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Bombenentschärfung in Neunkirchen
Ein Sonntag wie kein anderer

Fast schon gespenstisch wirkte die Innenstadt kurz vor der Absperrung: Hier Kreuzung Lindenallee/Gustav-Regler-Straße.
Fast schon gespenstisch wirkte die Innenstadt kurz vor der Absperrung: Hier Kreuzung Lindenallee/Gustav-Regler-Straße. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Über 500 Ehrenamtliche arbeiteten Hand in Hand, damit die Evakuierung reibungslos verlief. Einsatzleiter Bürgermeister Jörg Aumann war voll des Lobes. Von Elke Jacobi

„Es ist eigentlich wie dehemm - man muss nur wissen, was man macht“, strahlt Dirk Otterbein und demonstriert: Hier geflext, dort gezogen - „so würde sich die Feder in den Zünder drehen“ - und schließlich ordinärer Rostlöser. Das war’s. Gerade mal eine gute halbe Stunden exakt von 10.42 bis 11.15 Uhr haben der Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes des Landespolizeipräsidiums und Kollege  Werner Fuchs gebraucht, um die amerikanische 50-Kilo-Bombe zu entschärfen. Da kommen die über 500 Helfer von Polizei, Feuerwehr, Neunkircher Verkehrs AG, aus dem Rathaus und von den Hilfsdiensten THW, ASB, DLRG, DRK, MHD und Krisenintervention Saarland auf ganz andere Zeiten. Morgens um 6.30 Uhr ist die Innenstadt an diesem Sonntag belebter als an anderen Sonntagen um die Mittagszeit. Bei satten sechs Grad Minus strömen Helfer in ihren roten Warnwesten Richtung Innenstadt. Die Sperrzäune werden aufgebaut. „Wir sind bereits seit 6 Uhr dabei“, sagen Denis Graf und Florian Martin, die zurzeit die Ecke Bahnhofstraße und Wellesweiler Straße sichern. Direkt hinter der Absperrung liegt eines der beiden betroffenen Seniorenheime. Hier herrscht jede Menge Treiben. Schlag auf Schlag verlassen Autos den Parkplatz, Angehörige holen Familienmitglieder ab. Im Foyer warten die, für die Fahrzeuge Richtung Gebläsehalle kommen. Alle mit grünen Schild mit Namen um den Hals, damit im Eifer des Gefechts niemand verloren geht. Inge Schmidt hat für alle Fälle eine Wolldecke eingepackt. Cälilia Reichhart und Renate Zwirner hoffen, dass es schnell vorbei ist. Schließlich wird es 10.42 Uhr werden, bis auch der letzte Bewohner — ein Liegendtransport — verlegt sein wird.


Auch Florian Fuchs, Fatima Fuchs, Denis (9) und Enis (6) reisen mit kleinem Gepäck. Mit dabei: der Schwager aus Serbien, der grad zu Besuch ist. Die Familie gehört zu denen, die an diesem frühen Morgen unterwegs sind in die Gebläsehalle, einer der drei angebotenen Sammelstellen. 220 Menschen sind hierhergekommen, die ersten bereits um 6.30 Uhr. „Wir waren bereit“, sagt Hallenchef Thomas Hoheisel. Die Nacht durch haben die Leute der Kulturgesellschaft gearbeitet, denn am Samstag war hier noch große ADAC-Gala. Kaffee gibt es hier, Tee, kleine Knabbereien und belegte Brötchen. Verteilt von vielen freiwilligen Helfern, unter ihnen Wiebelskirchens Ortsvorsteher Rolf Altpeter, Gerhard Ahr, Claudia Weber und Sabine Rombold. Insgesamt sind sie zu zehnt in der Gebläsehalle aktiv, die Stadtmitarbeiter und  damit Teil der großen Helfergruppe von über 500 Menschen. Sie sind  voll des Lobes für die Gäste. „Die sind alle so ruhig und dankbar und loben uns und die Verpflegung“, fasst Ahr zusammen.

Im Evakuierungsgebiet herrscht mittlerweile Leere. Nur an den Absperrungen stehen die Helfer in ihren Warnwesten, hier und da ein warmes Getränk in den kalten Händen.  Ab und zu kommt ein Krankenwagen aus Richtung Seniorenheim. Dazwischen immer wieder Feuerwehr und Polizei mit Lautsprecher-Durchsagen, die zum Verlassen des Gebietes auffordern. Dass das reibungslos verläuft, da hat Ordnungsamts-Leiter Holger Janes ein Auge drauf. Hinterm Busbahnhof, wo Eugen Hodel von der Neunkircher Verkehrs AG den Transport zur NVG-Halle koordiniert (nur 30 Personen nehmen das in Anspruch), direkt neben der Blies hat er seinen Einsatzort. Er ist die Verbindungsstelle zur Einsatzzentrale im Rathaus. Zwölf Männer und Frauen regeln dort alles, was es zu regeln gibt, sind quasi das Gehirn der Aktion. Einsatzleiter ist Bürgermeister Jörg Aumann.



Als der um 11.15 Uhr den Daumen hoch macht, da ist er erst einmal voll des Lobes für das Zusammenspiel von Ordnungsamt und Katastrophenschutzamt. Und auch für die Bürger. „Alles hat geklappt, es gab nur wenige problematische Fälle, Platzverweise mussten keine ausgesprochen werden.“

Für Otterbein gibt es dann noch einen kräftigen Dankes-Händedruck vor Ort. Und während der sich mit der Bombe auf den Weg macht Richtung Waffenlager, von wo sie gemeinsam mit anderen ihrer Art zur Entsorgung in die Lüneburger Heide gebracht  werden wird, ist für die vielen Helfer der Tag noch lange nicht vorbei. Die Hilfsdienste bringen die Senioren zurück in die Heime, in den Hallen muss aufgeräumt werden.

Für die 2500 Evakuierten, da beginnt der sonnige Sonntagnachmittag so, als sei nie was gewesen. Nur kalt ist es immer noch.

In der Einsatzzentrale im Rathaus liefen alle Fäden zusammen. Hier wurde koordiniert und geregelt.
In der Einsatzzentrale im Rathaus liefen alle Fäden zusammen. Hier wurde koordiniert und geregelt. FOTO: Jörg Jacobi
Unterwegs Richtung Gebläsehalle: Florian Fuchs (links), Fatima Fuchs mit Denis (9) und Enis (6) und Schwager Devari aus Serbien.
Unterwegs Richtung Gebläsehalle: Florian Fuchs (links), Fatima Fuchs mit Denis (9) und Enis (6) und Schwager Devari aus Serbien. FOTO: Jörg Jacobi
Die leere Bahnhofstraße. Nur die Fahrzeuge zum Transport der Senioren und die Feuerwehr mit Lautsprecher-Durchsage sind unterwegs.
Die leere Bahnhofstraße. Nur die Fahrzeuge zum Transport der Senioren und die Feuerwehr mit Lautsprecher-Durchsage sind unterwegs. FOTO: Jörg Jacobi