1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Neunkirchen

Die Private Fachschule für Heilerziehungspflege der Lebenshilfe Saar

Offene Tür : In drei Phasen zur Förderkraft Benachteiligter

Die Private Fachschule für Heilerziehungspflege der Lebenshilfe Saar an der Neunkircher Bliespromenade öffnete ihre Türen.

„Stärke durch Disziplin“ hallt es zackig durch den Klassensaal und „Stärke durch Gemeinschaft“. Kurz darauf wird Mia, eine der Schülerinnen, von Ben, ihrem Mitschüler und Ex-Freund, agitiert und geschlagen. Weil sie nicht mitmacht, weil sie anders ist als die Masse. Zum Glück sind es nur Szenen aus einem Theaterstück, die die Klasse HEP 12 den Besuchern am Tag der offenen Tür vorspielten. Darin geht es um ein Sozialexperiment, bei dem in rasend schnellem Tempo autokratische faschistoide Gesellschaftsstrukturen entstehen. „Die Welle“, die auf dem gleichnamigen deutschen Spielfilm basiert, kann man in ganzer Länge am 6. Mai im Kulturhaus Wiebelskirchen erleben.

Seit August proben die angehenden Heilerziehungspfleger mit Theaterpädagogin Sibille Sandmayer an dem Stück – regulär im Rahmen des Unterrichtsfachs „Methodische Grundlagen“. Nicht, um es später mit den von ihnen betreuten Menschen umzusetzen. Vielmehr sollen die Schüler lernen, „wie man an so ein Theaterprojekt heran geht und wie man es anleitet“, erläutert die Dozentin. Zudem hilft Theaterspielen, „sicherer aufzutreten“. Und ganz nebenbei ist „Die Welle“ natürlich ein Plädoyer für Toleranz, betont Schulleiter Bernd Krämer — ein Dauerbrenner der Lebenshilfe, die es als ihre Aufgabe sieht, „Menschenrechte zu sichern, Teilhabe zu verwirklichen und Zusammenleben zu gestalten“.

Dort setzt die Heilerziehungspflege an. Ihr Aufgabenfeld umfasst Assistenz, Förderung und Beratung sowie Bildung und Pflege von Menschen mit Beeinträchtigungen. Hier in der Schule, zentral gelegen an der Bliespromenade, werden theoretische Inhalte mit denen aus dem Berufsalltag vernetzt. Dafür stehen den festangestellten Mitarbeitern externe Honorarkräfte zur Seite, zu denen auch Sibille Sandmayer gehört. „Durch die Einbindung dieser Leute sind wir voll in der Praxis drin“, betont Krämer Wert. „Die enge Zusammenarbeit hat entscheidenden Einfluss auf die Qualität der Ausbildung.“

Gegliedert ist sie in drei Phasen. An die einjährige Orientierungsphase schließen sich zwei Jahre Fachschulausbildung mit einem wöchentlichen Praxistag an. Im letzten Jahr erfolgt die fachpraktische Ausbildung. Wer sich für Heilerziehungspflege entscheidet, wählt einen nahezu krisensicheren Beruf, Stichwort Pflegenotstand, wirbt Krämer. Zugangsvoraussetzung ist der Realschulabschluss. Aufgenommen werden jedes Jahr 20 junge Menschen. Im dritten Ausbildungsjahr befindet sich Christoph Jung. Er hat bereits die Fachschule Sozialwesen besucht. Nach einem Praktikum in der Dudweiler Förderschule stand für den gebürtigen Altenwalder fest, dass ihm diese Arbeit liegt. „Dann habe ich gesucht, wo ich sowas lernen kann“ – und wurde bei der Lebenshilfe fündig. Den 24-Jährigen reizt die Verantwortung, die man in diesem Beruf hat, dass jeder Tag neue Herausforderungen bereit hält und individuell gestaltet werden will.

„Es passiert immer wieder etwas Neues“. Das, und die Möglichkeit, jemanden gezielt fördern zu könne, macht „jede Menge Spaß“. Dass in seinem Freundeskreis nicht jeder gleich seine Begeisterung teilt und er viel Aufklärungsarbeit leisten muss, nimmt Christoph Jung gelassen. Für ihn steht jetzt schon fest: „Ich will gern in diesem Beruf bleiben. “