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Die Corona-Krise stellt viele kleine Fußballclubs vor große finanzielle Herausforderungen

Finanzielle Not : „Die Stimmung ist schon etwas gedrückt“

Die Corona-Krise stellt viele kleine Fußballclubs vor große finanzielle Herausforderungen. Auch den SC Ludwigsthal.

Die Coronavirus-Krise sorgt bei vielen Menschen für Verunsicherung – und bei Fußballvereinen der Region für finanzielle Nachteile. Die meisten Klubs stehen vor großen wirtschaftlichen Herauforderungen. Ein Beispiel sind die Sportfreunde (SF) Walsheim aus der Landesliga Ost. „Unser Sportheim wird in Eigenregie geführt. Einmal im Monat wird ein neuer Plan erstellt, sobald wir wissen, welche Heimspiele bei uns stattfinden. Dies betrifft teilweise auch Jugendmannschaften, die witterungsbedingt ausweichen und bei denen wir eigentlich als SF Walsheim nicht federführend sind“, sagt der Walsheimer Vorsitzende Pirmin Langenbahn.

Seit Freitag, 13. März, herrscht auf dem Vereinsgelände Totenstille. „Wir hatten abends noch Training. Von der Gemeinde kam dann die Anweisung, bis zum 26. April alles zuzumachen“, blickt der Vorsitzende zurück. Bei jedem Heimspiel der Aktiven seien einige Euro hängengeblieben, auch unter der Woche war der Umsatz im Sportheim gut. Es gibt Kosten, die der Verein nun einsparen kann, beispielsweise die Heizung aufgrund der steigenden Außentemperaturen. Auch das Flutlicht, das einen Großteil der bisherigen Stromkosten verursacht hätte, muss nun nicht mehr eingeschaltet werden. Über mögliche Einsparungen in Sachen Trainergehalt würden in Walsheim zeitnah Gespräche aufgenommen.

„Es gibt aber auch die Kehrseite der Medaille. Gerade, weil es mit den Einnahmen im Sportheim so gut lief, hatten wir uns dazu entschieden, Auswechselkabinen für 3400 Euro zu kaufen. Dieses Geld müssen wir jetzt erst einmal erwirtschaften“, betont Langenbahn. Er ergänzt: „Die Fußball-EM wurde verschoben. Normalerweise hätten wir Spiele im Brauereikeller gezeigt. Auch da gehen uns viele Einnahmen verloren.“ Für Donnerstag, 21. Mai, war in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr die Vatertagswanderung geplant. Nun muss befürchtet werden, dass auch diese beliebte Veranstaltung ausfällt. „Wir hatten in den vergangenen Jahren hier unter anderem mit dem Kunstrasenplatzbau und den Maßnahmen am Sportheim viele Kosten. Zum Glück wirft unsere Photovoltaikanlage gute Erlöse ab. Dennoch werden wir aufgrund der aktuellen Einnahmesituation beim LSVS den möglichen Zuschussantrag einreichen“, sagt Langenbahn. Die Mitgliedsbeiträge 2020 würden ganz normal eingezogen. Der Vorsitzende glaubt nicht an Vereinsaustritte. Dennoch sei die Stimmung derzeit „schon etwas gedrückt.“ Auch weil das geschlossene Sportheim im Dorf ein beliebter Anziehungspunkt für sämtliche Generationen war.

Beim SV Bexbach aus der Kreisliga A Saarpfalz hat es zum 1. April einen Pächterwechsel im Sportheim gegeben – derzeit ist ebenfalls alles geschlossen. Dem Verein fehlen dadurch wichtige Getränkeeinnahmen, die über den Club laufen. „Klar, auch wir müssen jetzt schauen, wie es weitergeht. Kosten gibt es ja genügend. Wir haben bereits mit den Stadtwerken und auch mit der Kreissparkasse aufgrund eines kleinen, laufenden Darlehens gesprochen. Und natürlich hoffen wir auch auf Geld aus dem LSVS-Topf“, meint der Bexbacher Geschäftsführer Joachim Horzella. Unter anderem müsse auch der Naturrasenplatz weiter gepflegt werden. Zumindest spüle der „Heidereport“, die Vereinszeitung des Clubs noch ein wenig Geld in die Kassen. So auch die Mitgliedsbeiträge die gerade rückwirkend bis Ende März eingezogen worden seien.

Auch beim SC Ludwigsthal, dessen erste Mannschaft in der Bezirksliga Neunkirchen spielt, ist das Vereinsleben zum Erliegen gekommen. Das in Eigenregie bewirtschaftete Sportheim ist genau wie der an Heimspieltagen am Rasenplatz genutzte Imbisswagen geschlossen. „Zum Glück gibt es bei uns bezüglich des Kredits für den Platzneubau einen Förderkreis. Ansonsten leben wir momentan von unseren Mitgliedsbeiträgen und Rücklagen. Derzeit müssen wir beim LSVS noch keinen Hilfsantrag stellen“, erklärt Ludwigsthals Vorsitzender Michael Müller. Die Mitglieder würden auch in diesen schweren Zeiten dem SCL die Treue halten.

Auch wenn das einsame Banner vor dem Waldstadion anderes verheißt: Auch beim SC Ludwigsthal ist das Vereinsleben zum Erliegen gekommen. Foto: Stefan Holzhauser

Vom 17. bis 19. Juli soll das 100-jährige Vereinsbestehen gefeiert werden. „Wir sind auch Ausrichter der Neunkircher Stadtmeisterschaften. Ob unser großes Fest überhaupt über die Bühne gehen kann, steht noch nicht fest. Eventuell müssen wir alles auf 2021 verlegen. Noch haben wir ja etwas Zeit, das endgültig zu entscheiden“, hofft Müller, das sich die Situation in den kommenden Monaten bessert.