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Zu Gast in Neunkirchen
Die Folgen des westlichen Lebensstils

James, Monica, Pauline, Suzy erzählen auf Englisch den Schülern der GGS Neunkirchen einiges über den Klimawandel in ihrer Heimat Kenia.
James, Monica, Pauline, Suzy erzählen auf Englisch den Schülern der GGS Neunkirchen einiges über den Klimawandel in ihrer Heimat Kenia. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Das Hope Theatre Nairobi brachte am Freitag rund 700 Schülern der Ganztags-Gemeinschaftsschule in Neunkirchen die Folgen der globalen Umweltverschmutzung näher.

Da liegen sie, die „Klimaleichen“. Gerade eben waren sie noch fröhlich-unbeschwerte Schüler, die sich spontan bereit erklärten, als Statisten bei der Theateraufführung „Stop Breathing – It Can Damage Your Health“ (Atme nicht, es könnte deine Gesundheit gefährden) mitzuwirken. Jetzt steigen dunkelhäutige junge Frauen und Männer mit Mundschutz über die leblosen Körper der „erstickten“ Mädchen und Jungen. So absurd-fiktiv das in Mitteleuropa wirkt - in der Heimat der Ensemblemitglieder, die in kenianischen Slums leben, ist so ein Szenario dagegen nicht unrealistisch.


Klimawandel, Umweltzerstörung, grenzenloser Konsum – viele Fakten und Botschaften hat das Hope Theatre Nairobi in sein neues Stück gepackt, das am Freitag an der Schule Haspelstraße in einem wahren Spiel-Marathon gleich drei Mal aufgeführt wurde. Schulleiter Clemens Wilhelm freute sich, dass die Fairtrade-Initiative Saarbrücken/Saarland die Gruppe nach Neunkirchen geholt hatte. „Das Ganze hat einen politischen Hintergrund“, erklärte er den Schülern in seiner Begrüßung. Gibt es doch Millionen Menschen auf dem Globus, denen es „viel viel schlechter geht als uns“ – wegen uns!

Leichte Kost war das nicht. Zum Auftakt beschrieben die Darsteller, in der Aula zwischen den jungen Zuschauern verteilt, welche Unterschiede sie zwischen Kenia und Deutschland wahrnehmen. Hier ist es sauber, gibt es einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, trennt man Müll. Wenig oder nichts davon hat ihre Heimatstadt Nairobi zu bieten, dafür Müllberge und Smog. „Ich sehe in Deutschland viele Menschen rauchen. Das braucht man bei uns nicht. Da machst du nur das Fenster auf und schon bist du high von den ganzen Abgasen“, stellt einer der Protagonisten fest. Interessant auch die anderen Blickwinkel, etwa auf die vielen riesigen Kirchen hierzulande, in die fast niemand mehr zum Gottesdienst geht.



Kuriose Züge trägt die szenisch gespielte Geschichte, bei der ein arbeitslos gewordener Bergmann aus Deutschland in Kenia Arbeit sucht – weil unsere Umweltstandards beim Verbrennen von Kohle dort keine Rolle spielen. Um die Situation in der sogenannten dritten Welt zu verdeutlichen, malte Regisseur Stephan Bruckmeier ein anschauliches Bild: „Stellt euch vor, ihr geht aufs Klo, spült aber nie ab. Irgendwann läuft die Scheiße über.“ In seiner Metapher haben die Fäkalien bereits das Wohnzimmer erreicht. Soll heißen: „Noch stehen wir nicht bis zum Hals drin, aber das ist nur eine Frage der Zeit.“

Ursächlich dafür ist unser westlicher Lebensstil mit billiger Wegwerfmode, ständig neuen Handys und einer Flut von Verpackungsmüll, der weltweit zu sozialen und ökologischen Problemen führt. Es liegt an jedem einzelnen, sich anders zu verhalten, betonte Bruckmeier, und beim eigenen Konsumverhalten auf die Schonung der Ressourcen zu achten. Was ja hier an der Ganztagsgemeinschaftsschule kein neues Thema ist.

Dank ihrer vielfältigen Initiativen wird die Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen am kommenden Mittwoch als Fair-Trade-Schule ausgezeichnet. Denn Resignieren angesichts der drohenden Umweltkatastrophen wäre der falsche Weg. Das verdeutlichten auch die Schauspieler, die mit kraftvollen traditionellen Tänzen zeigten, dass es sich lohnt, für den Erhalt der Welt zu kämpfen. Die elektrisierende Mischung aus Mahnung und Hoffnung kam bestens an. „Wir wollen aufrütteln“, hatte Stephan Bruckmeier zu Beginn gesagt. „Wir haben nur diese eine Luft.“

 Das Hope Theater Nairobi beim Tanzen und Singen auf der Bühne der Schulaula.
 Das Hope Theater Nairobi beim Tanzen und Singen auf der Bühne der Schulaula. FOTO: Jörg Jacobi