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Ein Tag nur für das starke Geschlecht

Ein Tag nur für das starke Geschlecht

37 Mädchen konnten sich beim Mädchenfest im Robinsondorf an sechs Mitmach-Stationen kreativ betätigen oder austoben.

Man nehme 50 Milliliter Vollmilch, 100 Milliliter Pflanzenöl, 10 bis 20 Tropfen ätherisches Öl, Patschuli zum Beispiel oder Orange, und mixe alles zusammen: Fertig ist die selbst gemachte Creme. Doch zunächst müssen Nieke, Nele und Mila die Zutaten gewissenhaft abmessen und wiegen. Sie haben sich auf Lavendel geeinigt. Von wegen Oma-Duft, "das riecht doch fein", findet das Trio. Nun kommt der Pürierstab zum Einsatz: "Schön steif schlagen", ermuntert Anne Aussem die zehnjährigen "Laborantinnen".

"Das ist die einzige Methode der Cremeherstellung ohne Erhitzen" - und eine Premiere, verriet die Jugendpflegerin der Gemeinde Spiesen-Elversberg. Wobei sie das Prozedere mit ihrer Praktikantin zusammen vorher natürlich getestet habe. "Es funktioniert." Im Kühlschrank hält der selbst gemachte Hautverwöhner angeblich sogar ein paar Wochen.

Das war nur eine von sechs Mitmach-Stationen beim Mädchenfest im Robinsondorf - eine Jungen-freie Zone. "Nicht mal mein vierjähriger Sohn durfte mit", lachte Anne Aussem, die sich wünscht, dass es zum Ausgleich auch mal einen Tag nur für das starke Geschlecht gibt. Eingeladen hatte der Arbeitskreis "Mädchenarbeit in der Jugendhilfe im Landkreis Neunkirchen", bei dem sich neben den Jugendbüros und -zentren des Landkreises auch soziale Träger wie Awo, Caritas und Diakonisches Werk einbringen. Das Fest selbst "reist durch den Landkreis", erklärte die Neunkircher Jugendpflegerin Eva Wacker. 2016 war man zu Gast in Wemmetsweiler gewesen, im Jahr davor in Wellesweiler. Wichtig sei, dass neben den Angeboten aus dem Kreativbereich wie Häschen nähen oder Traumfänger basteln auch sportliche Betätigung vorkam. Wen das feuchte Wetter nicht störte, konnte draußen ein Tipi aus Weidenästen bauen. Am Tanzworkshop mit Susanne Sprung powerten sich alle 37 Mädchen vor dem finalen Pizzaessen aus.

Etwas individueller ging es beim Selbstverteidigungskurs zu: "Seid ihr schon mal an den Haaren gezogen worden?", fragt Ulrike Behr ihre kleine Gruppe. Monja (11), Angelina (8) und Maline (12) nicken. "Ich zeige euch, wie man das super abwehrt." Dazu müssen die Mädchen den rechten Ellenbogen hoch ziehen, sich nach hinten drehen und dabei die Hand des Angreifers "wegschubsen". "Dazu sagt ihr, Hör auf, mich an den Haaren zu ziehen", doziert die Wing-Tsun Trainerin. Denn "man sagt immer, was gerade passiert", am besten laut und deutlich.

Um die Zukunft drehte sich alles am Tisch von Renate Bernhard-Kleber, Mitarbeiterin des Jugendberatungszentrums Kompass: "Die Kinder sollen sich Gedanken machen, wie ihr Leben in 20 Jahren aussehen könnte." Die Wünsche werden auf Blätter geschrieben, die sie an einen selbst gestalteten Lebensbaum kleben. Lange überlegen muss Hannah nicht: "Ich habe fünf Kinder" ist ein Blatt beschriftet, "ein eigenes Pferd" steht auf einem anderen. Außerdem will die Achtjährige "schön werden" und "Reitlehrerin" und "Fallschirmspringerin" - und ein "Luxusleben" führen.

Beim Pizzaessen schneien schon die ersten Eltern in den Saal. Wie sich zeigt, sollte Ute Blees Recht behalten. Die gelernte Erzieherin hatte den Müttern und Vätern bei der Begrüßung versprochen: "Wenn Sie Ihr Kind um 19 Uhr abholen, wird es bunt sein, müde und gut gelaunt, hoffentlich."