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Der saarländische Autor Jan Hemmer war Gast in Neunkirchen

Lesung in Neunkirchen : Ein artistisches Spiel mit der Sprache

Der saarländische Autor Jan Hemmer präsentierte sich in Neunkirchen als Beobachter des Alltags.

Zu einem literarischen Leckerbissen hatten am Dienstag im Rahmen ihrer gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Neunkircher Vorlesungen“ die VHS Neunkirchen und der Rotary-Club in die Stummsche Reithalle geladen. Der saarländische Autor Jan Hemmer las aus seinem Gedichtband „Lyrische Definitionen – Die Wahrheit auf den Versen“. Auf den ersten Blick befremdet der Titel „Lyrische Definitionen“. Lyrik und Definitionen, wie passt das überhaupt zusammen? Das sind doch zwei unterschiedliche Welten – emotionale Subjektivität auf der einen und objektive Verstandeskühle auf der anderen Seite. Die Sprache der Lyrik ist schwungvoll und metaphorisch, eine Definition dagegen geprägt von eindeutigen und pragmatischen Formulierungen.

Jan Hemmer ist es in seinen Gedichten gelungen, diesen Zwiespalt zu überwinden und die beiden gegensätzlichen Elemente zu verbinden, ohne deren jeweiligen Grundcharakter zu brechen. 60 Begriffe aus den Themenkreisen Politik und Gesellschaft, Existenz und Kulinarik, Verhalten und soziale Interaktion, zum Beispiel „Mensch“, „Social Media“, „Pflege“, „Sommer“, „Wein“, „Freude“, hat er zusammengestellt und dabei ihre Bedeutung demaskiert und sprachlich neugefasst.

Seine Lyrischen Definitionen versteht Hemmer, wie er nach der Veranstaltung gegenüber der SZ erklärte, als ein sprachartistisches Spiel mit Semantik und Wortbedeutung über und zwischen den Textgattungen. „Meine Absicht ist es“, führte Hemmer aus, „der Welt semantische Fingerabdrücke abzunehmen, gewissermaßen einen literarischen DNA-Abgleich mit den herrschenden Realitäten vorzunehmen, literarische Spurensicherung zu betreiben, in das Kerngehäuse der Phänomene vorzudringen. Lyrische Definitionen sind gewissermaßen das Ergebnis molekularphilosophischer Überlegungen. Es sind definitorische Momentaufnahmen. Ähnlich wie bei der Fotografie wird durch eine Reihe von Perspektiven ein Bild erzeugt, das in einem Stück gesehen wird.“ Beim Publikum fanden Hemmers Gedichte Anklang. Suzanne Gebhardt aus St. Ingbert äußerte, es habe Spaß gemacht, die Gedichte zu hören. „Sie sind spannend, kurzweilig, spöttisch, sarkastisch und manchmal auch traurig – wie zum Beispiel die Definitionen „Pflege“ und „Demenz“. Die Themen der Gedichte, so Andre Woll aus Schiffweiler, würden zeigen, dass der Autor ein Mensch sei, der mit offenen Augen durch die Welt gehe und die Dinge und Geschehnisse, die ihn umgeben, genau beobachte und analysiere. Es habe sich gelohnt, die Lesung zu besuchen.

Jan Hemmer ist 1975 in Saarbrücken geboren, aufgewachsen in Sulzbach und wohnt heute in Göttelborn. Er studierte Germanistik, Politik- und Erziehungswissenschaft und arbeitet als Lehrer im saarländischen Schul- und Hochschuldienst. Sein Gedichtband ist im Saarbrücker Bestverlag erschienen und in Sachen Lyrik Hemmers Erstlingswerk. Unterstützt werden seine Definitionen durch Illustrationen von Celina Grzenda, einer ehemaligen Schülerin Hemmers.