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Die Schönheit von Eisenspänen und Bügelsägen

Die Schönheit von Eisenspänen und Bügelsägen

Anlässlich des Tags des Museums öffnete Wolfram Herzog die Tore seiner geerbten Maschinenbaufirma.

"Als nächstes könnte ich ihnen eine Presse vorführen", sagt Wolfram Herzog bescheiden und führt die Gäste zu seinem nächsten Schatz. Es ist genau wie bei der Kreissäge, den zwei Stoßmaschinen, der Bügelsäge und der amerikanischen Ständerbohrmaschine zuvor: Ein paar Handgriffe, und die schweren Metallbauteile gleiten gut geschmiert hoch und runter, nach links und rechts, vor- und rückwärts, als ob sie nicht schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel hätten und manche von ihnen um ein Haar verschrottet worden wären.

Willkommen in der Firma HNS Maschinenbau Herzog, Preisträger des Saarländischen Denkmalpflegepreises 2013 - ein denkbar unprätentiöser Preisträger, den man erst mal finden muss. Dabei könnte die alte Werkstatt im Hinterhof der Zweibrücker Straße 64 gut als Mekka für Steam-Punker taugen: Eisenketten und Spinnweben hängen von der Decke, an den Wänden stehen verstaubte Werkbänke und Regale mit Unmengen öligen Werkzeugs und Metallteilen aller Arten und Formen, es gibt alte Gasflaschen und Behälter mit Eisenspänen.

All das ist geerbt. Wobei Herzogs Eltern eher wenig anfangen konnten, mit dem Dank Sparsamkeit und unternehmerischem Starrsinn nahezu unverändertem Erstinventar des von Philipp Herzog 1929 als Fahrradreparaturgeschäft gegründeten Betriebs. "Ich war der Erste mit einer Vorstellung davon, welchen historischen Wert dieser bis auf das Jahr 1870 zurückreichende Maschinenbestand haben könnte", stellt der Gastgeber fest. Als gelernter Werkzeugmacher und Feinwerkmechaniker-Meister konnte Wolfram Herzog den Bestand peu à peu "durch restaurieren". Heute fertigt der 42-Jährige damit im Nebenerwerb Einzelteile und Kleinserien an.

Ein kleines blaues Wunder stellt das einstige Firmenfahrzeug, ein blauer VW T1 von 1960, dar, das sogar unter Denkmalschutz steht. Neben den urigen Werkzeugmaschinen, die der Großvater größtenteils gebraucht erworben hatte, um sie dann mit Geschick und Fantasie wieder flott zu machen, wirkt das polierte Fahrzeug wie ein Fremdkörper. "Nach seinem Tod stand der VW 30 Jahre hier und war total durchgerostet." Die 85 000 Euro für die Restaurierung wird Herzog noch lange abbezahlen - Geld, das ihm jetzt fehlt, um sein bereits fix und fertiges Manuskript für einen Museumskatalog zu drucken.

"Dieses Auto mit diesem Schriftzug hat sich mir von frühester Kindheit an eingeprägt", meint Besucher Joachim Gölzer andächtig und fühlt sich 45 Jahre zurück versetzt. Er stammt von der Scheib und hat oft "von der Straße aus reingeguckt in den Hof". Später wollte er sogar mal sein Motorrad hier reparieren lassen. "Da sah es genauso aus wie jetzt, leicht düster und ölig." Dessen Ehefrau Martina findet die Leistung des Erben bewundernswert. Insofern habe sich der sonntägliche Ausflug "auf jeden Fall gelohnt", nickt ihr Mann.