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Ein Brunnen löst Detektivarbeit aus

Neunkirchen. Im April 1998 stehen im Hofgut Neuhof bei Dreieich-Götzenhain, unweit von Frankfurt, Neunkirchens damaliger Oberbürgermeister Friedrich Decker und Heimatforscher Horst Schwenk vor einer gusseisernen Skulptur. Es ist ein Brunnen , mit einer mit zwei Taubenfiguren garnierten Wasserschale im Kopfbereich einer geriffelten, ionischen Säule. Etwas unter der Schale ragen Pferdeköpfe aus der Säule. Sie blicken nach unten, wo zunächst vier Wasserspeier zu erkennen sind, einen halben Meter darunter lädt ein größeres Wasserbecken Pferde zur Tränke. Am Fuß des Brunnens ist ebenfalls ein Wasserbecken. Löwenköpfe deuten daraufhin, dass hier des Menschen Lieblinge zum Umtrunk eingeladen sind. Es handelt sich um einen sogenannten Tierbrunnen, den die Neunkircher bis in die Kriegsjahre "Vogelbrunnen" später auch "Päadsbrunne" genannt haben. "Der Bau solcher Brunnen wurde von dem 1844 in Hannover-Linden gegründeten Deutschen Tierschutzverein angeregt", weiß Horst Schwenk. Er ist auch heute noch der Meinung, dass dieser Brunnen , der trocken inmitten eines weiten Hofes dieses hessischen Gutes steht, der Neunkircher Karcher-Brunnen ist. Da weder Oberbürgermeister Friedrich Decker noch Horst Schwenk die Gutsbesitzer erweichen konnten, ihnen den Brunnen zu überlassen, ruhte Schwenk nicht eher, bis er mithilfe eines eigens gegründeten Förderkreises und der Hilfsbereitschaft der Neunkircher eine Replik dieses Brunnens in einer norddeutschen Gießerei nachbauen lassen konnte. Am 20. Juni 2005 war es soweit: Oberbürgermeister Friedrich Decker enthüllte im Beisein zahlreicher Bürger, die zum Teil in Kostümen vergangener Tage gekleidet waren, auf dem Oberen Markt/Synagogen-Platz den Brunnen . Neben ihm aber stand überglücklich der für seine hartnäckige Recherchierarbeit bekannte Autor dieses Kapitels Neunkircher Geschichte , Horst Schwenk. Der Verwaltungschef wird ihn und sein unerschütterliches Vorgehen wie folgt beschreiben: "Wenn er sich einer Sache angenommen hat, verfolgt er diese mit der Zähigkeit eines Terriers und der Pfiffigkeit eines Fuchses." Die Spur des Brunnens und seiner wechselhaften Geschichte nahm Horst Schwenk 1978 auf. Eine einfache Zeichnung und der Bildtext: "Dieser gusseiserne Tierbrunnen stand einmal an der Ecke Oberer Markt/Kriershof," weckte sein Interesse. Er fand Zeichnung und Bildtext in der Nummer Drei der vom Neunkircher Verkehrsverein herausgegebenen Broschüre "Neunkircher Hefte". Autor war der verdiente Heimatforscher Bernhard Krajewski. Schwenk wollte wissen, was aus diesem Brunnen geworden war. Bald führte ihn seine Recherche zum 20. Juni 1905. Damals wurde der von Krajewski erwähnte Brunnen , gerademal zweihundert Meter vom heutigen Standort des neuen Brunnens entfernt, eingeweiht. Der Standort war deshalb gewählt, weil der Kutscher, der seine Pferde mit den Kohlenwagen die Schwebelstraße hinauf gelenkt hatte, in einer der Kneipen am Oberen Markt eine Pause machen wollte. Tierfreundlicher gesehen galt der Brunnen vor allem als Tränke für die Pferde , die die schwere Last die ansteigende Schwebelstraße hinaufgezogen hatten. (Der Hüttenberg war zu steil für Pferdefuhrwerke.) Für Schwenk aber begann nun eine akribische Detektivarbeit in Archiven und vor Ort(en), die ihm unter anderem Detailkenntnisse über 17 Exemplare dieser Tierbrunnen allein in Hannover vermittelten. Von Schriften weiterer Autoren (Kurt Wildberger) oder aus der Werbung erfuhr er Näheres, auf zahlreichen Fotografien entdeckte der heimatkundliche Spürhund Weiteres über den Neunkircher Tierbrunnen. Der Neunkircher Brunnen tauchte nach einem Standortwechsel 1936 im Bereich der Grünanlage Scheibstraße auf und sollte 1942 nach einer kriegsbedingten Metallsammlung eingeschmolzen werden. Doch er landete bei einem Offenbacher Schrotthändler. Der Neunkircher Architekt Rudolf Birtel setzte den Spürhund Schwenk auf die Fährte des Hofgutes Neuhof, wo ein solcher Tierbrunnen stand. (War es der Neunkircher?) Historien-Detektiv Schwenk zog schließlich mit Oberbürgermeister Decker Erkundungen über den im Hofgut aufgestellten Tierbrunnen ein. Zuvor hatte Schwenk bereits mit Lokalhistoriker Werner Raber und Filmer Hans-Günther Ludwig (er drehte einen Film über die Geschichte des Brunnens) Kontakte im hessischen Hofgut aufgenommen. Letztendlich wurde soviel Geld über einen Förderkreis beigeschafft, dass in einer Gießerei Kraas die Replik des Neunkircher Karcher-Brunnen nachgegossen werden konnte. Baupläne besaß Schwenk. Die Replik fand dann als Erinnerungsstück ihren Platz am 20. Juni 2005 auf dem Oberen Markt/Synagogenplatz. Horst Schwenk war am Ziel. Oder nur "fast"? Detaillierte Einzelheiten über das Abenteuer Karcher-Brunnen wird Heimatforscher Horst Schwenk am Donnerstag, 11. Juni, um 19. Uhr in der Irrgartenstraße 18 in den Räumen des Historischen Vereins Stadt Neunkirchen verraten. Nach wie vor geht er der Frage nach: "Ist dieser Tierbrunnen im Hofgut Neuhof im hessischen Dreieich-Götzenhain nicht doch der echte Neunkircher Karcher-Brunnen? Gerd Meiser

