ist, habe das die Risiken von vornherein „deutlich reduziert“. Generell versuchen Meike Reinert und ihre Kolleginnen, „so positiv, wie es nur geht, zu unterstützen“, sprich Mut zu machen und alle Beschränkungen zu „akzeptieren. Es ist nichts so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut ist“, ergänzt die Hebamme. So haben es die frischgebackenen Mütter und ihre Babys jetzt nicht mehr mit „Besucheranstürmen“ zu tun und können sich nach der Geburt mehr um sich selbst kümmern und besser erholen.