1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Neunkirchen

Die Naturfreundehäuser sind endlich wieder geöffnet

Naturfreunde-Häuser im Kreis Neunkirchen : Wieder offen, aber längst nicht sorgenfrei

Seit kurzem dürfen auch die Naturfreundehäuser wieder geöffnet haben. Die beiden Häuser in Neunkirchen und Spiesen-Elversberg hat der Lockdown im wahrsten Sinne des Wortes einiges gekostet. Aber das sind längst nicht die einzigen Probleme.

Die Naturfreundehäuser durften kürzlich wieder öffnen, doch der durch die Corona-Pandemie bedingte Lockdown stellt auch die Ortsgruppen der Naturfreunde in Neunkirchen und Spiesen vor große finanzielle Probleme. Durch die Schließung der Naturfreundehäuser entgingen den Betreibern Umsätze, die im restlichen Jahr kaum noch aufzuholen sind.

Dies trifft vor allem das Haus in Neunkirchen, das als öffentliche Gaststätte betrieben wird. Roland Rinder, Vorsitzender der Ortsgruppe Neunkirchen und Betreiber der Gaststätte, musste das Lokal acht Wochen lang schließen. „Auch nach der Wiedereröffnung läuft das Geschäft nur schleppend. Obwohl unser Biergarten, gerade in den Sommermonaten, ideale Möglichkeiten zum gemütlichen Verweilen bietet und der Zugang zum Lokal durch einen Treppenlift barrierefrei ist. Wir hoffen, dass am 15. August zu unserem ‚Wildschwein am Spieß’ zahlreiche Gäste den Weg zu uns finden“, teilte Rinder der Saarbrücker Zeitung im Gespräch mit.

Das idyllisch am Ortsrand von Spiesen gelegene Naturfreundehaus mit Grill-Hütte der Ortsgruppe Spiesen-Elversberg bietet viel Platz für vielfältige Aktivitäten. Foto: Volker Ammann

Um die Umsatzausfälle einigermaßen zu kompensieren, stellte der Verein den Antrag auf Soforthilfe, die auch gewährt wurde. „Weiter“, so Rinder, „habe man auch Vereinshilfe beantragt, die aber noch nicht genehmigt ist.“ Um mehr Gäste auf das Naturfreundehaus aufmerksam zu machen, hat der Verein am Eingang des benachbarten Neunkircher Zoos, der über keine eigene Lokalität verfügt, in Absprache mit der Zooleitung ein Plakat mit der gutbürgerlichen Speisekarte ausgehängt. Probleme bereiten dem Vereinsvorsitzenden auch die Altersstruktur der Vereinsmitglieder. Sie liegt bei 75 Jahren und darüber. Lediglich sechs Mitglieder sind unter 30 Jahre. Auch fehlt seit einiger Zeit ein Wanderwart, der die gemeinsamen Wanderungen organisiert.

Hoffnungen setzt Rinder in seinen Sohn Dennis Hoffmann, 28, Kassierer des Vereins, und in Rebecca Recktenwald, 26, die im Vorstand mitarbeitet. Gemeinsam mit anderen Ortsvereinen plant Hoffmann ein attraktives Programm aufzubauen. „Wir möchten den jüngeren Naturfreunden interessante Angebote bieten. Vorgesehen sind zum Beispiel Kanufreizeiten, Kletterkurse und Sommerfreizeiten“, so Hoffmann. So stehen eine Nachtwanderung mit der Jugendfeuerwehr des Löschbezirks Furpach auf dem Programm sowie eigene, regionale Wanderkarten und ein Verzeichnis sämtlicher Naturfreundehäuser Deutschlands. Außerdem soll die Kennzeichnung der Wanderwege in der Region mit dem Logo des Naturfreundevereins versehen werden.

Hoffmann ist zuversichtlich, dass eine Neuausrichtung gelingen kann: „Auch der Landesverband hat die Zeichen der Zeit erkannt und wird in Sachen Jugendarbeit aktiv. Und durch Corona finden immer mehr Jugendliche Interesse an der Natur.“

Ähnliche und doch ganz andere Probleme plagen die Naturfreunde in Spiesen-Elversberg mit Gerhard Halenke, seit 1986 Vorsitzender des Vereins. Das idyllisch gelegene Haus am Ortsrand von Spiesen wird nicht als öffentliche Gaststätte geführt, sondern für Veranstaltungen von Schulen, Kitas, Verbänden, Vereinen und Privatpersonen gegen Entgelt zur Verfügung gestellt. Voraussetzung ist jedoch, dass die letztgenannten Mitglieder bei den Naturfreunden sind. So ist das Haus gleichzeitig Vereinsheim für den Billardverein Fortuna Spiesen und den Koch-Club ACE aus Elversberg. Auch die monatlichen Senioren-Nachmittage finden hier statt.

Halenke, als Vorstand auch noch Wanderwart des Vereins, teilte uns im Gespräch mit: „Finanziell hart getroffen hat den Verein der Pandemie bedingte Ausfall zahlreicher Veranstaltungen und Feste, wie zum Beispiel die drei Mal jährlich stattfindenden Jugendfreizeiten, Schul- und Kitafeste sowie die Absagen an Vereine zur Durchführung von Veranstaltungen. Auch die eigenen Feste, wie das Wenzel-Fest oder das jährliche Grillfest, mussten abgesagt werden.“ Als Entschädigung für die entgangenen Einnahmen hat das Land auf Antrag eine Soforthilfe von 2000 Euro gewährt, so der langjährige Vereinsvorsitzende.

„Nach Aufhebung des Lockdowns ist der Terminkalender Gott sei Dank wieder voll. Das Haus ist jetzt wieder montags ab 17 Uhr für alle Vereinsmitglieder geöffnet und die regelmäßigen Zusammenkünfte der Vereine können wieder durchgeführt werden. Auch gemeinsame Wanderungen sind wieder möglich. Die nächste findet am 9. August statt. „Treffpunkt ist um 9.30 Uhr am Vereinsheim, die Teilnahme ist kostenlos und teilnehmen kann jeder. Die Tour führt über zehn Kilometer rund um die Ski- und Wanderhütte in Einöd“, freut sich Halenke.

Wie viele Vereine haben auch die Naturfreunde in Spiesen-Elversberg Nachwuchsprobleme. Der Altersdurchschnitt der 174 Mitglieder liegt bei über 50 Jahren. Daher steht die Werbung jüngerer Mitglieder auf der Prioritätenliste des Vereins ganz oben. Mit geeigneten Angeboten für die junge Generation, so Halenke, will man dieser Misere künftig begegnen.