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„Der Gürtel ist sehr eng geschnallt“

Nicht nur gestern waren dunkle Wolken über dem Bosch-Werk in Wiebelskirchen. Ministerin Rehlinger hält ein Gesamtkonzept von Seiten des Bosch-Unternehmens für erforderlich. Foto: Jörg Jacobi
Nicht nur gestern waren dunkle Wolken über dem Bosch-Werk in Wiebelskirchen. Ministerin Rehlinger hält ein Gesamtkonzept von Seiten des Bosch-Unternehmens für erforderlich. Foto: Jörg Jacobi FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Die politische Sommerpause nutzt Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD), die Lokalredaktionen der Saarbrücker Zeitung zu besuchen. Am Donnerstag war sie in Neunkirchen zu Gast mit vielen interessanten Themen in der Arbeitsmappe. Heike Jungmann

. Das Wetter war regnerisch, das Gesprächsklima heiter. Ernste Themen wurden zwar nicht ausgespart, doch es wurde auch viel gelacht beim Premieren-Besuch von Anke Rehlinger in der Neunkircher Lokalredaktion. Die stellvertretende Ministerpräsidentin des Saarlandes hat als Wirtschaftsministerin weitere wichtige Ressorts wie Arbeit, Energie und Verkehr unter ihren Fittichen. Und mit dem ganz aktuellen Thema Bundesverkehrswegeplan stieg Redaktionsleiter Manfred Krause auch gleich in die Diskussion ein. Alle Projekte, die das Saarland beim Bund angemeldet habe, wurden im Plan berücksichtigt, zeigt sich die Verkehrsministerin zufrieden. Und gibt im gleichen Atemzug zu bedenken, dass diese Projekte eine lange Vorlaufzeit hätten. "Es rücken nicht morgen schon die Bagger an." Bereits in trockenen Tüchern ist jedoch die Sanierung der A 8 zwischen Neunkirchen Oberstadt und dem Kreuz Neunkirchen . 6317 Meter Autobahn sollen hier für die Zukunft verkehrstüchtig gemacht werden, das Planverfahren startet im Frühjahr 2017. 85 Millionen Euro beträgt das geschätzte Bauvolumen, Bauzeit mindestens zwei Jahre. Die Botschaft der Ministerin: Mit Beeinträchtigungen sei natürlich zu rechnen, aber es werde nicht alles lahmgelegt. Bereits Ende 2016, spätestens Anfang 2017, soll mit dem Ersatzneubau der Illtalbrücke begonnen werden. Hier seien die Aufträge vergeben, die Kosten werden mit rund 13 Millionen Euro angegeben.


Zu wünschen wäre es, wenn auch für die Landstraßen des Saarlandes mehr Geld zur Verfügung stünde. Für eine zukunftsfähige Infrastruktur müssten rund 20 Millionen Euro mehr als bisher ausgegeben werden. "Wir haben den Gürtel sehr eng geschnallt", sagt die Ministerin. Das gehe nicht auf Dauer. Einen hochinteressanten Einblick ins ministerielle Krisenmanagement gab Rehlinger beim Stichwort Fechinger Talbrücke. Ein Bauwerk, das zwar nicht im Kreis Neunkirchen liegt, aber dessen Sperrung für Lkw auch den hiesigen Verkehrsfluss tangiert. "Das war ein großer Kraftakt für uns alle, die Brücke zumindest für Autofahrer wieder befahrbar zu machen." Vor dem Winter wolle man es nun hinbekommen, dass auch Lkw wieder drüber können.

Ein Lächeln zaubert der Punkt Tourismus ins Gesicht von Anke Rehlinger . "Was Schönes, das mag ich." Zumal dieser Wirtschaftszweig sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt hat, nicht zuletzt dank des Ferienparks am Bostalsee. Im doch recht kleinen Saarland müsse man Leuchttürme herausarbeiten und den Glanz in den Regionen verbreiten. Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte sei hier zu nennen, aber auch der Erleb-nisort Reden als ein Mosaikstein der touristischen Attraktionen. Beim Stichwort Gondwana entfährt der Ministerin ein leises Stöhnen. Ein heikles Thema, das nicht weiter vertieft wird. Umso intensiver bringt sich die Wirtschaftsministerin beim Thema Bosch ein. Bekanntlich steht die Bosch Emission Systems GmbH, kurz BESG, in Neunkirchen vor dem Aus, 200 Arbeitsplätze sind in Neunkirchen , weitere 160 bei der Homburger Rexroth betroffen. Sie stehe in regelmäßigem Kontakt mit der Werksleitung, sagt Rehlinger. Gerade in Neunkirchen sei die Belegschaft noch sehr jung. Sie könnte sich vorstellen, dass man ein alternatives Konzept auf die Beine stelle.

Der nächste Termin wartet, in Neunkirchen regnet es Bindfäden. Aber das Wetter soll besser werden. Auch in Greetsiel an der Nordsee. Dem Urlaubsziel der Rehlingers.. Barrierefreiheit im Öffentlichen Nahverkehr ist für Verkehrsministerin Anke Rehlinger ein hohes Ziel. Sie hat die Kommunen im Kreis Neunkirchen dazu ermuntert, mehr für die Barrierefreiheit von Bushaltestellen zu tun. Erleichtert wird dies durch entsprechende Fördermöglichkeiten. Das Sonderprogramm des Landes ist bis Ende kommenden Jahres befristet. Die Gemeinden Merchweiler (Marktstraße und Brückenstraße), Spiesen-Elversberg (Neunkircher Straße) und Eppelborn (Am Güterbahnhof) haben bereits Anträge vorgelegt. Um in den Genuss der Fördergelder zu kommen, müssen die Kommunen bestimmte Bedingungen erfüllen. Ansprechpartnerin für den Landkreis Neunkirchen ist Gabriele Klein, Telefon (0681) 5 01 47 99.

Anke Rehlinger und Pressesprecher Wolfgang Kerkhoff (rechts) gestern im Redaktionsgespräch mit (v.l.) Robert Schmidt, Manfred Krause, Heike Jungmann und Oliver Spettel. Foto: Thomas Seeber
Anke Rehlinger und Pressesprecher Wolfgang Kerkhoff (rechts) gestern im Redaktionsgespräch mit (v.l.) Robert Schmidt, Manfred Krause, Heike Jungmann und Oliver Spettel. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber