Ein Punkt fürs Nichtaufgeben

Fußball-Oberligist Borussia Neunkirchen hat mit Tobias Grimm einen neuen Trainer – zu seinem Einstand erkämpfte sich die Mannschaft ein 1:1.

Normalerweise jubeln Fußballspieler, die gegen ihren Ex-Club treffen, verhalten. Oder gar nicht. Oder sie inszenieren ihren Nicht-Jubel so, dass es schon wieder exzentrisch ist. Erik Tuttobene braucht dieses Theater nicht. Am Samstag traf der Angreifer des Oberligisten Borussia Neunkirchen zum 1:1-Endstand gegen den SV Morlautern, für den er bis zur Winterpause kickte. Danach freut er sich. Ganz normal.

"Vor dem Spiel hatte ich schon ein Kribbeln im Bauch", gestand Tuttobene nach dem Abpfiff, "jedes Tor ist schön, aber gegen den Ex-Verein und den Ort, in dem ich immer noch wohne, ist es schon etwas Besonderes. Denen tut es sicher weh, vor allem meinem früheren Trainer." Der, Karl-Heinz Halter, hatte nach Tuttobenes Wechsel im Februar verkündet: "Bei mir hätte er nicht mehr gespielt."

Der neue Borussen-Trainer Tobias Grimm setzt auf den 21-Jährigen. "Wir müssen in der ersten Halbzeit schon in Führung gehen", haderte Grimm allerdings mit der Chancenverwertung von Jannik Schliesing (20. Minute) und Ruddy M'Passi (27.). "Dann ist direkt zu Beginn der zweiten Hälfte das passiert, was zuletzt häufiger der Fall war: Unser Spiel bekommt einen Knick, und der Gegner macht zu diesem Zeitpunkt unverdient das 1:0."

Der Pausentee war noch heiß, als Tuttobenes Nachfolger im Morlauterner Sturmzentrum, Waaris Rehman Bhatti, von der Strafraumgrenze zum 1:0 für die Gäste einnetzte (47.). Ihm war das Spielgerät im Nachgang einer Standardsituation und nach einem missglückten Klärungsversuch der Neunkircher Defensive vor die Füße gefallen. "Dann hat es bei der Mannschaft allerdings Klick gemacht, und sie hat sich nicht -wie vorher oft - hängen lassen, sondern zurückgekämpft und den Ausgleich erzwungen", lobte Grimm. Aus der eigenen Spielfeldhälfte heraus schlug Julian Kern einen langen Ball auf Ruddy M'Passi im Morlauterner Strafraum. Per Kopf legte der Kongolese mustergültig auf Tuttobene ab, der den Ball irgendwie zwischen Torwart-Routinier Thorsten Hodel und Abwehrspieler Felix Horn über die Linie drückte (68.). Offiziell wurde der Treffer als Eigentor von Horn gewertet.

In der letzten Spielminute hatte M'Passi die Riesenchance, den glücklichen Siegtreffer zu erzielen. Nach schöner Vorarbeit von Tim Cullmann über links wurde der Schuss des Stürmers allerdings auf der Torlinie geblockt. Den verzögerten Nachschuss von Tuttobene konnte Hodel parieren. "Das wäre das i-Tüpfelchen für den heutigen Auftritt gewesen. Aber wichtig ist, dass sich die Mannschaft nicht aufgegeben hat. Das ist es, was ich erst einmal erreichen wollte", zog Tobias Grimm ein versöhnliches Fazit nach seinem Trainer-Einstand im Ellenfeldstadion, dessen Platzverhältnisse weitaus schlechter waren als die Zuschauerkulisse von immerhin 302 Besuchern.