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Ausgangsbeschränkung: Die gute Nachricht: Klinik bleibt einsatzbereit

Kostenpflichtiger Inhalt: Ausgangsbeschränkung : Die gute Nachricht: Klinik bleibt einsatzbereit

Es war ein etwas anderer erster Sonntag im kalendarischen Frühling. Die neue Ausgangsbeschränkung funktioniert – dafür gibt es für die Neunkircher Lob von Landrat Sören Meng.

Die Vögel zwitschern. In der aufgehenden Morgensonne leuchten die Blüten von Forsythien und Zierkirsche. Es ist kalt an diesem ersten Sonntag im kalendarischen Frühling. Der Hund schnuppert sich vorwärts – alles wie immer. Zumindest fast. Bei ZF ist der Parkplatz leer. Auch im Pförtnerhäuschen brennt kein Licht. Noch schläft der Ort, kein Auto fährt. Das hat sich auch eine Stunde später kaum geändert. Wo sich sonst um diese Zeit bereits der Sonntagsausflugsverkehr Richtung Autobahnzubringer bewegt, ist: nichts. Wenn man sich denn traute, könnte man mitten auf der Straße anhalten, um das im Bild festzuhalten. So ähnlich war es in den 70ern, als wegen der Ölkrise die autofreien Sonntage verordnet waren. Apropos: Die Tankstelle weist Dumping-Preise aus – merkt nur keiner, weil keiner kommt. Es ist das erste Wochenende der vom saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans verordneten Ausgangsbeschränkungen als Maßnahme zur Eindämmung der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus.

Am Furpacher Weiher, nicht nur bei gutem Wetter beliebter Treffpunkt für Hundegänger, Jogger und Trimmer, hat ein Mann mit schwarzem Labrador den Spazierweg für sich. Von der anderen Seite kommt ein Jogger. Auf dem Pfad im Wäldchen Richtung Koppel spaziert eine ältere Dame – allein, wie das gewünscht wird. Später, Höhe der Lakai, kommt ein Bus. Leer. Niemand steigt hier jetzt aus oder ein. Das Bad ist geschlossen. Ebenso der Zoo. Dort hat das neue Eingangsgebäude bereits große Fortschritte gemacht. Groß verweisen noch die Transparente auf den verlegten Eingang. Der allerdings ist zu, schon seit Mittwoch. Gegenüber strahlt ein buntes Kinderkarussell in der Sonne, erzählt davon, was man hier an der Minigolf-Anlage für einen Spaß haben könnte, wenn alles noch wäre, wie es einmal war.

Einsam wartet auch der Brotwagen am Stadteingang vorm Grill au Bois auf Kundschaft. Niemand unterwegs. Zumindest beinahe. Zaghaft geht eine Frau mit Dackel gegenüber dem Mantes-la-Ville-Platz ins Wagwiesental. Hier mal ein Taxi, da mal ein Bus, ganz selten ein Pkw – fast autofrei ist die Innenstadt. Augenscheinlich halten sie sich dran, die Neunkircher, an die Ausgangsbeschränkungen. Das war nicht von Anfang an so. Wie Polizeiführer vom Dienst Ralf Wagmann auf SZ-Anfrage bestätigt, wurden die Neunkircher Beamten drei Mal in der Nacht zum Sonntag zum Einsatz gerufen. Zwei Mal wurde im Bereich der Innenstadt Geburtstag gefeiert. Im Haus drin und privat – aber auch das darf nicht mehr sein zum Schutz vor Ansteckung. Strafanzeige gab es auch in einem dritten Fall. In der Gustav-Regler-Straße hatten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes mehrfach versucht, eine Gruppe von Personen auf die Beschränkung hinzuweisen. Erst die herbeigerufenen Polizeibeamten konnten den Ernst der Lage klar machen. Trotzdem, so sagt Wagmann, sind die Neunkircher auf dem Weg der Besserung und nicht schlimmer als der Landesdurchschnitt. Landesweit hatte es 22 Einsätze gegeben.

