| 20:40 Uhr

Neunkirchen
Eine Herausforderung jagt die nächste

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Stehen im Stau. Jeder geht anders mit dieser Phase des unerwarteten Stillstandes um. Eine Beobachtung. Fußgänger sein, kann aber auch gewaltig nerven. Von Solveig Lenz-Engel

Bekanntlich soll man ja aus jeder Situation das Beste machen. Wie macht man das in einem Stau? Man guckt. Hoch oben auf seinem roten Wagen entdecke ich Wladimir. In Leuchtbuchstaben prangt der Name vor dem Lenkrad des Lkw. Was macht Wladimir? Singen. Die Musik dröhnt aus seinem Cockpit. Direkt neben Wladi steht Andy, wie auf dem Blech der Zugmaschine zu lesen ist. Andy telefoniert. Der mir namentlich leider Unbekannte Fahrer eines Kombis liest, was auch während einer kurzen Fahrphase ohne  Aufblicken gelingt. Eine junge Mutter belustigt ihr auf der Rückbank festgeschnalltes Kleinkind mit Pantomime. Interessant, in der Tat. Nach 20 Minuten im Stau dann Verkehrsnachrichten im Heimatsender. Die nette Dame ermahnt die Stausteher, bitte doch eine Rettungsgasse zu bilden. Was auch wirklich geschieht. Andy und Wladi machen mit. Plötzlich ist Platz da; den nutzt dann gleich eine düster-franselige Herde Harley-Fahrer, um zügiger voran zu kommen. Dann löst sich der Stau langsam auf. Es geht hinunter nach Neunkirchen, dort warten die nächsten   Herausforderungen.


Denn Menschen am Steuer eines Fahrzeugs haben es zurzeit nicht leicht in Neunkirchen wegen diverser Straßensperrungen in der Innenstadt. Aber  auch die Fußgänger werden gefordert. Beispiel: Übergang zwischen Wasserturm und Saarpark-Center. Dort steht die Fußgängerampel permanent auf Rot, obwohl der Verkehr schon zehn Meter vorher durch eine Absperrung gestoppt wird. Manche Leute stehen erst irritiert da, gucken links, gucken rechts, um dann die Schaltung zu ignorieren. In der Lindenallee wird auch gebaut. Aber der Verkehr kriecht  dort noch einspurig in beiden Richtungen. Allerdings ist der Fußgänger-Überweg zwischen Center und Burger-Braterei zurzeit nicht vorhanden. Ein kleines Schild weist den Passanten den Weg zum nächsten Übergang in Höhe des Corona-Hochhauses. Das Schildchen hindert die Leute aber nicht  an ihren Versuchen, an der gewohnten Stelle auf die andere Seite der Lindenallee zu gelangen. Da werden dann auch die Absperrungen zur Seite gerückt  und Kinderwagen und Rollatoren auf der Buckelpiste mit mehreren Aufkantungen auf ihre Geländetauglichkeit getestet. Dafür können die Verkehrs-Strategen vom Landesbetrieb für Straßenbau aber  nun wirklich nix.  Im Interesse der eigenen Sicherheit sollten die paar  Schritte Umweg zum  regulären  Übergang drin sein. Die Baustelle soll ja nicht ewig dauern.