Die „Nachtigall“ hat ihn verzaubert

Die „Nachtigall“ hat ihn verzaubert

Ro Gebhardt hat mit der „Nachtigall“ aus Erzählung, Musik und Klängen ein musikalisches Märchen für alle ab acht Jahren geschaffen. Am Freitag, 2. Oktober, wird es in der Gebläsehalle aufgeführt.

. Direkt nach dem letzten Gig geht es zur Erholung. Dann macht Ro Gebhardt Ferien mit der Familie bei Stettin, in der Heimat der Ehefrau. Zuvor hatte er aber noch Zeit für einen Besuch in der Redaktion. Und da fällt ihm ein ganz anderer Urlaub ein. Ferien in Südfrankreich im Jahr 2013. "Damals habe ich den kompletten Urlaub damit verbracht, Märchen zu lesen, von Grimm bis Andersen", erinnert er sich. Warum tut ein erwachsener Mensch so was? "Ich habe sie gelesen unter dem Aspekt, wie Musik dazu klingen könnte." Denn damals schon war klar: Der Jazz-Gitarrist und Komponist wollte mal was ganz Neues machen. Geklingelt hat es damals in Südfrankreich bei Andersens Märchen "Die Nachtigall". "Da habe ich sofort die Musik dazu gehört." Es entstand ein musikalisches Märchen für alle ab acht Jahren, eine Mischung aus Erzählung und Musik. Die Ur- und bislang einzige Aufführung war vergangenes Jahr in Saarbrücken.

Am Freitag, 2. Oktober, kommt Gebhardt damit nun in seine Geburtsstadt Neunkirchen , genauer in die Gebläsehalle. Auftreten wird er mit dem Ensemble Traumfänger. Das sind der Schauspieler Hartmut Volle, unter anderem bekannt als Pathologe im Saar-Tatort, die Flötistin Atsuko Futakushi, der Percussionist Uli Schiffelholz, der Bassist Gernot Kögel sowie Gebhardt selbst an Gitarre und Laute. Unverzichtbar: Roman Müller, der Computer und Technik bedient.

Erzählung, Musik und verschiedene Klänge werden sich zu einer einheitlichen Performance zusammenfügen. Dabei können sie zeitgleich erklingen oder aber einander ergänzen, unterstreichen. In Töne umgewandelt wird so beispielsweise die kaputte Feder der künstlichen Nachtigall. Das Hauptthema, die Nachtigallenmelodie, ist Gebhardt beim Joggen eingefallen. "Die Nachtigall" soll eine Aufführung von Jung und Alt sein. Für Gebhardt ist sie auch gesellschaftskritisch, zeigt das traditionelle China gegen das moderne Japan - den auf die Schippe genommenen, lebenslustig devot dargestellten Hofstaat gegen die mechanische japanische Mentalität. Einspielungen vom Band gibt es nicht nur in Form verschiedener Geräusche. Wenn der Kaiser auf dem Sterbebett liegt, beispielsweise, dann werden die guten und bösen Taten vom besprochenen Band zu hören sein. Eingespielt werden Klänge, Gemurmeltes, Geflüstertes. Der Tod wird übrigens von Gebhardt auf der stark verzerrt klingenden E-Gitarre dargestellt. Zu hören sind auch traditionelle asiatische Instrumente. Improvisiert wird - entgegen der Gebhardt-Konzerte, die man kennt - kaum, es gibt ein festes Skript. Eine Aufführung pro Jahr - das wäre das, was Gebhardt sich wünscht für seine Traumfänger-Geschichten. "Dann kann man sich das Märchen auch noch mal angucken, selbst, wenn man es schon gesehen hatte." Deshalb nach der Premiere vergangenes Jahr in Saarbrücken jetzt eine Aufführung in der Gebläsehalle. "Das kann ruhig zehn Jahre lang so laufen. Das ist besser, als wenn man was überspielt." Angedacht war von Gebhardt mal, jedes Jahr ein Märchen aufzuführen. "Immer so um Weihnachten rum, das wäre schön gewesen." Bislang ist er nicht dazu gekommen. Zumindest ist die Aufführung der "Nachtigall" dieses Jahr nicht allzu weit von der Vorweihnachtszeit entfernt. Wie es weitergeht, wird sich zeigen. Die Traumfänger sollen auf jeden Fall bestehen bleiben. Und eines ist auch schon ganz sicher: 2017 wird "Die Nachtigall" im Rahmen der Musikfestspiele Saar gezeigt. Die haben dann nämlich das Thema Asien - und Bernhard Leonardy hat das Stück schon fest gebucht.

Karten an allen bekannten Vorverkaufstellen oder über

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