1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Neunkirchen

Ein Gebäude mit vielschichtigem Schicksal

Ein Gebäude mit vielschichtigem Schicksal

Neunkirchen. Generationen von Neunkirchern haben unter seinem Dach gelebt und erlebt. Sie haben hier gefeiert und getrauert, getanzt und schweigsam da gesessen, Kultur genossen Klassisches und Profanes kennengelernt, sich umarmt, aber auch verkloppt. Letzteres in Zeiten der Saarabstimmung 1955 unter Johannes Hoffmann

Neunkirchen. Generationen von Neunkirchern haben unter seinem Dach gelebt und erlebt. Sie haben hier gefeiert und getrauert, getanzt und schweigsam da gesessen, Kultur genossen Klassisches und Profanes kennengelernt, sich umarmt, aber auch verkloppt. Letzteres in Zeiten der Saarabstimmung 1955 unter Johannes Hoffmann. Manchmal waren die Räume dieses Gebäudes für Katholiken tabu, dann war wieder alles anders. Der herrliche Theatersaal dieses neobarocken Bauwerkes mit dem eindrucksvollen Treppenaufgang wurde von Bürgern genutzt, von verschiedenen Konfessionen, von unterschiedlichen Parteien, von Alt und Jung. Wenn in diesem Jahr das evangelische Gemeindehaus in der Neunkircher Vogelstraße 100 Jahre alt wird, feiert eines der dominantesten Bauwerke in der Stadt ein Jubiläum.

Die Aussagen verschiedener Persönlichkeiten deuten auf das vielschichtige Schicksal des Bauwerkes hin. So meinte Pfarrer Wolf von der evangelischen Christuskirchengemeinde in den 1980er Jahren einmal, das Gebäude fresse ihm noch die Haare vom Kopf. Andrea Franz von der Firma Immobilien Link erkannte: "Das Gebäude hat in den Köpfen der Neunkircher einen Stammplatz." SZ-Redakteur Ralph Schäfer schrieb in der Saarbrücker Zeitung von einem "Haus der Tradition und Geschichte". Es gibt kaum einen älteren Neunkircher, den nicht ein eigenes Erleben mit diesem Gemeindehaus verbindet. "Geboren" wurde das Haus im Jahr 1913. Der Erzeuger, um im Bild zu bleiben, war der geheime Hofbaurat Professor Otto Kuhlmann. Im Neunkircher Stadtbuch lesen wir in einem Beitrag des Kunsthistorikers und Architekten Hans-Günther Marschall, es handele sich beim Gemeindehaus um einen Bau mit neobarocken Formen, mit Foyer, Treppenhaus und großem Theatersaal als "mächtige am Hang gebaute Anlage". Marschall nennt fünf repräsentative Eingänge, dazu einen mit Figuren verzierten Haupteingang. Während des Bombenangriffs am 15. März 1945 wurde das Gebäude zerstört. Nach dem Kriege erlebte der Bau unter Leitung von Architekt Professor Kröger eine Renaissance. Es wurde danach vielfältig genutzt, beispielsweise als Heimstatt verschiedener Karnevalsgesellschaften, als Kulturtempel für die Neunkircher und als Teil eines Altersheimes.

 So sah das einstige evangelische Gemeindehaus im Jahre 1954 aus. Foto: Archiv
So sah das einstige evangelische Gemeindehaus im Jahre 1954 aus. Foto: Archiv

Verschiedene Investoren lockte ab 1995 der repräsentative Bau, den die evangelische Kirchengemeinde verkaufte. Der renommierte Bexbacher Architekt Hermann Josef Dörr plante die nach den Regeln des Denkmalschutzes erfolgende Renovierung. Investitionen um elf Millionen Mark wurden eingesetzt. Damals hieß es in der SZ: "Elf Gewerbeeinheiten und 17 Wohneinheiten zwischen 45 und 165 Quadratmetern Wohnfläche sind vorgesehen. Eine Ballettschule, ein Büromaschinenservice und der große Saal als Ausstellungsraum sind bereits vergeben." Die Stadt Neunkirchen habe "kooperative und vorbildliche Hilfe geleistet". Heute sind dort neben Wohnungen unter anderem Arztpraxen und ein Gesundheitspark. Wichtig aber war und ist, wie 1995 die SZ schrieb, dass Neunkirchen "ein markantes Bauwerk lebendig zurückbekommen hat".