Der "Musentempel" nimmt Gestalt an

Der "Musentempel" nimmt Gestalt an

Neunkirchen. "Alles bestens im Zeitplan", versichern Oberbürgermeister Jürgen Fried und der städtische Bauleiter Hans-Joachim Heintz. In der Tat zeichnet sich das Innenleben der "Theater- und Eventhalle" deutlich ab. Dass die mit viel Aufwand umgebaute Gebläsehalle auch und gerade eine Theaterstätte und nicht nur ein "Event-Tempel" sein wird, betont der OB

Neunkirchen. "Alles bestens im Zeitplan", versichern Oberbürgermeister Jürgen Fried und der städtische Bauleiter Hans-Joachim Heintz. In der Tat zeichnet sich das Innenleben der "Theater- und Eventhalle" deutlich ab.Dass die mit viel Aufwand umgebaute Gebläsehalle auch und gerade eine Theaterstätte und nicht nur ein "Event-Tempel" sein wird, betont der OB. Wobei ein griffiger Name für die Veranstaltungshalle noch einer zündenden Idee harrt. Die SZ hat jetzt in Augenschein genommen, in welchem Ausbaustand sich das Industriedenkmal derzeit präsentiert, das die Baufirma OBG als Generalunternehmer errichtet und das am 29. November in seiner neuen Funktion eingeweiht werden soll.

Der Theatercharakter wird auch durch die Möglichkeit betont, die Sitzreihen - für sie sind neue schwarze Sessel bestellt - aufsteigend zu gestalten. Flexibel, je nach benötigter Kapazität. Voll bestuhlt kann die 700 Quadratmeter große Halle 1000 Zuschauer aufnehmen, bei "Steh-Ereignissen" fasst sie glatt das Doppelte. Die Besucher werden auf einer kunststoffbeschichteten 20 Zentimeter dicken Betonplatte stehen, unter der sich weitere 20 Zentimeter Wärmedämmung befinden. Eine Fußbodenheizung wurde nicht eingeplant, was wohl eine lange Aufwärmzeit innerhalb der alten denkmalgeschützten Backsteinfassaden bedeutet. Sie erfolgt über wuchtige silberne Fernwärmerohre, die bereits unter Decke installiert sind und die auch die Zu- und Abluft regeln. Die Lüftungszentrale befindet sich auf dem komplett fertig gestellten Dach.

Gewöhnungsbedürftig ist die milchigweiße Polykarbonatverkleidung an der Außenfassade und im Innenraum, die als Schall- und Wärmeschutz dient. Dort nimmt sie an drei Wänden etwa zwei Drittel der mehr als sechs Meter Höhe ein, das untere Drittel besteht aus Glaswänden. Zur Abdunkelung können diese Flächen später mit bordeauxroten Vorhängen bedeckt werden.

Ein etwas stiefmütterliches Dasein führt im Nebenraum die wuchtige Gasgebläsemaschine, die der Halle ihren Namen gab. Auf der rechten Seite, wo sich zuvor eine Discothek befand, entsteht das rund 400 Quadratmeter große Foyer mit Garderobe sowie Essen- und Getränkeausgabe. Dort können auch kleinere Veranstaltungen mit 100 bis 200 Personen stattfinden.

Einer der wichtigsten Bestandteile, die Bühne, entsteht derzeit im neuen Anbau zum Hüttenpark hin. 90 Zentimeter hoch wird die Aktionsfläche sein, sie kann bei Bedarf auf 1,10 Meter hochgefahren werden. Ein Brandschutzvorhang wird sie im Falle eines Feuers automatisch abriegeln.

Im nüchtern-funktionalen Anbau, der die historische rückwärtige Fassade zudeckt, befinden sich in der unteren Ebene Technikräume. Oben finden Garderoben und Umkleideräume, sanitäre Anlagen und Büros ihren Platz. Ferner ein "Künstlerfoyer", ein Regieraum mit Blick auf die Bühne und der Zugang zur bereits installierten Beleuchtungsbrücke.

"So eine Halle zu bauen mit einem derartigen Etat, ist beachtlich", lobt Verwaltungschef Fried das künftige Kulturzentrum Neunkirchens. Wenngleich die lange propagierte Investitionssumme von knapp 6,3 Millionen Euro nicht ganz zu halten sein wird. Brandschutzauflagen - nachträglich gefordert wurde ein Sprinklerturm, der die ständige Wasserversorgung für die Sprinkleranlage sicherstellt - oder die Entscheidung für eine Vorbühne werden das Ganze etwas teurer machen, voraussichtlich im unteren sechsstelligen Bereich. Die Kosten würden nicht aus dem Ruder laufen, versichert Fried: "Eine Controlling-Runde überprüft dies regelmäßig."

So empfängt die neue Halle die Besucher. Das Bild wird noch abgerundet - etwa mit begrünten Pflanztrögen und eventuell einem Schriftzug am hellen Polykarbonat der Außenfassade.
Die Bühne im Anbau wird derzeit aufgebaut. Oben ist die Beleuchterbrücke zu erkennen. Zudem gibt es dort eine vielfältige Technik wie Brandschutzvorhang, Sprinkler- und Entrauchungsanlage.
Einen Blick in die Veranstaltungshalle von der Bühne her in Richtung vordere Fassade konnt die SZ werfen. Aus diesem Blickwinkel befindet sich hinter der rechten Wand die Gasgebläsemaschine, hinter der linken der Foyer-Bereich. Foto: Willi Hiegel.

Zu Buche schlägt auch der Vandalismus - einige der nagelneuen Ziegel sind bereits zerstört, offenbar durch Flaschenwürfe. Hier werde man um einen großen Zaun mit Stacheldrahtkrone rund ums Hallengelände bedauerlicherweise nicht herumkommen, kündigt der Rathauschef an.