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Ein Meter kann ganz schön weit sein

600 Schüler der Maximilian-Kolbe-Schule liefen von Wiebelskirchen zum Stummplatz nach Neunkirchen. Foto: Thomas Seeber
600 Schüler der Maximilian-Kolbe-Schule liefen von Wiebelskirchen zum Stummplatz nach Neunkirchen. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Wiebelskirchen. Kurz nach zehn hat sich gestern die gesamte „Belegschaft“ der Kolbe-Schule in Wiebelskirchen auf den Weg gemacht. Alle zwei Jahre laufen sie für den guten Zweck. Der Erlös der Solidaritätsaktion – Hochrechnungen zufolge 25 000 Euro – kommt unter anderem Straßenkindern in Peru und im Kongo zugute. Anja Kernig

Mittwoch, 9.57 Uhr: "Herr beschütze uns auf unserem Weg." Auf dem Boden sitzen knapp 200 Grundschüler - abmarschbereit. Doch erst wird noch gebetet und die Projekthymne angestimmt: "Wir sind Kinder einer Erde, die genug für alle hat." Dann drängt die Rasselbande nach draußen auf den Schulhof zu den älteren Jahrgängen. Aufstellen fürs Gruppenbild, "Eins zwei drei Spaghetti", dann marschieren 600 Kolbe-Schüler zusammen mit 40 Lehrern und etlichen Eltern an diesen Bilderbuch-Frühlingsvormittag los Richtung Eberstein.

Alle zwei Jahre stellt die Schulgemeinschaft der Maximilian-Kolbe-Schule unter dem Motto "Kinder helfen Kindern" eine XXL-Solidaritätsaktion auf die Beine. 2015 werden vier Projekte unterstützt. So will man in Kooperation mit dem Ottweiler Verein "Wiwo" in der peruanischen Andenstadt Ayachuco einen Spielplatz für stark benachteiligte Kinder mitfinanzieren. Baubeginn ist im Oktober. Aidswaisen und Straßenkinder im Kongo erhalten ebenfalls Hilfe, genau wie die Brasilieninitiative AVICRES sowie der Kinder-Hospizdienst Saar. Vertreter der Projekte hatten im Februar ihre Arbeit im Unterricht vorgestellt. "Eine Afrikanerin erzählte dabei, dass die Kinder bei ihr zu Hause die Strecke Kolbe-Schule bis zum Stummplatz jeden Morgen und Mittag gehen müssen, ohne Essen und Trinken", berichtet die Klassenlehrerin der 2.2, Elke Schmidt. "Das hat meine Schüler sehr berührt." Damit sie sich besser hineinversetzen können, schlug sie vor, vor dem Marsch auf Nahrung und Getränke zu verzichten. Freiwillig - aber die ganze Klasse machte mit.

Inzwischen ist man am Hundedressurplatz angelangt. Der Aufstieg war steil gewesen, die Ersten entledigen sich ihrer Jacken. Und ab geht es in den Wald, der sich noch kahl und mit Stapeln frisch gefällter Bäumen präsentiert. "Hol du", meint Zweitklässler Mario zu Raffael . Der nimmt ihm bereitwillig das blau bemalte "Kinder helfen Kinder"-Schild ab. Das Tempo der Spitzengruppe um Organisator Gregor Römer ist zügig. Kurz vor "Joes kleiner Farm" mit ihren Ziegen und Hängebauchschweinen klafft eine Riesenlücke im Hauptfeld. Also heißt es warten, bis die Nachzügler aufschließen.

Nun geht es nur noch bergab. Dass man das später wieder hoch muss, daran denkt zum Glück noch keiner. "Ich hab Hunger", versichert Esmeralda auf die entsprechende Frage und stöhnt halbherzig: "Ich verdurste gleich." Ann-Kathrin neben ihr summt vergnügt "Smoke on the water"; begeistert begrüßt man einen entgegen flatternden Zitronenfalter. Ab der Kuchenbergstraße gibt es an den kritischen Stellen Polizeigeleit. "Wie lange dauert es noch?", quengelt Bruno. Sein Freund winkt ab: "Das war doch nicht weit, sondern nur ein Meter", verschätzt er sich ein kleines bisschen. Weiter geht es über die Bahnhofsbrücke, weiter unten ist das Gelächter groß, als man das Schaufenster vom Erotik-Shop passiert. Passanten werden Infoblätter in die Hand gedrückt, eine Frau wirft spontan fünf Euro in die Sammelbüchse.

Fünf vor elf erreicht der Tross den Stummplatz, wo das THW schon mit Beschallungstechnik wartet. 25 000 Euro werden diesmal wohl zusammen kommen, schätzt Schulleiter Klaus Meiser . Bürgermeister Jörg Aumann ist "stolz, dass wir so eine Schule in der Stadt haben". Sein Dank geht an die Schüler : "Ihr macht die Welt ein Stück besser." Es ist 11.23 Uhr - und jetzt geht's wieder zurück.