Interkulturelle Wochen in Neunkirchen: Ein Engel rollt durch Neunkirchen

Interkulturelle Wochen in Neunkirchen : Ein Engel rollt durch Neunkirchen

Am kommenden Freitag starten die Interkulturellen Wochen in Neunkirchen mit der Aktion „Engel der Kulturen“.

Das gab’s noch nie - Nicht als Auftakt der bundesweit laufenden Interkulturellen Wochen, an denen sich Neunkirchen zum elften Mal beteiligt, und auch sonst noch nirgends im Saarland. Die Rede ist vom Kunstprojekt „Engel der Kulturen“. Dieses gastierte bereits in 110 Orten, darunter Sarajevo; Thessaloniki und Istanbul. Wie Pfarrer Bertram Weber aus dem Kreis der Organisatoren bei der gestrigen Pressekonferenz informierte, wurde das Projekt vor neun Jahren von den Burscheider Künstlern Carmen Dietrich und Gregor Merten ins Leben gerufen. „Es strahlt den Geist aus, der uns in unserem Friedensgebet auch immer wieder zusammen bringt.“

Im Mittelpunkt der ritualisierten Performance, die am 25. August um 10 Uhr an der Kindertagesstätte Arche Noah in der Goethestraße startet, steht die Engelskulptur: ein runder Stahlring mit einem Durchmesser von 1,50 Meter, in dessen Innenseiten das Kreuz, der Davidstern und der Halbmond eingearbeitet sind. Gemeinsam bilden sie die Silhouette eines Engels. Was allerdings gar nicht geplant war, so das Statement der Künstler, die im Übrigen am Freitag anwesend sein werden, sondern sich erst im Nachhinein zeigte. In ihrem Kunstwerk führen Dietrich und Merten die drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam zusammen, ihr Engel symbolisiert Toleranz, interkulturellen Dialog und interreligiöses Miteinander der Abrahamitischen Religionen.

Voraussichtlich 200 Menschen werden dem Stahl-Rad folgen, das von der Goethestraße zur Moschee in der Lisztstraße, dann zum Momentum und von dort zur Christuskirche gerollt wird. Der Weg für diese Demonstration wird abgesperrt, was ebenfalls für den Parkplatz am Unteren Markt gilt, auf dem im Anschluss – ab 12 Uhr – ein Interkulturelles Fest mit Musik und kulinarischen Angeboten gefeiert wird.

„Das Spannende an der Aktion ist, dass sie aus drei Teilen besteht“, klärte Walter Schnell auf. Er hatte den „Engel der Kulturen“ im Ruhrgebiet kennengelernt und die Idee mit nach Hause gebracht, wo sie gerne aufgegriffen wurde. So werden zum einen „temporäre Engel“ geschaffen, in dem an jeder Station des Wegs der Ring als Form genutzt wird, in die man weißen Quarzsand füllt. Mittels Schwerlastmagneten heben die Anwesenden die Stahlskulptur vom Boden auf – zurück bleibt ein vergänglicher, von Wind und Regen bald getilgter Engel.

Der zweite Aspekt dagegen ist absolut nachhaltig: Nicht ganz so prestigeträchtig wie vor dem Europäischen Parlament in Brüssel, dafür aber zentral im Neunkircher Stadtzentrum, bringen Vertreter verschiedener Kulturen auf dem Unteren Markt neben dem Parkautomaten die in Wittenberg vorbereitete Intarsie in den Boden ein. Anschließend wird der nächste Engel – für eine weitere, die 112. Stadt – an gleicher Stelle aus einer kreisförmigen Stahlplatte mit dem Schneidbrenner ausgeschnitten.

„Die herausgeschnittenen Engel aus etwa 20 Zentimeter dickem Stahl werden am Rand mit Ortsangabe und Datum geprägt“, so Schnell. Aufeinandergeschichtet, bilden sie die „Engel der Kulturen-Säule“, die 2018 in Jerusalem zur Aufstellung kommen soll – und der Neunkircher Engel mittendrin. .

Initiiert, organisiert und begleitet wird die Aktion „Engel der Kulturen“ vom Interreligiösen Arbeitskreis Neunkirchen, der Stiftung Lebenschance, Momentum – Kirche am Center, der DITIB – Türkisch Islamische Gemeinde Neunkirchen, der Evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen und der Kreisstadt Neunkirchen.

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