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"Die Energiewende muss bezahlt werden"

"Die Energiewende muss bezahlt werden"

Neunkirchen. "Wir wollen die Energiewende, aber das kostet Geld" - Werner Spaniol, Vorstand der Neunkircher Kommunalen Energie- und Wasserversorgung AG (KEW), sieht keinen Anhaltspunkt, dass die Strompreis-Kurve auf lange Sicht noch einmal nach unten geht. Im öffentlichen Fokus steht aktuell die steigende Umlage für Erneuerbare Energien

Neunkirchen. "Wir wollen die Energiewende, aber das kostet Geld" - Werner Spaniol, Vorstand der Neunkircher Kommunalen Energie- und Wasserversorgung AG (KEW), sieht keinen Anhaltspunkt, dass die Strompreis-Kurve auf lange Sicht noch einmal nach unten geht. Im öffentlichen Fokus steht aktuell die steigende Umlage für Erneuerbare Energien. Sie ist aber nur der größte Brocken einer wachsenden Zahl von Umlagen, die den Strompreis nach oben treibt - dazu gehören auch Aufschläge für die Entlastung energieintensiver Industriebetriebe, für die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung und für Offshore-Windparks. Und für 2013 erwartet Experte Spaniol eine weitere: die System-Stabilitäts-Umlage. Diese solle Kosten für konventionelle Kraftwerke absichern, die zwar zunehmend weniger Strom produzieren, aber als Reserve vorgehalten werden müssten."Wir sind Inkasso-Büro für den Staat!", sagt Spaniol angesichts der Tatsache, dass die Umlagen zusammen mit Mehrwert- und Ökosteuer sowie Konzessionsabgabe ab 2013 schon knapp über 50 Prozent des Strompreises ausmachen. Berücksichtigt man, dass weitere gut 25 Prozent an die Netzbetreiber für die Durchleitung des Stroms abzuführen sind, hat die KEW mit ihrer Einkaufspolitik und mit ihrem Betriebsmanagement Einfluss auf gerade mal ein Viertel des Gesamtpreises.

Wenn der Staat nun zum 1. Januar an der Preisschraube dreht, müsse der Neunkircher Energieversorger im Interesse einer "seriösen und nachhaltigen Preispolitik auf lange Sicht" reagieren, so Spaniol und KEW-Vertriebschef Marcel Dubois im Gespräch mit der SZ. Damit fahre man allemal besser, als Effekthaschereien überregionaler Anbieter nachzuahmen.

Nachdem der Strompreis der KEW zwei Jahre stabil war, werden ab Jahresbeginn die staatlichen Erhöhungen eingerechnet - die aktuellen und die zum Jahresbeginn 2012, die vorerst nicht weitergegeben worden waren. Das bedeutet für die etwa 50 000 KEW-Privatkunden in Neunkirchen, Schiffweiler und Spiesen-Elversberg: Die Kilowattstunde (kWh) wird exakt 3,12 Cent (brutto) teurer. Das bedeutet, ein Haushalt, der beispielsweise 3000 kWh jährlich verbraucht, muss dafür 93,60 Euro mehr als bisher aufbringen. Die Preise blieben dann bis Ende 2013 konstant, versichert die KEW.

Trotz des Anstiegs sieht Spaniol die Rolle der KEW als Preis-Musterknabe unter den saarländischen Stromversorgern nicht gefährdet: "Ich wette die beste Flasche Rotwein in meinem Keller, dass wir auch nach der Preisrunde 2013 noch die günstigsten im Land sind!" Dem zugrunde liege ein gutes Händchen beim Stromeinkauf, ein effektives Kosten-Handling im eigenen Haus und keine übertriebene Gewinn-Kalkulation - "Wir sind Gemeinwohl orientiert und müssen keine Gewinnmaximierung erzielen." Und, das führt Spaniol gerne an, mit der Stärkung der KEW bleibe die "Wertschöpfung" (Arbeitsplätze, Aufträge an Firmen) in der Region.