Im April 1998 stehen im Hofgut Neuhof bei Dreieich-Götzenhain, unweit von Frankfurt, Neunkirchens damaliger Oberbürgermeister Friedrich Decker und Heimatforscher Horst Schwenk vor einer gusseisernen Skulptur. Es ist ein Brunnen , mit einer mit zwei Taubenfiguren garnierten Wasserschale im Kopfbereich einer geriffelten, ionischen Säule. Etwas unter der Schale ragen Pferdeköpfe aus der Säule. Sie blicken nach unten, wo zunächst vier Wasserspeier zu erkennen sind, einen halben Meter darunter lädt ein größeres Wasserbecken Pferde zur Tränke. Am Fuß des Brunnens ist ebenfalls ein Wasserbecken. Löwenköpfe deuten daraufhin, dass hier des Menschen Lieblinge zum Umtrunk eingeladen sind. Es handelt sich um einen sogenannten Tierbrunnen, den die Neunkircher bis in die Kriegsjahre "Vogelbrunnen" später auch "Päadsbrunne" genannt haben.

"Der Bau solcher Brunnen wurde von dem 1844 in Hannover-Linden gegründeten Deutschen Tierschutzverein angeregt", weiß Horst Schwenk. Er ist auch heute noch der Meinung, dass dieser Brunnen , der trocken inmitten eines weiten Hofes dieses hessischen Gutes steht, der Neunkircher Karcher-Brunnen ist. Da weder Oberbürgermeister Friedrich Decker noch Horst Schwenk die Gutsbesitzer erweichen konnten, ihnen den Brunnen zu überlassen, ruhte Schwenk nicht eher, bis er mithilfe eines eigens gegründeten Förderkreises und der Hilfsbereitschaft der Neunkircher eine Replik dieses Brunnens in einer norddeutschen Gießerei nachbauen lassen konnte.

Am 20. Juni 2005 war es soweit: Oberbürgermeister Friedrich Decker enthüllte im Beisein zahlreicher Bürger, die zum Teil in Kostümen vergangener Tage gekleidet waren, auf dem Oberen Markt/Synagogen-Platz den Brunnen . Neben ihm aber stand überglücklich der für seine hartnäckige Recherchierarbeit bekannte Autor dieses Kapitels Neunkircher Geschichte , Horst Schwenk. Der Verwaltungschef wird ihn und sein unerschütterliches Vorgehen wie folgt beschreiben: "Wenn er sich einer Sache angenommen hat, verfolgt er diese mit der Zähigkeit eines Terriers und der Pfiffigkeit eines Fuchses."

