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Die mannigfaltige Klangwelt des Quetschkastens

Neunkirchen. Bei der Akkordeonale in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen bestritten sieben Musiker einen Konzertabend.

Dass ein Akkordeon nicht gleich immer ein Akkordeon ist, konnten die Besucher der Akkordeonale in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen am Donnerstagabend lernen. Obendrauf gab es auch noch vielfältige Töne von Spitzenmusikern aus der ganzen Welt zu hören. Durch den Abend führte dabei Servais Haanen, der zu Beginn bereits versprach: "Nach dem heutigen Abend sehen Sie das Akkordeon mit neuen Augen." Der Niederländer ist aktuell bereits zum neunten Mal mit der Akkordeonale auf Tour und sorgte als kreativer Kopf der Konzertreihe für jede Menge Hintergrundwissen rund um seine Künstler.



Die brachten an diesem Abend eine Klangvielfalt auf die Bühne in Neunkirchen, die unterschiedlicher nicht hätte sein können. Rinah Rakotovao aus Madagaskar verband beispielsweise die klassischen Klänge seines Akkordeons mit der typischen Rhythmik Afrikas und schuf damit eine Eigenkomposition, die für Begeisterung in der Gebläsehalle sorgte. Eine Symbiose von Akkordeonklängen und Jazz brachte hingegen der Franzose Laurent Derache auf die Bühne, und Stefan Straubiger aus Bayern bewies, dass das Akkordeon für mehr taugt als zur Hintergrundbeschallung während des Oktoberfests. Den mit Abstand größten Applaus des Abends heimste jedoch die Russin Alevtina Nikitina ein. Die schmächtige Frau aus Sankt Petersburg brachte mit ihrem "Bajan", dem russischen Pendant zum Akkordeon, ein wahres Klanggewitter auf die Bühne. Das bewegte sich zwischen bedrohlichen und heroischen Tönen gekonnt hin und her und sorgte am Ende dafür, dass so mancher die Russin nicht mehr von der Bühne lassen wollte.

Für eine gelungene rhythmische Untermalung sorgte auch das schottische Duo Twelfth Day. So wandelten Geigerin Catriona Price und Harfenistin Esther Swift mal auf Solopfaden oder unterstützten Servais Haanen selbst auf seinem Akkordeon. Als am Ende alle sieben Musiker zusammen auf der Bühne standen, war klar, dass das Versprechen von der neuen Sichtweise des Akkordeons eingelöst worden war. "Man glaubt nicht, was für Töne die Musiker diesem Instrument heute entlocken konnten", resümierte Konzertbesucher Martin Bauer.