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Der Maulwurfn in der Gebläsehalle

Der Maulwurfn in der Gebläsehalle

Maulwurfn und sein Puppenspieler René Marik sind so populär, dass sie fast überall „Ze hage“, also zu Hause, sind.

Maximale Begeisterung für minimale Action, das funktioniert in einer René-Marik-Show so: Maulwurfn, der 30 Zentimeter "große" Antiheld, erscheint mit einem satten, an Fahrstuhlgeräusche erinnernden "Tschpftschprschirpf" samt druckausgleichendem "Pflupp" auf der Mini-Ein-Mann-Bühne. Die Welt steht still. Dann streckt der schwerst sehbehinderte Erdreichbewohner den vom Stab geführten Arm nach vorn und zieht seinen Plüschkörper ruckartig nach. Zwei Mal schafft das Maulwurfn, dann rollen Lachsalven durch die gut besuchte Gebläsehalle und gestandene Männer klopfen sich mit Tränen in den Augen gegenseitig auf die Schultern.

Da hat der kleine Verlierertyp mit der Armbinde noch nicht einmal "Hage" gesagt, geschweige denn "Autschn" oder "Rapante Rapante, lassn hage gade". Letzteres bedeutet "Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter" und ist der Klassiker schlechthin, den Marik sich für die Zugabe aufspart.

"Hinter einem alten schwarzen Lappen stehen und diese räudigen Stofffetzen hoch halten, das ist wohl zu Hause für mich", lautet eines der kurzen ironischem Statements, die der etwas wächsern wirkende Cowboystiefelmann zwischen den einzelnen Nummern einstreut. Nach drei Jahren "Bühnenabstinenz" hatte er die Puppen im Herbst 2015 reaktiviert und letztes Jahr schon mal hier, "in diesem wunderschönen Gebilde", tanzen lassen. Die Rollen sind klar verteilt: Falkenhorst, der blasierte Bildungsbürger-Frosch, darf sich sogar mit dem Meister persönlich anlegen. "Da weht aber ein eiskalter Wind durch deinen Arbeitsvertrag!", blafft er Marik an. Vor allem aber lässt er regelmäßig Maulwurfn auflaufen à la "Sag mal: Der kleine plappernde Kaplan klebt peppige poppige Papp-Plakate an die klappernde Kappellwand". Was der Blindling daraufhin zusammenstottert, lässt Logopäden reihenweise weinen. Dann gibt es da noch den Vorzeigeprolo Kalle, Eisbär mit Berliner Schnauze, Traumfrau "Babe" Barbie und den Hass-Kasper.

Außerdem greift Marik gern mal zu E-Gitarre, wirft drei bis vier Konfettis in die Luft und zelebriert melancholisch-melodische Popsongs. Hauptthema ist und bleibt aber das Scheitern. Wenn Maulwurfn Excalibur nicht aus dem Stein bekommt, ihm als Indianer das Pferd durchgeht, er versehentlich in der Matrix oder statt auf Mallorca in Afghanistan landet, bei der strohdummen "Babe" dafür nicht mal ansatzweise und das mit einem herzzerreißenden "Och, menno" kommentiert, ist die Welt für die im Saal friedlich miteinander giggelnden Generationen so was von in Ordnung. Niemand klagt, als Marik seiner "Keine Kompromisse"-Linie treu bleibt. Da kann das Publikum noch so sehr auf Maulwurfn machen und infantil- fröhlich "Näähnäähnäähnäähnääh" rufen. Der Ex-Anarcho bleibt hart. Pause ist Pause und Feierabend ist Feierabend. Esteres nach 49 Minuten, Zweiteres nach knapp zwei Stunden. Kult war noch nie eine Frage von Quantität. Respekt.