Ein brennend heißes Derby

Da war Musik drin: Beim Derby zwischen Borussia Neunkirchen und Hertha Wiesbach gab es alles, was ein Derby braucht: Tore, Rote Karten, ein Schiedsrichter, der Fehler macht. Am Ende jubelte auf jeden Fall Wiesbach.

Das Saarderby zwischen Borussia Neunkirchen und dem FC Hertha Wiesbach hatte am frühen Samstagabend einiges zu bieten. Dabei traten die sportlichen Aspekte des Fußball-Oberligaspiels phasenweise in den Hintergrund. Am Ende setzten sich die Gäste aus Wiesbach vor 353 Zuschauern im Ellenfeldstadion mit 2:0 (1:0) durch.

Im Mittelpunkt des Geschehens auf dem Platz standen allzu oft Schiedsrichter Tom Bauer mit seinen Assistenten Marcel Mai und Jonas Julino. Beim Stand von 1:0 für die Gäste aus Wiesbach erkannte das Trio gleich zwei Tore von Ruddy M'Passi (57. und 66. Minute) aufgrund von Abseitsstellungen ab. Hinzu kam eine höchst umstrittene Rote Karte gegen Borussias Kapitän Yannick Bach. Das Foul an Björn Recktenwald in der 78. Minute war unstrittig. Doch die Bewertung als "grobes Foulspiel", das einen Platzverweis nach sich ziehen muss, hatte der Unparteiische exklusiv. "Der Schiedsrichter sagte mir, ich sei in Kniehöhe in den Gegner reingesprungen", sagte Bach nach dem Spiel: "Das stimmt nicht. Wenn man für so ein Foul eine Rote Karte bekommt, brauchen wir kein Fußball mehr zu spielen." Vier Minuten später war es Recktenwald vergönnt, mit dem Treffer zum 2:0 alles klar zu machen. Auch hier gab es wilde Diskussionen über eine vermeintliche Abseitsstellung des Wiesbacher Angreifers. Da sich dieser beim Pass von Angelo Dal Col noch deutlich in der Wiesbacher Hälfte befand, war die Entscheidung allerdings korrekt. "Das Timing hat genau gepasst, und wenn er alleine auf den Torwart zuläuft, macht er die Dinger einfach weg, unser Torschützenkönig", lobte der Passgeber den Torschützen.

Dal Col war es auch, der die Gäste nach 40 Minuten in Führung schoss. Umringt von Neunkirchern gelangen ihm nach einem Einwurf von Linksaußen am Fünfmeterraum sowohl Ballannahme als auch Drehung und Torabschluss auf engstem Raum. Vor seinem Treffer zimmerte Recktenwald einen Freistoß an die Latte (18.). Gleiches gelang Neunkirchens Luka Dimitrijevic im zweiten Durchgang aus gut 25 Metern (71.). Zuvor kassierte Wiesbachs Hendrik Schmidt wegen gefährlichen Spiels gegen Marcel Jung die Gelb-Rote Karte. Nur vier Minuten vorher sah er wegen eines taktischen Fouls bereits Gelb.

"Die erste Halbzeit haben wir verpennt, die war echt schwach. In der zweiten waren wir klar besser, aber machen einfach kein Tor", stellte Yannick Bach fest und bekam vom früheren Neunkircher Angelo Dal Col Recht: "In der zweiten Hälfte hatten wir Glück, dass nicht der Ausgleich fällt, bevor wir mit dem 2:0 den Deckel draufgemacht haben."

Den Deckel draufmachen konnten die Neunkircher Anhänger nach dem Spiel nicht. Sie hatten in Schiedsrichter Bauer die Wurzel allen Übels ausgemacht und gaben ihm entsprechende Verlautbarungen mit auf seinen Weg in die Kabine. Eine skurrile Szene spielte sich nach dem Derby im Rahmen der offiziellen Pressekonferenz ab: Zunächst kritisierte Borussias Vorsitzender Martin Bach Wiesbachs Trainer Michael Petry. Der hatte im Vorfeld des Saarderbys in der Saarbrücker Zeitung seine Meinung bekräftigt, dass Anspruch und Wirklichkeit in Neunkirchen weit auseinandergingen. Dies sei der Grund seines Wechsels von Neunkirchen nach Wiesbach vor der laufenden Saison gewesen. "Das hat mich persönlich sehr gestört", sagte Bach. Petry blieb seinen Argumenten bei der Gegenrede treu und wurde dafür in der Folge von bei der Pressekonferenz anwesenden Zuschauern verbal attackiert. Petry verließ daraufhin den Raum.