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Die Pfeifenorgel ist von der Empore verschwunden

In der Paul-Gerhardt-Kirche Wellesweiler : Die Pfeifenorgel spielt jetzt in Portugal

Das Bild ist für die Gottesdienst-Besucher noch ganz ungewohnt. Die schwer sanierungsbedürftige Orgel der evangelischen Kirche in Wellesweiler spielt in Portugal weiter.

Den Gottesdienstbesuchern in der Paul-Gerhardt-Kirche in Wellesweiler bietet sich ein völlig neuer Anblick: Die Pfeifenorgel ist von der Empore verschwunden. Sie wurde dieser Tage von einer Orgelbaufirma fachmännisch demontiert und zu einer Kirchengemeinde nach Portugal transportiert, wo sie neu aufgebaut, intoniert und wieder genutzt wird.

Die Pfeifenorgel, eine Walcker-Orgel, stand seit der Kircheneröffnung 1962 in der Paul-Gerhardt-Kirche. „Durch Material-Ermüdung und Schimmelbefall war die Orgel in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand“, erläutert Organist Peter Littner beim SZ-Termin mit Pfarrer Bertram Weber von der evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen in der Paul-Gerhardt-Kirche. Littner fiel der Abschied besonders schwer. „Auf dieser Orgel habe ich vor 44 Jahren Orgelspielen gelernt“, erinnert er sich.

Die Wellesweiler Orgel verpackt für den Transport nach Portugal. Foto: Foto: Bertram Weber

Das Gebläse sei vier Meter tiefer als die Orgel eingebaut worden, Kondenswasser habe zur Schimmelbildung beigetragen. Für die Walcker-Orgel, die von einer sehr renommierten deutschen Firma gebaut worden sei, habe die Paul-Gerhardt-Kirche architektonisch eher ungünstige Räumlichkeiten geboten. „Die Kosten für eine Generalsanierung hätten schätzungsweise zwischen 40 000 und 80 000 Euro gelegen“, informiert Pfarrer Weber. In Zeiten von recht desolater Finanzsituation habe man sich daher zur Anschaffung der wesentlich günstigeren elektronischen Orgel entschlossen. Selbst wenn man die Summe für eine Instandsetzung investiert hätte, sei im Übrigen nicht davon auszugehen gewesen, dass die Orgel ihre frühere Qualität wieder erreicht hätte, ergänzt Littner. Aus diesem Grund entschloss sich die Kirchengemeinde, für rund 25 000 Euro eine elektronische Orgel anzuschaffen. Im Gegensatz zur Pfeifenorgel müsse die elektronische Orgel auch nicht jährlich gewartet werden, was auch wieder Geld spare, so Littner.

An der elektronischen Orgel: Pfarrer Bertram Weber (links) und Organist Peter Littner. Foto: Christine Schäfer

Über einen Orgelmakler wurde die Pfeifenorgel nach Portugal verkauft, der Verkaufserlös deckte knapp die Kosten für die elektronische Orgel, die schon vor Monaten die Pfeifenorgel in den Gottesdiensten abgelöst hat. Organist Peter Littner ist mit dem Klang des neuen Instruments mehr als zufrieden. Dem Organisten stehen nach seinen Worten jetzt 50 statt 24 Register zur Verfügung. „Mich haben auch schon Gottesdienstbesucher angesprochen und gefragt, was wir mit der Orgel gemacht haben, damit diese wieder so gut klingt“, erzählt er. Der Wechsel auf die neue Orgel sei aus musikalischer Sicht eine Umstellung zum Besseren gewesen. Sehr angenehm sei auch die Tastatur aus Echtholz.

Den Platz auf der Empore, der durch den Abbau der Pfeifenorgel jetzt frei geworden ist, möchte die evangelische Kirchengemeinde neu gestalten. „Wir können uns drei stufenförmige Podeste für die Kirchenmusiker vorstellen und möchten Lautsprecher auf jeder Seite der Empore montieren lassen“, gewährt Pfarrer Weber einen Einblick in Planungen. An die alte Pfeifenorgel soll der Zimbelstern erinnern, für den die evangelische Frauenhilfe gespendet hat. Dass man sich zum Verkauf der Pfeifenorgel und zur Anschaffung der elektronischen Orgel entschlossen habe, sei eine Vernunftlösung gewesen, durch die der Kirchengemeinde wieder ein gutes und funktionsfähiges Instrument zur Verfügung stehe, so Pfarrer Weber. Es sei angedacht, künftig regelmäßig zu einer kleinen Abendmusik in die Paul-Gerhardt-Kirche einzuladen.