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Ein Herbar birgt Erinnerungen und Wissen

Serie Welches Kraut gewachsen ist : Herbarien: Getrocknete Erinnerungen und Wissensschatz

Ein Herbar oder Herbarium ist eine ganz besondere Art, Erinnerungen zu bewahren. Und lehrreich ist es noch obendrein. Was genau ist das aber und wie bekommt man eins?

Aus dem ein oder anderen (geerbten) Buch fallen sie einem schon mal entgegen: getrocknete Blumen. Ein vierblättriges Kleeblatt, eine einst vermutlich rote Rose, ein Edelweiß – Zeichen der Erinnerungen an besondere Augenblicke, schöne Momente im Leben, bewahrt und gepresst für die Ewigkeit.  Schon die Urgroßmütter haben das gemacht, haben sich so gerne zurückerinnert. Dabei ist das Pressen und Bewahren von Pflanzen weit davon entfernt, eine rein nostalgische Angelegenheit zu sein. Seit 1544 der italienische Arzt und Botaniker Luca Ghini den ersten botanischen Garten gegründet hat, dient diese Art der Aufbewahrung und Katalogisierung von Pflanzen wissenschaftlichen Zwecken. Im Biodokumentationszentrum des saarländischen Umweltministeriums in Reden auf dem Gelände der ehemaligen Grube lagern zigtausende derart bewahrter Pflanzen, teils aus Privatsammlungen. Alleine über 28 000 Gefäßpflanzen, Tausende Moose und Pilze – alles, was im kleinsten Bundesland so wächst und gedeiht aber auch jede Menge Exotisches. Dies wirklich außergewöhnliche und umfassende Herbarium kann man sich angucken während der Öffnungszeiten des Dokumentationszentrums (siehe Info). Dabei mag man sich vielleicht auch die ein oder andere Anregung von den absoluten Fachleuten abgucken, wie man sein eigenes Herbar oder Herbarium (beides ist korrekt), kommt von lateinisch herba für Kraut und meint eine Pflanzensammlung, anlegt.

Ausrüstung immer mitnehmen

Jede Menge Tipps, für alle, die sich vielleicht einmal dieser ganz besonderen Art der Einnerungsbewahrung widmen möchten, gibt es natürlich auch im Internet. Da ist Beispielsweise der Blog www.bezold.de, da gibt es die Seite wiki.wisseninklusiv.de, um nur einige zu nennen. Und auch bei Youtube ist der ein oder andere kleine Film mit allen Infos rund ums Anlegen eines Herbars. Auch wenn die Hauptsammelzeiten entsprechend der Hauptblühzeiten von März bis September angegeben werden: Sammeln kann man, sobald die ersten Pflanzen sprießen. Und die ersten Wildpflanzen streben inzwischen bereits wieder zaghaft ans Licht. Womit auch schon eingegrenzt wäre, welche Pflanzen man für sein Herbarium sammelt. Balkon- und Gartenpflanzen gehören nicht dazu. Wer allzeit bereit sein möchte, von seinen Ausflügen pflanzliche Erinnerungen mitzubringen, der sollte beim Losgehen ausgerüstet sein mit Schere, Handschuhen, Bestimmungsbuch, Zeitung oder Küchenrolle, Notizbuch, Stift, einem Buch fürs erste Pressen und einer Fotografiermöglichkeit.

Erst bestimmen, dann sammeln

Das Bestimmungsbuch ist ein wichtiger Bestandteil der Ausrüstung – natürlich gibt es auch entsprechende Apps fürs Handy –, denn das Sammeln geschützter Pflanzen sowie das Sammeln in Naturschutzgebieten und Biotopen ist nicht gestattet. Informationen kann man sich auch in der Bundesartenschutzgesetz holen oder bei Floraweb. Findet man unterwegs ein schönes Pflanzen-Exemplar, so ist der Blick ins Buch der erste Schritt. Gibt das quasi grünes Licht, kann es losgehen. Man sammelt die komplette unversehrte Pflanze. Experten empfehlen, zwei, drei Pflanzen mitzunehmen  und dann die schönste zu behalten. Übrigens: steht nur ein Exemplar an dem Ort, dann lässt man es stehen, auch wenn aus Naturschutzgründen die Mitnahme erlaubt wäre. Sammlerehre sozusagen. Komplette Pflanze, das bedeutet übrigens: Blätter, Blüten, Frucht und Wurzel. Aber Achtung: Es gibt eich Pflanzen, bei denen die Mitnahme bestimmter Teile untersagt ist.

Von Anfang an pressen

Wer möchte, macht vom Abschneiden noch ein Foto von der Pflanze an ihrem Standort. Das kann man später zur getrockneten Pflanze dazu kleben. Hat man die Pflanze mit all ihren Teilen dann geerntet, sollte man sie auf Zeitungspapier oder Küchenrolle legen und ins mitgebrachte Buch stecken fürs erste Pressen. Wichtig: Immer mit dem Kopf nach unten, das gilt auch beim finalen Pressen später zu Hause. Schon vor Ort sollte man sich Notizen machen: Fundort, Besonderheit. Zu Hause wird die Pflanze dann richtig gepresst. Dazu legt man sie auf saugfähiges Papier und zwar so, dass nichts geknickt wird oder übereinander liegt. Man drückt sie flach und legt ein zweites Blatt obendrauf.  Darauf kommen dann mehrere schwere Bücher. Der Handel bietet auch fertige Pflanzenpressen an. Nach  etwa drei Tagen, so die Empfehlung, sollte man das Papier austauschen, da das dann meist zu feucht ist. Bis die Pflanze gänzlich getrocknet ist, dauert es in der Regel zwei bis drei Wochen. Zu feuchte Pflanzen können später schimmeln.

Das gehört als Info dazu

Ist die Pflanze getrocknet, kommt sie auf den Herbabogen. Empfohlen wird dafür stärkeres Papier Größe Din A4. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Pflanze aufzukleben. Man kann sie mit schmalen Papierstreifen fixieren und deren Ende dann aufkleben. Klebt man die Pflanze selbst mit Kleber, muss man sehr vorsichtig sein, damit sie nicht kaputt geht. Am besten geht es mit Klebefilm, der sollte wegen der Haltbarkeit aber gummiert und säurefrei sein. Jetzt geht es an die Beschriftung. Wer mag, der druckt sich ein Etikett, mehr Freude macht sicherlich das Beschriften von Hand. Wie auch immer: Als Information kommen dazu der Name der Pflanze – möglicherweise ergänzt durch den botanischen Namen –, die Pflanzenfamilie, der Fundort (eventuell verbunden mit dem ganz speziellen Erlebnis des Tages), dann Blütenfarbe, Besonderheiten, Standort (also das übliche Umfeld der Pflanze), Wuchsart (Baum, Busch etc.). Wer mag, nummeriert durch, das erleichtert das Erstellen eines Inhaltsverzeichnisses. Foto falls vorhanden dazu geklebt – fertig. Übrigens: Wer nicht selbst fotografieren will, der findet im Internet entsprechendes Material für den rein privaten Gebrauch. Name des Fotografen und der Website sind Ehrensache.

Auf diese Art kann im Laufe der Jahre ein ganz persönliches Erinnerungs- und Sachbuch entstehen, das sich sogar durch die Generationen weitergeben lässt. Einzelne Blumen, die Zeugnis ablegen von bedeutenden Ereignissen im Leben, die darf man natürlich trotzdem weiterhin in dicken Werken hinterlegen, auch wenn es ganz normale Balkon- oder Gartenpflanzen sind –  allein um der Romantik willen.