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Die Männer gehen in die Stichwahl

Die Männer gehen in die Stichwahl

In der Wählergunst lag Sören Meng (SPD) gestern vorne. Dennoch muss er sich mit Tobias Hans (CDU) in zwei Wochen in der Stichwahl messen. Dann bestimmt der Wähler endgültig den künftigen Landrat.

Ein kräftiger Handschlag zwischen Sören Meng und Tobias Hans , dann stehen die beiden zum Gruppenfoto im vollen historischen Sitzungssaal des Landratsamtes bereit. Einen Sieger hat die Urwahl gestern Abend zwar nicht gebracht, aber dafür drei zufriedene Bewerber. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Landratswahl im Kreis Neunkirchen sind 48,3 Prozent der Stimmen auf Sören Meng (SPD ) entfallen, 41,5 Prozent auf Tobias Hans (CDU ) und 10,2 Prozent auf Tina Schöpfer (Grüne). Nur 30,2 Prozent der Wähler gingen an die Urne. Da kein Kandidat die 50 Prozent übersprungen hat, steht nun in zwei Wochen, am Sonntag, 22. November, die Stichwahl zwischen Meng und Hans an.

Im Ottweiler Witwenpalais hatte zuvor der kommissarische Landrat Karlheinz Müller als Wahlleiter am meisten Stress. Während im Raum eifrig Ergebnisse via Smartphone herumgereicht wurden, blieb die Leinwand, vor der sich Müller postiert hatte, leer. Es wollten bis kurz nach 19.30 Uhr einfach keine Ergebnisse einlaufen. CDU-Kandidat Hans war früh im Saal, im blauen Anzug überragte er das Publikum. Stoisch registrierte er erste Meldungen und legte sich früh fest: "Es wird eine Stichwahl geben." Dann endlich ein erstes Ergebnis: Merchweiler. Hans hat dort die Nase vorne. Wahlleiter Müller fragt immer wieder nach weiteren Ergebnissen, aber seine EDV-Leute schütteln den Kopf. "Die IT muss besser werden", witzelt Hans. Gegen 18.40 Uhr kommt Bewegung in die Sache. Ottweiler, Schiffweiler, Spiesen-Elversberg haben ausgezählt und die Ergebnisse eingestellt. Dann kommt Neunkirchen dazu und für den Moment schnuppert der SPD-Kandidat Meng am Wahlsieg. Es wird lauter, die Spannung steigt. Die Grünen-Bewerberin Schöpfer ruft Wahlleiter Müller nach vorne.

Sie steht weit hinten und verfolgt die Szenerie aus sicherer Entfernung. Dabei hat sie allen Grund zur Freude, und ihre zehn Prozent kommentiert sie später so: "Das ist ein super Ergebnis. Bei der Kreistagswahl 2014 hatten die Grünen 4,4 Prozent." Sie sei stolz auf ihr kleines Team, das mit vielen guten Ideen zu dem Erfolg beigetragen habe.

Kurz vor 19 Uhr verkündet Müller: "Eppelborn muss nachgezählt werden." Der Saal brummt und summt - es braucht noch Geduld, während nach den Ergebnissen der anderen sechs Städte und Kommunen Sören Meng bei 50,2 Prozent der Stimmen liegt.

"Wo ist denn Sören?", fragt der Wahlleiter, an diesem Abend wirklich nicht um seinen Job zu beneiden. Doch bevor der auftaucht, steht das Endergebnis: Die CDU-Seite klatscht kräftig - die Stichwahl ist immerhin erreicht. Ihr Kandidat zeigt sich trotz des Vorsprungs, den Meng im ersten Wahlgang eingefahren hat, ausgesprochen zuversichtlich. Er spricht von einem "tollen Ergebnis", gerade unter dem Eindruck der SPD-Hochburg Neunkirchen . Die maue Wahlbeteiligung sei auch Ausdruck der Wähler-Verdrossenheit, da sich die Amtsvorgängerin aus pekuniären Gründen vorzeitig aus dem Amt verabschiedet habe. Dazu ein Mangel an Bürgernähe - das wolle er besser machen, schaltet er in den Wahlkampfmodus. Sein Kontrahent Meng betont die Freude über das "sehr gute Ergebnis". Sein Programm "nah am Menschen" habe gezogen. Seine erste Urwahl sei ein sehr emotionaler Moment. Für die Stichwahl sehe es jetzt gut aus, aber überheblich werde er sicher nicht. Der Wahlkampf geht weiter.

Meinung:
Drei Sieger und Beigeschmack

Von SZ-Redakteur Manfred Krause

Gibt's das? Drei Kandidaten wollen Landrat werden. Keiner schafft's. Und doch fühlen sich alle als Sieger. So sieht die Analyse des gestrigen Urnengangs im Kreis Neunkirchen aus. Klar: Tina Schöpfer, die Bewerberin der Grünen ist jetzt aus dem Rennen; in 14 Tagen wird in jedem Falle ein Mann gewählt. Aber: Schöpfers 10,2 Prozent sind erstaunlich für eine Kandidatin, die vor wenigen Wochen kaum jemand kannte. Sören Meng von der SPD ist gewiss auch zufrieden. 48,3 Prozent der Stimmen bedeuten die klare Favoritenrolle für die "Entscheidungsschlacht" am Totensonntag. Und CDU-Kandidat Tobias Hans hat zwar nicht erreicht, was er als Ziel ausgegeben hat, aber letztlich ein deutlich besseres Ergebnis eingefahren als der christdemokratische Bewerber bei der Landratswahl im Jahr 2010.

Einen bitteren Beigeschmack hat die gestrige Wahl aber doch. Nicht einmal jeder Dritte war bereit, ein Kreuz zu machen. Erschreckend blutarme Demokratie.