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Eigenständiges Lernen macht schlau

Eigenständiges Lernen macht schlau

Geänderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen und spätere Erfordernisse moderner Berufe jetzt schon bei der Unterrichtsgestaltung zu berücksichtigen, ist für keine Schulform eine einfache Aufgabe. Die Wellesweiler Alex-Deutsch-Schule hat die Herausforderung angenommen und beschreitet seit Schuljahresbeginn einen neuen Weg des Lernens.

Wer in diesen Tagen um 8 Uhr des Morgens durch die Flure des Alex-Deutsch-Schulgebäudes geht, bemerkt trotz offenstehender Saaltüren eine außergewöhnliche Ruhe. Keine Lehreranweisung, kein Stimmgemurmel unter den Kindern, keine Debatten über die Gründe von Verspätungen stören den friedlichen Eindruck. Verantwortlich dafür, so heißt es in einer Pressemitteilung der Wellesweiler Gemeinschaftsschule, ist die "nullte Stunde", zu deren Beginn die Schüler aller Klassen sich Übungsmaterial aus jeweils vier bunten Aktenordnern herausgesucht haben und dieses jetzt eine halbe Stunde lang völlig eigenständig an ihrem Arbeitsplatz bearbeiten. Blau beispielsweise steht für Mathematik, rot für Deutsch, gelb für Französisch.

Ein Abstecher in die Klasse 9d gewährt Einsicht in das System. Während die 14-jährige Angela sich gerade einem Arbeitsblatt zum Themenbereich "Multiplikation von Brüchen" widmet, übt ihr gleichaltriger Klassenkamerad Fabian die Anwendung der verschiedenen s-Laute. So begegnet jeder Schüler gezielt und im eigenen Lerntempo seinen persönlichen Schwächen, niemand wird in der Auswahl des Übungsmaterials beeinflusst.

Ob Angela und Fabian am Ende alles richtig gemacht haben, können sie mithilfe eines Lösungsordners nachkontrollieren. Was am Ende der Übungseinheit unvollendet bleibt, wandert in eine Ablage und wird am folgenden Morgen wieder aufgegriffen. Über ihre Arbeit führen die Schüler Lerntagebücher, die regelmäßig von den Lehrern eingesehen werden.

"IL" nennen Schüler und Lehrer das pädagogische Konzept kurz und bündig. "Individuelles Lernen - so die ausführliche Betitelung - soll die Schüler vor allem befähigen, Übungsmaterial zu prüfen und Geeignetes herauszufiltern, dieses konzentriert zu bearbeiten, die Lernzeit sinnvoll zu gliedern und damit jetzt schon mehr Eigenständigkeit für den späteren Beruf einzutrainieren", begründet Schulleiter Arno Schley eine Maßnahme, die im Vorfeld einen ganzen "Rattenschwanz" weiterer Änderungen erforderlich machte. So werden die Hauptfächer nun in Form von Doppelstunden vermittelt, was die Flexibilität der Unterrichtenden erhöht. "Die tägliche Unterrichtsdauer für die Schüler bleibt gleich", betont der Rektor, die benötigte Zeit werde vom regulären Unterricht abgeknapst.

"Was jetzt so einfach aussieht, machte einen hohen organisatorischen Aufwand sowie umfangreiche, methodisch ausgeklügelte Vorbereitungsarbeiten erforderlich", zollt die stellvertretende Schulleiterin Stephanie Urschel den beteiligten Gremien und Fachlehrern Anerkennung. Ob es sich gelohnt hat, wird sich erst nach einer gewissen Zeit beurteilen lassen.