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| 20:28 Uhr

Tag der offenen Tür
„Die sind ja genauso wie wir“

Viele Gäste verfolgten auch beim Tag der offenen Tür das Unterhaltungsprogramm der Lebenshilfe wie Theater oder Flashmop.
Viele Gäste verfolgten auch beim Tag der offenen Tür das Unterhaltungsprogramm der Lebenshilfe wie Theater oder Flashmop. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Mit einem Tag der offenen Tür präsentierte sich die Lebenshilfe Schule ihren Gästen an der Bliespromenade. Von Anja Kernig

Schlechte Nachrichten: „Sie haben keinen Blutdruck“, diagnostiziert Lena Presser. Die Schülerin schraubt frustriert am manuellen Blutdruckmessgerät, in dessen Stethoskop sie partout keine Töne vernimmt. Für jemanden ohne Blutbewegung ist Dozentin Silke Brenner erstaunlich vital. Um Lena trotzdem ein Erfolgserlebnis zu verschaffen, zeigt sie ihr, wie man den Puls am Handgelenk misst: „An der Arteria radialis, zwischen den zwei Knöchelchen“ werden zwei Fingerspitzen mit leichtem Druck aufgesetzt. Und tatsächlich: Da drin pulsiert doch etwas!

Es war der dritte Tag der offenen Tür am immer noch recht neuen Standort Bliespromenade. Im ersten Stockwerk haben der Landesverband der Lebenshilfe und die von ihm betriebene private Fachschule für Heilerziehungspflege ein ansprechendes, zeitgemäßes Zuhause gefunden. 100 Schüler gehen hier phasenweise ein und aus: An das Orientierungsjahr schließen sich zwei Jahre Fachtheorie an, die mit der ersten Teilprüfung abschließen. Mit einem fachpraktischen Jahr und einem Kolloquium endet die Ausbildung zum staatlich anerkannten Heilerziehungspfleger (HEP). Neben den Blutdruck- und Blutzuckermessungen sowie einer Demonstration von Hebetechniken und Infoständen aller Lebenshilfeeinrichtungen des Saarlandes gab es auch Neues zu entdecken: „Wir haben diesmal zusätzlich Ideen aus dem Sozialraum aufgegriffen“, erklärte Schulleiterin Daniela Reichardt. Gern nutzten der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Saar oder die Landesvereinigung Selbsthilfe die Chance, sich vorstellen zu können. Werbung in eigener Sache machte Dragon, ein 15 Monate alter American Staffordshire Rüde. Der Therapiehund wird als „Brückenbauer“ zu Drogenabhängigen oder jungen Obdachlosen eingesetzt. „Das sind zum Teil Menschen, die mit niemandem mehr reden können“, sagt Christel Mathieu, „da öffnet sich durch das Tier eine Tür.“ Sie und ihre Kollegin Kirsten Moser arbeiten zudem mit Hühnern („perfekte Therapietiere“) und, in Beweidungsprojekten, mit Schafen.

Nach wie vor ein Tabuthema ist Homosexualität – auch in Einrichtungen mit sozialem Kontext wie der Lebenshilfe. „Gerade in der Heilerziehungspflege gibt es viele Betroffene“, weiß Irene Portugall, Vorstandsmitglied der LSVD Saar. Bewährt haben sich Schulprojekte, bei denen junge Lesben oder Schwule ihre ganz persönliche Coming-Out-Story erzählen. „Das führt oft zu Aha-Erlebnissen: Die sind ja genauso wie wir.“ Als Erlebnis der spannenden wie auch lustigen Art erwies sich für die Besucher das „sozialkritische Mitgeh-Theater“, bei dem der Gärtner mal nicht Mörder, sondern Opfer war: „Das Stück haben wir im Fach methodisch-didaktische Grundlagen selbst geschrieben“, informierte Ben Mücke, einer der Kommissare. Im wahren Leben ist er in der Tagesstätte der Lebenshilfe in St. Wendel tätig. „Anders als Therapeuten, die sich auf einen Fachbereich spezialisieren, arbeiten wir ganzheitlich“, verriet Mücke, was ihn am HEP besonders gefällt.