Die Seelsorge ist in Frauenhand

Pfarrerin Anette Weber ist als Seelsorgerin am Neunkircher Klinikum bestellt worden, auch die anderen beiden Posten wurden mit Frauen besetzt. Etwas „ganz Besonderes“, betonte Pfarrer Christian Schucht.

"Die Zukunft und wahrscheinlich auch die Rettung der Kirche liegt in ihrer Feminisierung", hat Journalist Franz Alt vor 30 Jahren in einem seiner Bücher vermerkt. "Mehr Weiblichkeit in der Kirche würde mehr Menschlichkeit bedeuten." So gesehen, könnte es kaum besser bestellt sein um die Krankenhausseelsorge in Neunkirchen . Denn deren Gegenwart und Zukunft ist definitiv weiblich - das merkte Pastorin Anette Weber schnell noch an, bevor sie am Mittwochnachmittag im Anschluss an den Gottesdienst in der Mitarbeitercafeteria des Diakonie Klinikums Neunkirchens zum gemütlichen Teil überleitete.

Zuvor hatte Pfarrer Christian Schucht vom Vorstand der kreuznacher diakonie drei Seelsorgerinnen offiziell ins Amt eingeführt. Drei auf einen Streich, das sei etwas "ganz Besonderes", betonte Schucht. Und auch dass eine der Frauen schon zum dritten Mal eingeführt werde, passiere nicht alle Tage. Womit er Anette Weber meinte. Seit 2004 war die Pastorin im Fliedner Krankenhaus im Sonderdienst der Evangelischen Kirche in Rheinland tätig. 2009 trat sie als Mitarbeiterin in die damaligen Saarland Kliniken ein. Dort übernahm sie den Vorsitz im Ethikkomitee und leitete den Einsatz der Grünen Damen. Seit 2014 ist Anette Weber in der Krankenhausleitung tätig und wirkte unter anderem beim Aufbau des ambulanten Hospizdienstes in Neunkirchen mit. In diversen Fortbildungen führte sie Mitarbeiter an sensible Themen wie Sterbekultur, Sterbebegleitung und Spirituelle Kraftquellen heran. Zusätzlich zu ihrer seelsorgerischen Tätigkeit im Fliedner Hospiz und dem Diakonie Klinikum Neunkirchen übernimmt Anette Weber nun die Aufgabe als leitende Seelsorgerin im Saarland.

"Krankenhausseelsorge hat in der Organisation Krankenhaus die Aufgabe, immer wieder auf das christliche Menschenbild hinzuweisen", führte Pastorin Weber in ihrer Ansprache aus. Darüber hinaus soll sie "Reflexionen anstoßen, was dieses Menschenbild für medizinethische Fragestellungen, aber auch für die Organisation Krankenhaus als Ganzes und deren Abläufe und Prozesse bedeutet."

Ebenfalls ins Amt eingeführt wurde Pastorin Luise Winternheimer, die bereits seit Juli als evangelische Seelsorgerin im Fliedner Krankenhaus arbeitet. Dritte im Bunde ist Sabine Lohrum. Angefangen hatte sie bei der Diakonie 2000 als Diabetesberaterin. "Auch sie hat sich über ihren normalen Dienst hinaus engagiert", betonte Joachim Krekel, Geschäftsführer des Geschäftsfeldes Krankenhäuser und Hospize. So absolvierte Sabine Lohrum ihre Diakonenausbildung und ist im Ethikkomitee aktiv. Ihr seelsorgerischer Einsatzort ist seit August das Paul Marien Hospiz in Saarbrücken.

"Nach der gesellschaftsrechtlichen Mehrheitsbeteiligung des Trägers Stiftung kreuznacher diakonie an dem ehemals städtischen Krankenhaus im Dezember 2015 und der verbandlichen Anerkennung durch das Diakonische Werk im Februar 2016 gehen wir heute einen weiteren wichtigen Schritt in der Umgestaltung eines kommunalen in ein diakonisches Krankenhaus", betonte der Geschäftsführer in seinem Grußwort. Krekel sieht die Gefahr, dass dem diakonischen Krankenhaus als Folge des Kostendrucks "das besondere Leistungsmerkmal der persönlichen Zuwendung verloren geht". Mit der Schaffung der Seelsorgestellen an den beiden Neunkircher Krankenhäusern 2007 und 2009 habe man dem entgegen gewirkt. Mindestens genauso wichtig sei aber eine adäquate Besetzung der Stellen, die nun - glücklicher Weise - erfolgt sei.