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Bomben-Entschärfung Neunkirchen
Die Bombe sollte rasch entschärft sein

Dieses Gebiet wird am Sonntag zur Entschärfung einer Weltkriegs-Bombe geräumt.
Dieses Gebiet wird am Sonntag zur Entschärfung einer Weltkriegs-Bombe geräumt. FOTO: SZ Infografik/ Stadt Neunkirchen / SZ Infografik
Neunkirchen. Wenn am Sonntag die Fliegerbombe an der Baustelle Bliesterrassen entschärft wird, kommt es auf jeden Einzelnen an. Von Elke Jacobi

Dirk Otterbein wirkt ganz entspannt. Der Leiter des Landespolizeipräsidiums 125 -  Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) entschärft schließlich nicht zum ersten Mal eine Bombe. So 100 bis 200 werden es bislang schon gewesen sein, verrät er auf SZ-Anfrage beim Pressegespräch vorm großen Entschärfungstag. Die genaue Zahl kennt er gar nicht. Aber eines weiß er sicher: Dieses ist nicht die gefährlichste und komplizierteste Bombe, die er bislang entschärft hat. Die amerikanische 50-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die während der Bauarbeiten an den Bliesterrassen entdeckt wurde, wird beim Entschärfen am Sonntag allerdings ein kleines Problem mit sich bringen.  Im Gegensatz zu den sonst üblichen ihrer Art hat sie nur einen einfachen Aufschlagzünder — und der hat eine zum Teil abgerissene Kappe. Das muss man sichern, dann erst kann der Zünder raus. „Wenn es gut läuft, ist das in einer Stunde geschafft“, sagt Otterbein. Insgesamt rechnet man zurzeit beim Krisenstab mit 13 Uhr - im allergünstigsten Fall. „Das bedeutet aber, dass wirklich alle mitspielen“, sagt der Einsatzleiter, Bürgermeister Jörg Aumann. Was im Klartext bedeutet: Alle, die im 300-Meter-Radius wohnen, müssen bis 7 Uhr außerhalb dieses Radius’ sein. Wer nicht bei Verwandten unterkommt, der kann in die Gebläsehalle, die NVG-Halle oder die Sporthalle Wellesweiler, wo es auch Imbiss und Getränke gibt. Wer Lust hat, der kann ab 7.15 Uhr in den Zoo. „Wir hoffen, dass die Anwohner am Sonntag rechtzeitig vor 7 Uhr das Gefahrengebiet verlassen und die Evakuierung reibungslos funktioniert“, wünscht sich auch Oberbürgermeister Jürgen Fried.


Rund 500 Helfer werden am Sonntag im Einsatz sein. Sie sind  auf die verschiedenste Art involviert, überwiegend Mitarbeiter des Rathauses, aber auch viele ehrenamtliche Helfer der verschiedenen Hilfsdienste. „Für uns alle gilt natürlich: Wir sind schon vor 7 Uhr und dann auch noch nach der Entwarnung zu Gange“, sagt Aumann. Schlag 7 Uhr werden die Männer des Zentralen Betriebshofes die Barrieren dicht machen. Dann ist das Gebiet im 300-Meter-Radius abgesperrt. Wer alles davon betroffen ist, darüber wurden die rund 2500 Anwohner in 1675 Haushalten via Flugblatt, Aushänge, Anzeigen informiert. Am Donnerstag wurden die Flugblätter auf Arabisch, Bulgarisch, Rumänisch, Italienisch und Englisch verteilt. „Seit zehn bis zwölf Tagen beschäftige ich mich nur noch mit der Bombe“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Holger Janes. Da es sich bei der Entschärfung der Bombe weder um eine Katastrophe noch ein Großschadensereignis handelt, ist die Kreisstadt alleine verantwortlich. „Da kommt einiges an Kosten auf uns zu“, weiß Aumann. Die genaue Höhe wird man erst hinterher wissen. Auch das hängt davon ab, wie schnell und wie problemlos alles läuft. 30 Doppelteams prüfen, ob die Wohnungen leer sind, rufen schlimmstenfalls die Polizei. Die Teams geben dann Entwarnung an den jeweiligen Leiter eines der sechs Bezirke, in die das Gebiet eingeteilt wurde. Die melden sich im Rathaus, in dem die Einsatzleitung sitzt. Dorthin kommen auch Otterbein und sein Kollege und holen sich das Okay ab.

Das Evakuierungsgebiet für die Bomben-Entschärfung FOTO:

25 Kilo Sprengstoff sind in der Bombe - danach berechnet sich auch der Evakuierungsradius. Im Falle einer unkontrollierten Detonation flögen Splitter bis 1000 Meter weit. Kann aber nicht passieren. „Die Bombe reagiert im Gegensatz zu den chemischen Bomben der Briten nicht auf Bewegung. Da könnte ein Panzer vorbeifahren.“ Kann die Bombe nicht entschärft werden, muss kontrolliert gesprengt werden. Auch dazu ist alles vorbereitet. Wie auch immer: Danach wird die Bombe erst mal im Munitionsdepot gelagert, später dann kommt sie mit anderen zur Entsorgung in einen Zerlegebetrieb in der Lüneburger Heide. „Jedes Jahr bringen wir da etwa acht Tonnen hin“, sagt Otterbein. Sobald die Bombe zum Abtransport bereit, also entschärft ist, wird es Entwarnung geben. Das geschieht über Lautsprecher und über Helfer.

Auf ihrer Online-Seite und über Facebook wird die Saarbrücker Zeitung ab dem Beginn der Evakuierung live informieren: www.saarbruecker-zeitung.de, www.facebook.com/saarbrueckerzeitung.nk