Die Spur des Brunnens und seiner wechselhaften Geschichte nahm Horst Schwenk 1978 auf. Eine einfache Zeichnung und der Bildtext: "Dieser gusseiserne Tierbrunnen stand einmal an der Ecke Oberer Markt/Kriershof," weckte sein Interesse. Er fand Zeichnung und Bildtext in der Nummer Drei der vom Neunkircher Verkehrsverein herausgegebenen Broschüre "Neunkircher Hefte". Autor war der verdiente Heimatforscher Bernhard Krajewski. Schwenk wollte wissen, was aus diesem Brunnen geworden war. Bald führte ihn seine Recherche zum 20. Juni 1905. Damals wurde der von Krajewski erwähnte Brunnen , gerademal zweihundert Meter vom heutigen Standort des neuen Brunnens entfernt, eingeweiht. Der Standort war deshalb gewählt, weil der Kutscher, der seine Pferde mit den Kohlenwagen die Schwebelstraße hinauf gelenkt hatte, in einer der Kneipen am Oberen Markt eine Pause machen wollte. Tierfreundlicher gesehen galt der Brunnen vor allem als Tränke für die Pferde , die die schwere Last die ansteigende Schwebelstraße hinaufgezogen hatten. (Der Hüttenberg war zu steil für Pferdefuhrwerke.)

Für Schwenk aber begann nun eine akribische Detektivarbeit in Archiven und vor Ort(en), die ihm unter anderem Detailkenntnisse über 17 Exemplare dieser Tierbrunnen allein in Hannover vermittelten. Von Schriften weiterer Autoren (Kurt Wildberger) oder aus der Werbung erfuhr er Näheres, auf zahlreichen Fotografien entdeckte der heimatkundliche Spürhund Weiteres über den Neunkircher Tierbrunnen.

Der Neunkircher Brunnen tauchte nach einem Standortwechsel 1936 im Bereich der Grünanlage Scheibstraße auf und sollte 1942 nach einer kriegsbedingten Metallsammlung eingeschmolzen werden. Doch er landete bei einem Offenbacher Schrotthändler.

Der Neunkircher Architekt Rudolf Birtel setzte den Spürhund Schwenk auf die Fährte des Hofgutes Neuhof, wo ein solcher Tierbrunnen stand. (War es der Neunkircher?) Historien-Detektiv Schwenk zog schließlich mit Oberbürgermeister Decker Erkundungen über den im Hofgut aufgestellten Tierbrunnen ein. Zuvor hatte Schwenk bereits mit Lokalhistoriker Werner Raber und Filmer Hans-Günther Ludwig (er drehte einen Film über die Geschichte des Brunnens) Kontakte im hessischen Hofgut aufgenommen.

Letztendlich wurde soviel Geld über einen Förderkreis beigeschafft, dass in einer Gießerei Kraas die Replik des Neunkircher Karcher-Brunnen nachgegossen werden konnte. Baupläne besaß Schwenk. Die Replik fand dann als Erinnerungsstück ihren Platz am 20. Juni 2005 auf dem Oberen Markt/Synagogenplatz. Horst Schwenk war am Ziel. Oder nur "fast"?

Detaillierte Einzelheiten über das Abenteuer Karcher-Brunnen wird Heimatforscher Horst Schwenk am Donnerstag, 11. Juni, um 19. Uhr in der Irrgartenstraße 18 in den Räumen des Historischen Vereins Stadt Neunkirchen verraten. Nach wie vor geht er der Frage nach: "Ist dieser Tierbrunnen im Hofgut Neuhof im hessischen Dreieich-Götzenhain nicht doch der echte Neunkircher Karcher-Brunnen?


Zum Thema:

Hintergrund Stifter des Tierbrunnens war Paul Karcher, geboren am 14. Januar 1846 in Saarbrücken. Er war Besitzer des Gutes Forbacherhof in Neunkirchen , dessen Namen er am 2. März 1899 in Haus Furpach umänderte. Später wurde die in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entstandene Siedlung Haus Furpach nach diesem Gut benannt. Karcher verkaufte 1904 das Gut Haus Furpach an Neunkirchen . Als Erinnerung an ihn und seine Familie stiftete er diesen Tierbrunnen. gm