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Paviane im Zoo: Ein Zoo-Konzept als Lösung

Paviane im Zoo : Ein Zoo-Konzept als Lösung

Great Ape Project droht in der Pavian-Diskussion mit Klage. Landestierschutzbeauftragter: Alle an einen Tisch.

Seit eine Zoobesucherin an Ostern das Pavian-Gehege im Neunkircher Zoo fotografiert hat und die Fotos der Tierbefreiungsoffensive Saar weitergeleitet und bei Facebook gepostet hat, glühen die Tastaturen (wir berichteten). Viele Menschen haben inzwischen nicht nur den Artikel, sondern auch die Meinung geteilt: Es muss etwas geschehen. Auch wenn Zoo und Zooverein untermauern, dass hier alles artgerecht zugeht, so sind auch sie sich einig, dass die Zahl der Paviane - 100 leben zurzeit im Neunkircher Gehege - zumindest nicht steigen darf. Geburtenkontrolle heißt hier das Stichwort. Praktiziert wird sie seit vielen Jahren. Die Tiere werden sterilisiert oder bekommen Implantate, die eine Fortpflanzung verhindern, wie die SZ bereits 2009 berichtete. Dass das Gehege nicht gut bei den Besuchern ankommt, darüber ist man sich beim Zooverein im Klaren. Wie dessen zweiter Vorsitzender Otto Dietz in einer Pressemitteilung schrieb, hat der Verein zur Verschönerung des Geheges und zur Bestandsminimierung 15 000 Euro gespendet.

Dem Great Ape Project (GAP) genügt das nicht. Vergangene Woche war ein Expertenteam dieser internationalen Initiative, die bestimmte menschliche Grundrechte für Menschenaffen (Great Apes) fordert, im Zoo. In einem detaillierten Schreiben geht das GAP auf die Mängel im Neunkircher Gehege ein, schreibt, dass sie der Bewertung des saarländischen Tierschutzbeauftragten vollumfänglich zustimme. Das Fazit des GAP: zu viele Tiere auf viel zu beengtem Raum, Verletzungsgefahr durch die Fütterung durch eine enge Klappe, unbehandelte, teils schwer verletzte Tiere. „Die Anlage selbst ist für die Haltung von Pavianen oder anderen Primaten völlig ungeeignet.“ Auch eine mittelfristige Reduzierung sei deshalb keine Lösung, das Gehege in seinem Aufbau ein Relikt aus den 50er Jahren. Da das GAP keine Möglichkeit sieht, die Tiere zeitnah und in nennenswerter Zahl an andere und bessere Einrichtungen abzugeben, das vorhandene Gehege nicht bedarfsgerecht umgebaut werden könne, wird ein tiergerechtes neues Gehege gefordert. „Das bislang ungenutzte Waldstück hinter dem Betriebshof des Zoos würde sich dafür anbieten.“ Strafanzeige wird im Falle des Nichtreagierens angedroht.

Vom saarländischen Tierschutzbeauftragten Dr. Hans-Friedrich Willimzik wollte die SZ wissen: Was ist dran, was würde die angekündigte Klage bringen? Die SZ erreicht ihn gestern in der Lüneburger Heide, kurz vorm Beginn eines Workshops, den er leitete. Vorweg: Das Great Ape Project kennt er, weiß, dass hier Menschen tätig sind, die sich intensiv mit den Primaten beschäftigt habe. Von der angedrohten Klage allerdings rät er ab. Das ziehe sich über Jahre, mache ein Eingreifen von Seiten der Politik unmöglich. „Das kann dann noch Jahrzehnte dauern und nichts ändert sich.“ Willimzik sieht die Landespolitik gefordert. Sein Vorschlag: Ein Zookonzept muss her. Dafür sollten sich, so wünscht er sich, alle Betroffenen — also Betreiber, Zoovereine, Unterstützer, Tierschützer und vor allem die Landespolitiker und Politiker der beiden betroffenen Städte, Neunkirchen und Saarbrücken, — an einen Tisch setzen und bereden, wo es hakt.

 Auf die spezielle Situation im jetzt viel diskutierten Pavian-Gehege habe er selbst bereits vor Jahren aufmerksam gemacht. „Bereits 2014, als ich ganz frisch gewählt war, habe ich an mehreren Stellen auf die Situation hingewiesen.“ Da seine Funktion nur eine beratende ist, habe er mehr nicht tun können. Wenn nun eine „normale“ Bürgerin eine solche Diskussion lostreten könne, dann zeige das doch, „dass es auch den Menschen auffällt, die keinen wissenschaftlichen Hintergrund haben“. Höchste Zeit also fürs saarländische Zoo-Konzept.