Ein bisschen verrückt ist gar nicht so schlimm

Ein bisschen verrückt ist gar nicht so schlimm

Der Landkreis Neunkirchen ist der erste Standort, an dem das bundesweit erprobte Schulprojekt „Verrückt? Na und!“ im Saarland startet. Damit sollen Wege aufgezeigt werden, wie Schüler ihre seelische Gesundheit stärken und Krisen meistern können.

. Das hätte die 13-jährige Anna nie gedacht: Ihre beste Freundin Laura fühlt sich von den Kommentaren sogenannter Facebook-Freunde so gestresst, dass sie nachts nicht schlafen kann. Ihr hat Laura das nie erzählt, aber in der Schule gab es da so ein Projekt, bei dem es ihr plötzlich leicht viel, sogar vor den anderen über ihre psychischen Probleme zu reden.

Das Schulprojekt "Verrückt? Na und!" stärkt seit 2001, als es in Leipzig vom Verein "Irrsinnig Menschlich" aus der Taufe gehoben wurde, in bundesweit 13 Schulprojekten die seelische Gesundheit von jungen Menschen. Ab sofort wird das Schulprojekt im Landkreis Neunkirchen als erste Regionalgruppe im Saarland angeboten. Ulrike Mohns vom Sozialen Dienst des Gesundheitsamtes hat das Projekt für den Kreis Neunkirchen quasi "an Land gezogen", mit ihrer Kollegin Esther Grenner hat sie sich zur Mediatorin ausbilden lassen. Bereits an zwei Schulen in Ottweiler und Neunkirchen ist das Projekt mit Erfolg durchgeführt worden. Viele weitere sollen folgen, deshalb konnten sich jetzt im Landratsamt in Neunkirchen Lehrer, Schüler und Interessierte über das Schulprojekt informieren. Gabi Paus von der Barmer GEK, die als überregionaler Kooperationspartner im Boot ist, Sophie Froß von der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Neunkirchen und Elke Altwein vom sozialpsychiatrischen Verein Darmstadt erläuterten, wie wichtig es ist, Warnsignale seelischer Krisen bereits im Kindes- und Jugendalter zu erkennen.

Langfristige Auswirkungen

Gabi Paus betonte, dass die Förderung der seelischen Gesundheit eine wichtige Aufgabe für Krankenkassen sei. Denn psychische Auffälligkeiten in der Kindheit und Jugend haben negative und langfristige Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Sophie Froß machte auf die Warnsignale gerade in der Pubertät aufmerksam, die auf seelische Probleme hinweisen. Sie können von Einkapselung, fehlendem Kontakt zur Außenwelt bis zu Essstörungen, selbstverletzendem Verhalten und Drogenkonsum reichen. "Der Rückzug ist dabei nicht erfolgreich", sagte Froß. Besser sei es, mit Vertrauenspersonen über die Probleme zu sprechen. "Wach machen für den Schatz seelischer Gesundheit" wolle das Schulprojekt, erläuterte Elke Altwein. Das Besondere sei, dass Schüler und Lehrer Menschen kennenlernen, die bereits eine psychische Erkrankung und die soziale Ausgrenzung erlebt und überwunden haben. "Sie können eine Stecknadel fallen hören, wenn diese Menschen von ihren Erfahrungen erzählen." Dies hat auch Ulrike Mohns bei den ersten Projekttagen, die einen Schultag lang dauern, erlebt. Sie berichtete von den ersten Erfahrungen der Regionalgruppe Neunkirchen . Diese würde sich über Verstärkung im Team sehr freuen. "Menschen, die Erfahrungen mit seelischen Krisen haben, können gern an dem Projekt mitarbeiten", betonte sie im SZ-Gespräch. Ansprechpartner für Interessierte sind Ulrike Mohns unter Tel. (0 68 24) 9 06 88 40 und Esther Grenner, (0 68 24) 9 06 88 36.

Verrückt-na-und.de

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