Die Bliesterrassen wachsen weiter

Hochwasser, Regentage, Wetterkapriolen – all das hat nur zu geringen Verzögerungen beim Bau der Bliesterrassen geführt. Der verantwortliche Planer hat in der Redaktion unter anderem erklärt, warum sie hochwassersicher sind.

Die Neunkircher Bliesterrassen wachsen und gedeihen. Das Ende des ersten Bauabschnitts ist in greifbare Nähe gerückt. Daran haben auch die zahlreichen Hochwasserereignisse des Jahres nichts geändert. Luca Kist, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner , hat mit seinem Büro Dutt & Kist die Anlage geplant und betreut die Umsetzung. Im Redaktionsgespräch hat er vom Stand der Dinge erzählt. "Es gab bislang sechs Hochwasserereignisse", bestätigt Kist. Keines davon habe, wie er betont, irgendeinen Schaden angerichtet. Hochwasserschutz und die Einhaltung von Vorgaben aus der sogenannten Wasserrahmenrichtlinie seien bei der Planung oberstes Gebot gewesen, sagt Kist. Diese Richtlinie sehe vor, dass bei einem Eingriff in ein Fließgewässer in jedem Fall eine Verbesserung für Gewässer und Hochwasserschutz herbeizuführen ist. "Immer wieder haben wir mit Computersimulationen den Hochwasserquerschnitt eines 100-jährigen Regenereignisses durch den überplanten Bereich geschickt", beschreibt Kist den Planungsaufwand. Dabei habe sich herausgestellt, dass man mit jetziger Planung deutliche Verbesserungen im Vergleich zur Bestandssituation erreichen kann. Laut Kist gibt es dann mehr sogenannten Retentionsraum - Flächen, in die Hochwasser vordringen kann - und einen höheren Durchflussquerschnitt. "Die Planungen und Genehmigungen haben zwei Jahre gedauert", erinnert er sich.

Mittlerweile ist der erste Bauabschnitt fast fertig. "Rund zehn Tage Verzug gibt es wegen der wetterbedingten Ausfalltage." Mit der Fertigstellung der Anlage am Nordufer zwischen Lübbener Platz und Willi-Brandt-Brücke sei also Mitte Oktober zu rechnen. "Die Bäume sind da und werden im August gepflanzt." Der schwarze Asphaltweg erhält einen harzgebundenen hellen Kalksplitt-Belag , Treppen und Sitzstufenanlagen werden fertiggestellt. Die Betonkappe der Spundwand soll mit besonders beständigem Baustahl in Rostoptik (Corten) verkleidet werden. "Eine Erinnerung an die Neunkircher Stahl-Vergangenheit", sagt der Neunkircher Planer.

Hochwasser- und erosionssicher ist das Bauwerk durch mehrere Maßnahmen. Allein das Eigengewicht der Blockstufen von rund 2,5 Tonnen pro Stück sorge für eine gewisse Stabilität. Zusätzlich seien sie fest einbetoniert. "Die Treppenstufen sind mit der Unterkonstruktion verschraubt oder mit der Betonfundament fest verbunden", erklärt Kist. Außerdem habe man große Wasserbausteine mit 0,8 bis 1,2 Metern Kantenlänge verplant, um im Randbereich die Uferböschungen gegen die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu schützen. Der Fußweg liegt in einer Betonklammer, die verhindert, dass der Belag unterspült wird.

Auch an die Reinigung nach Hochwasser haben die Planer gedacht. Mehrere geplante Zapfstellen garantieren nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts dem Bauhof eine unkomplizierte Frischwasserversorgung zum Abspülen von Sedimentresten. Zusätzlich werden die ohnehin recht schmutzresistenten Steine imprägniert, um sie noch einfacher sauber halten zu können.

Der zweite Bauabschnitt ist für das nächste Jahr am Südufer geplant. Am Busbahnhof soll eine Zwischenebene entstehen; dazu am Wasser die Bliesbühne. Rund 2,9 Millionen Euro werden dafür kalkuliert. Die Maßnahme wird im Rahmen des Kommunalinvestitionsförderungsgesetz gefördert. Damit reduziert sich der Eigenanteil der Stadt auf zehn Prozent der Summe.

"Die beiden Bauabschnitte präsentieren die Blies als Hauptdarsteller", sagt Kist. Anschließend sei es natürlich wünschenswert, dass der Bereich des Nordufers über eine Weiterführung der Wege auch für Rollstühle, Kinderwagen und Radfahrer erschlossen werde. Zunächst wird es einen Zugang nur über die Treppenanlagen geben.

Die großen Blockstufe können nur mit dem Bagger bewegt werden. Hier wird gerade eine angehoben.

Um den "Bereich möglichst schnell mit den Menschen zu besetzen, für die diese Anlage gedacht ist", soll es einen hochwertigen, saisonal betriebenen Verkaufspavillon, das "Bliestro", auf der Nordseite geben. "Dann kann man sich schon etwas zu trinken oder einen Snack holen und die Arbeiten am Südufer verfolgen." Wenn dort alles fertig ist, soll der Bereich vor allem auch Kinder anziehen. Wie genau, das wird noch nicht verraten.