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Der Musiker Amby Schillo wird heute 70 Jahre alt

Geburtstag : Ein musikalischer Tausendsassa

Der Neunkircher Musiker Amby Schillo wird heute 70 Jahre alt. Oder jung? Seit 40 Jahren schreibt er Neunkircher Musikgeschichte.

Da sitzt er erhöht auf der Bühne und spielt Cello – so ergreifend schön, Gott gleich. Beim Stück „Jedermann“ des Musical-Projektes Neunkirchen ist Amby Schillo genau das: Gott. Und fast könnte man das symbolisch sehen wollen: Amby Schillo als der Musikgott Neunkirchens. Denn – und das ist unbestritten – die Neunkircher Musikszene ohne Amby Schillo? Kaum vorstellbar. Heute wird der Vollblut-Musiker sage und schreibe 70 Jahre alt und ist trotz aller Erfolge meilenweit davon entfernt, auf einem Sockel stehen oder sitzen oder was auch immer zu wollen, es sei denn die Choreografie verlangt es.

Joachim „Amby“ Schillo ist Neunkircher. Schon immer gewesen. Wie er zur Musik kam, das weiß er noch genau. Als er zwölf Jahre alt war und seinen Vater Gitarre spielen sah, war ihm klar: Musik ist das, was er machen will. Trotzdem bleibt es erst einmal beim Hobby. Schillo macht nach der Schule eine Lehre als Dekorateur und Plakatmaler. In einem Porträt der Neunkircher Stadtnachrichten von vor zwei Jahren nennt er die Malerei als eine seiner Leidenschaften. Hätte es mit der Musik nicht geklappt, dann hätte die Malerei eine Option für ihn sein können, so sagte er damals. Doch es hat geklappt. Schon früh hat sich Schillo in verschiedenen Bands engagiert. In den 60er und 70er Jahren tourte er unter anderem gar durch Amerika. Autodidaktisch brachte er sich das Percussion-Spiel bei, heute beherrscht er längst alle Percussion-Instrumente. Auch E-Bass hat er spielen gelernt und – siehe oben – Cello.

 Dieser Schnappschuss entstand im Treppenhaus des ehemaligen evangelischen Gemeindehauses in Neunkirchen. Sunset Supersession vorm Abschiedskonzert vor 40 Jahren: Mitte stehend Amby Schillo, außerdem Peter Spengler, Günter Klingel und Uwe Pulvermüller.
Dieser Schnappschuss entstand im Treppenhaus des ehemaligen evangelischen Gemeindehauses in Neunkirchen. Sunset Supersession vorm Abschiedskonzert vor 40 Jahren: Mitte stehend Amby Schillo, außerdem Peter Spengler, Günter Klingel und Uwe Pulvermüller. Foto: sunset

Kaum eine Neunkircher Band, kaum eine Musik-Gruppe, in der Amby Schillo nicht mitwirkt. Gerade hat er mit seinem Quartett Ambyancen in der Kettenfabrik in St. Arnual gejazzt, hat mit dem Trio InMitten in der Stummschen Reithalle (auch) mit eigenen Stücken, zusammen mit Francesco Cottone und dessen frisch gebackener Ehefrau Hannah eine viel beachtete Premiere gefeiert. Ob in der Joy-Flemming-Band, im Pandemonium-Orchester oder in der bekannten Gruppe Marx Rootschilt und Tillermann, die Liste seiner Auftritte ist lang. Wer im Archiv wühlt, der wird schnell fündig: Ein Foto aus dem Jahr 1994, lange Haare, weißer Glitzeranzug – Abschiedskonzert mit Sunset Supersession. Oder drei Jahre später erstmals zusammen mit Nino Deda, der einige Jahre zuvor aus Albanien nach Neunkirchen gekommen war. Mit Weggefährte Ro Gebhardt hat er 2015 das 35-jährige Bühnenjubiläum gefeiert. Ob musikalische Früherziehung in der Bachschule oder ein Musikprojekt mit Syrern – Amby Schillo, übrigens verheiratet, ein Sohn,  zwei Töchter, verbindet die Leidenschaft für die Musik gerne mit sozialem Engagement. Aufs Schönste vereint zeigt sich dies in seiner Arbeit fürs Musical-Projekt Neunkirchen. Hier gehört er seit 2003 zum Stab, komponiert und spielt selbst mit. Und hält sich auch hier gerne im Hintergrund, dieser trotz aller Erfolge immer so bescheiden wirkende Musiker. Geschuldet mag dies einer weiteren Leidenschaft des 70-Jährigen sein: der Anthroposophie, der Lehre von der Weisheit des Menschen. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Schillo intensiv damit, hat etwas davon auch eingebracht damals ins Musical „Steam“. Ein spiritueller, ein ruhiger, ein besonnener Mensch ist er, und einer der vielseitigsten Musiker des Saarlandes: Joachim „Amby“ Schillo, dem die 70 keiner so wirklich glaubt.