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Muslimische Bestattungen: Die Frage nach der letzten Ruhe

Muslimische Bestattungen : Die Frage nach der letzten Ruhe

In der Stadt Neunkirchen sind muslimische Bestattungen nicht möglich. Eine Initiative dazu gibt es.

Braucht Neunkirchen ein Angebot für muslimische Bestattungen? Spezielle Grabfelder im Saarland gibt es in Saarbrücken seit 1997 und seit diesem Jahr in Merzig. In Wuppertal entsteht bundesweit gerade der erste muslimische Friedhof. Die SZ hat sich umgehört.

Die Stadt Neunkirchen sieht zurzeit keinen Handlungsbedarf für muslimische Bestattungen. Das teilt die Stadtpressestelle auf SZ-Anfrage mit. Der Leiter des Friedhofsamtes, Andreas Bies, macht es auf Nachfrage konkret: „Anfragen tendieren bei uns gegen null, vielleicht zwei im Jahr.“ In der Stadt leben geschätzt rund 2500 Muslime.

Nihat Güler, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Neunkirchen, sagt: „Es gibt Bedarf und er wird größer.“ Güler ist aktiv geworden. Weniger wegen seinen Gemeindemitgliedern, sagt Güler. Noch hätten die meisten eine Versicherung für die Rückführung im Todesfall in die türkische Heimat. Er denke an die arabischen Flüchtlinge. Ende 2017 habe er die Stadt Neunkirchen angeschrieben, sagt Güler. Zuvor bereits habe er mit Vertretern der Stadt auf dem Zentralfriedhof nach einer geeigneten Fläche geschaut und auch eine gefunden.

Die Türkisch-Islamische Gemeinde in Neunkirchen mit der Yunus Emre-Moschee in der Lisztstraße zählt 175 Familien (gehört zur Ditib - Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, Internet: www.ditib.de). Daneben gibt es die Sunnitische islamische Gemeinde in der Johannesstraße. Diese Moschee-Gemeinde, so ist zu hören, ist für arabische Flüchtlinge schon wegen der Sprache eher die Anlaufstelle.

„Eine Vielzahl der türkischstämmigen Bürger will noch in der alten Heimat bestattet werden. Aber irgendwann, wenn die hierzulande aufgewachsene Kinder- und Enkelgeneration für sich zu entscheiden hat, wird der Wille nach einer Bestattung vor Ort zweifelsohne größer“, sagt der Integrationsbeauftragte der Stadt Neunkirchen, Zeljko Cudina. „Die Flüchtlinge muslimischen Glaubens, die uns zugewiesen worden sind, haben sicher noch andere Probleme: Sie fragen nach ihrem Bleiberecht, nach Integration in den Arbeitsmarkt und Möglichkeiten der Familienzusammenführung. Für sie ist jetzt noch keine vorrangige Frage: Wie sieht es für mich nach dem Tod hier aus? Diese Frage verfestigt sich erfahrungsgemäß erst mit gesicherter Bleibeperspektive. Denn so wie die Geburt zur Integration gehört, gehört auch der Tod dazu.“

Die Friedhofsbegehung von Güler mit Bies und Cudina fand am 13. Oktober 2017 statt. Sie ergab sich aus einer Sitzung des Integrationsbeirates. Dort waren muslimische Bestattungen Thema. „Wir haben eine geeignete Fläche gefunden“, bestätigt Bies. Er habe Güler aber darauf hingewiesen, dass es auf dem Zentralfriedhof keinen Raum für die rituelle Waschung (im Islam religiöse Pflicht) gebe und ihn dafür an den Saarbrücker Hauptfriedhof verwiesen. Das Thema muslimische Bestattung könnte wieder in den Integrationsbeirat kommen. Und in den Stadtrat?

Dort war das Thema bislang nicht konkret, so die Stadtpressestelle auf Nachfrage, verweist aber auf die August-Sitzung 2013. In einem Beschlussauszug heißt es, bei der Friedhofs-Diskussion müsse „man . . . auch andere Bestattungsarten und auch die Besonderheiten anderer Religionsgemeinschaften im Hinblick auf die Bestattungsformen berücksichtigen“.

 Auf dem älteren muslimischen Grabfeld in Saarbrücken findet sich auch ein Richtungsschild nach Mekka.
Auf dem älteren muslimischen Grabfeld in Saarbrücken findet sich auch ein Richtungsschild nach Mekka. Foto: Claudia Emmerich

Zwischen dem Bestattungswesen in Deutschland und in islamisch geprägten Ländern zeigen sich grundsätzliche Kollisionspunkte (siehe „Info“).