Das Ordnungsamt der Stadt Neunkirchen stellte, wie Pressesprecher Deniz Alavanda gestern auf Anfrage mitteilte, sechs Verstöße nach Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen fest. Unter anderem wurden Ansammlungen in der Bahnhofstraße, am Hüttenberg und in der Langenstrichstraße aufgelöst. Darunter auch die bereits erwähnten Einsätze der Landespolizei. Und auch gestern ging es nicht ganz ohne Einschreiten. Bis kurz nach Mittag waren zwei Belehrungen notwendig: Zum einen befanden sich zwei Sportler auf dem gesperrten Sportplatz in Wellesweiler. Zum anderen ist eine Familie mit zwei Kindern auf dem Spielplatz Wagwiesental der Aufforderung zum Verlassen umgehend nachgekommen. Die Zahlen sind auf jeden Fall rückläufig. So war am Mittwoch noch 25, am Donnerstag 21 und am Freitag 14 Mal das Einschreiten der Ordnungsamts-Mitarbeiter notwendig geworden. Dazu meint Oberbürgermeister Jörg Aumann: „Immer noch zu viele haben offenbar nicht verstanden, worum es geht. Deshalb erscheint ein deutlich schärferes Ansammlungsverbot angemessen und auch notwendig. Wichtig ist, dass die Versorgung der Menschen möglich bleibt, kein Lagerkoller entsteht, aber trotzdem die Infektketten noch stärker durchbrochen werden – daher sind die Regelungen, wie Bayern sie einführt und das Saarland übernommen hat, ein richtiger und guter Weg.“ Wichtig sei ihm zu betonen, dass es kaum Zwischenfälle gegeben habe, einzelne Abweichungen seien die Ausnahme geblieben. „Im Großen und Ganzen lassen sich die Menschen unserer Stadt überzeugen.“ Das Ordnungsamt, für dessen Mitarbeiter Aumann voll des Lobs ist, kontrolliere zusammen mit der Landespolizei kontinuierlich. Es handele sich, so betont der OB, beim Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz nicht um ein Kavaliersdelekt, sondern um eine Straftat.

Landrat Sören Meng hat derweil zu allem anderen noch weitere Sorgen. Die Hiobsbotschaft kam bereits am Samstag aus dem Diakonie-Klinikum in Neunkirchen: Wegen einer Vielzahl Erkrankter beim Pflegepersonal werde die Aufnahme Kranker eingeschränkt, so hieß es. „Ich gehe davon aus, dass das Diakonie-Klinikum einsatzbereit bleibt“, gibt der Landrat gestern auf SZ-Anfrage erst einmal Entwarnung. „Derzeit wird dort die Lage geklärt, das Gesundheitsministerium, unser Kreisgesundheitsamt und der Träger arbeiten vertrauensvoll zusammen.“ Der Krisenstab habe außerdem Kontakt zu Verbindungspersonen der Bundeswehr. „Wir sind hier vernetzt, allerdings wird der Einsatz nicht auf Kreisebene koordiniert. Ich begrüße, dass wir hier landesweit Unterstützung finden.“ Viele Telefonate und Abstimmungen hatten das Wochenende des Kreischefs geprägt. Am Nachmittag war Videokonferenz mit einem Teil des Krisenstabs. „Hier setzten wir auf Onlinemöglichkeiten, die wir auch nach der Krise nutzen sollten.“

Bereits am Freitag hatte die Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung stattgefunden. Die möchte Anfang der Woche mit einer Textmöglichkeit im Landkreis beginnen. Heute gibt es eine letzte Abstimmung. „Derzeit bereitet mein Team die räumlichen Bedingungen in der Seminarsporthalle Ottweiler vor“, so Meng.

Für die Bürger gab es vom Landrat ein dickes Lob, „wie sie mit der neuen Situation umgehen. Ich glaube die allermeistern haben erkannt, wie wichtig Distanz ist, um gesund zu bleiben.“